Schicksalsschläge verändern unerwartet nicht nur den gewohnten Alltag und eingespielte Abläufe, sondern auch Hoffnungen und Zukunftspläne. Im Unstrut-Hainich-Kreis hat es eine Familie, die anonym bleiben möchte, getroffen. Sie hat auf dramatische Weise Ehemann und Vater (61) verloren. Lange Zeit wurde er in weit entfernten Kliniken behandelt. Die Ehefrau reduzierte ihre Arbeit, um mit den beiden Kindern regelmäßige Besuche zu ermöglichen. Das brachte die Familie finanziell an die Grenze. Die Kosten für die Beerdigung in Höhe von 8000 Euro kann die Familie derzeit nicht aus eigener Kraft aufbringen. „Thüringen hilft“, die Spendenaktion unserer Zeitung und der Diakonie Mitteldeutschland, will die Familie mit 5000 Euro unterstützen. Für „Thüringen hilft“ hat sie ihre Geschichte aufgeschrieben:

Defibrillator löst immer wieder aus und verschärft Gesundheitskrise

Wie schnell sich ein Leben verändern kann, mussten wir auf schmerzhafte Weise erfahren. Unser Mann und Papa, wir kannten ihn nur kerngesund, lebenslustig und voller Energie, musste sich seit 2023 mehreren Operationen unterziehen. Er bekam einen Herzschrittmacher, später einen Defibrillator. Doch ab August 2025 verschlechterte sich sein Zustand dramatisch. Der Defibrillator löste immer häufiger aus. Dabei sollte das Gerät eigentlich gar nicht oder nur ganz selten eingreifen müssen, nur fünf Prozent der Träger erhalten einen lebensrettenden Schock – pro Jahr. Bei meinem Mann löste er alle zwei Wochen aus.

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Gestorben, aber nicht vergessen: In der Erinnerung lebt der Mensch weiter.© Funke Medien Thüringen | Ingo Glase

In Leipzig sollte er dann operiert werden. Doch vorab wurde ein Blutgerinnsel am Herzen entdeckt, der Eingriff musste verschoben werden. Es folgten Wochen voller Krankenhausaufenthalte, Entlassungen und erneuter Notfälle. Immer wieder löste der Defibrillator aus. Immer wieder mussten wir hoffen, dass es diesmal besser werden würde. Am 16. November kam mein Mann erneut nach Leipzig, erlitt dort einen Tag später einen Herzstillstand, es kam zum Organversagen. Er lag im künstlichen Koma, musste künstlich beatmet werden.

Kampf ums Überleben: Wie eine Herz-OP das Leben der Familie verändert

Den Anblick werde ich nie vergessen. Mein Mann lag auf der Intensivstation, angeschlossen an unzählige Geräte. Seine Herzleistung betrug nur noch zehn Prozent. Seine einzige Chance lag in einem künstlichen Herzen. Doch erst nach einer Woche war sein Körper stabil genug für den mehrstündigen Eingriff. Er verlief zunächst gut, dann begann der Albtraum. Immer neue Blutgerinnsel, immer neue Operationen. Mein Sohn übernahm die täglichen Anrufe, ich hatte keine Kraft mehr. Auch die fast täglichen Fahrten nach Leipzig mussten wir reduzieren, weil wir körperlich und finanziell an unsere Grenzen kamen.

Versicherung lehnt Kostenerstattung für Abschleppdienst ab

Am ersten Weihnachtstag platzte auf der Fahrt ein Reifen. Obwohl unsere Versicherung telefonisch eine Kostenübernahme der Pannenhilfe zusicherte, blieben wir auf 1000 Euro sitzen. Die Begründung war plötzlich, dass wir auf den Abschleppdienst der Versicherung hätten warten müssen. Es war nur eines von vielen zusätzlichen Problemen.

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Anfang Januar wollten die Ärzte meinen Mann aus dem künstlichen Koma holen. Doch er wachte nicht auf, erst Ende Januar wurde er ansprechbar. Im Februar schien es endlich bergauf zu gehen. Doch plötzlich bekam er eine schwere Lungenentzündung. Wieder musste er künstlich beatmet werden, wieder begann eine Zeit des Bangens, des Hoffens, des Wartens.

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In dieser Zeit erlitt unser Auto durch einen unverschuldeten Unfall einen Totalschaden. Da es ein älteres Modell war, bekamen wir nur den Zeitwert und waren gezwungen, einen Kredit für ein gebrauchtes Auto aufzunehmen.

Neuer Lebensmut: Rehabilitation bringt erste Fortschritte

Im März wurde mein Mann nach Kreischa verlegt, weil die Ärzte hofften, dass ein Wechsel der Umgebung auch psychisch helfen würde. Er machte tatsächlich große Fortschritte, konnte von der Dialyse entwöhnt werden und lernte, wieder selbstständig zu atmen. Dann kam die nächste Lungenentzündung. Doch auch dieses Mal kämpfte er sich zurück.

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Er bekam eine Reha. Wir dachten: Jetzt geht es endlich nach vorne, auch wenn ihn eine schwere Gürtelrose in Quarantäne zwang. Trotzdem waren diese vier Wochen eine Zeit der Hoffnung. Mein Mann kam langsam wieder zu Kräften, wir konnten mit dem Rollstuhl durch den Klinikpark spazieren, Karten spielen, lachen, hatten ein kleines bisschen Alltag. Unser letztes Telefonat führten wir am Sonntag, dem 9. August, gegen 17.30 Uhr. Dabei klang mein Mann müde.

Am nächsten Tag kam er wieder auf die Intensivstation, sein Zustand hatte sich verschlechtert. Durch eine Sepsis hatten Leber und Nieren versagt. Wir sollten überlegen, welche lebensverlängernden Maßnahmen wir noch wollten. Wir entschieden, dass keine Reanimation und kein erneuter Luftröhrenschnitt durchgeführt werden sollten. Wir wollten, dass mein Mann und Papa nicht noch mehr leiden musste.

Lebenserhaltende Maschinen werden abgeschaltet: Familie nimmt Abschied

Es wurde ein Pilz im Blut entdeckt, der nicht nur die Organe schädigte: Auch das Kunstherz hätte in einer achtstündigen Operation ausgetauscht werden müssen. Doch der Körper meines Mannes war dafür zu schwach. Die Ärzte sahen keine Chance, dass er den Eingriff überleben würde. Wir mussten die schwerste Entscheidung unseres Lebens treffen.

Gemeinsam baten wir, die lebenserhaltenden Maschinen abstellen und meinen Mann in Ruhe einschlafen zu lassen. Am Samstag besuchten wir ihn noch einmal. Sein Bett stand am Fenster, sodass er ins Grüne schauen konnte. Es gab kein Piepen der Maschinen mehr. Keine Hektik. Keine unzähligen Geräte. Nur Ruhe. Und ganz viel Liebe. Wir hielten seine Hand und redeten. Ich schaute meinen Mann an und sagte: „Schatz, weißt du, es ist ein Scheißplan. Ich weiß nicht, wer den für uns gemacht hat.“ Er schaute mich an, lächelte und sagte: „Wir sehen uns wieder.“ Dieser Satz wird für immer in unseren Herzen bleiben. In diesem Moment konnten wir loslassen.

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Liebevolle Worte zum Abschied. © Funke Medien Thüringen | Ingo Glase

Wir beschlossen, nicht noch einmal nach Kreischa zu fahren. Wir wollten diesen letzten Moment, diesen Satz und diese besondere Atmosphäre in unseren Herzen bewahren. Am Dienstag wurde seine Atmung immer langsamer. Am Mittwochmorgen kam der Anruf. Mein Mann war in der Nacht um 1.48 Uhr friedlich eingeschlafen. Nach Monaten voller Operationen, Rückschläge, Hoffnungen und Ängste war sein Kampf zu Ende.

Familie kämpft nach Schicksalsschlag mit Trauer und finanziellen Folgen

Für uns begann damit ein anderer Kampf: das Leben ohne meinen Mann und Papa. Denn neben der Trauer bleiben nicht nur die Erinnerungen. Es bleiben auch die Folgen dieser Zeit – emotional, organisatorisch und finanziell. Wir haben gelernt, dass ein Schicksalsschlag nicht nur das Leben eines Menschen verändert. Er verändert das Leben einer ganzen Familie.

„Thüringen hilft“ möchte die Familie mit 5000 Euro unterstützen. Wer helfen will:
Spendenkonto: DE89 8205 1000 0125 0222 20
Empfänger: Diakonie Mitteldeutschland
oder per Mausklick hier
Kennwort: Abschied

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