Anti-Papst-Demo außer Hörweite von Benedikt XVI.

"Höllenspaß statt Heidenangst - oder nee, andersrum." Frank hat sich verhaspelt. Pressekonferenzen sind nicht sein gewohntes Metier. Und Lena mag Presse überhaupt nicht, also: "Heidenspaß statt Höllenangst", so heißt die Initiative richtig, und ja, sie hat etwas gegen diesen Papstbesuch in Thüringen.

Erfurt. Dieses Riesenspektakel, sagt Frank, sollte nicht kritiklos über die Bühne gehen. Die jungen Leute nennen nur ihre Vornamen, Gesichter für die Öffentlichkeit brauche ihr Bündnis nicht, finden sie. Auch sei schon genug gepöbelt worden, sie würden dem Ansehen Erfurts und ganz Thüringens schaden.

Hinter den Ansehensschändern steht ein loses Netzwerk aus hauptsächlich linken Grüppchen und der Antifa-Szene aus Erfurt und Jena. Sie werfen Benedikt XVI. vor, Homosexuelle zu stigmatisieren, eine fiese Abtreibungspolitik zu vertreten, die erzreaktionäre Piusbruderschaft zu hätscheln und überhaupt: "Ich sehe gar nicht ein, das unvollkommene Geschöpf eines Schöpfers sein zu sollen", wird Frank leidenschaftlich. "Ich find’ mich nämlich ganz toll, so wie ich bin."

Wie er ist, wird nicht weiter ausgeschmückt. Dafür sagt Philipp, dass ein Demonstrationszug am Freitag um 18 Uhr am Erfurter Bahnhofsvorplatz startet. Ordentlich angemeldet von Steffen Dittes. Der ehemalige PDS-Landtagsabgeordnete wird am Sonnabend auch als Versammlungsleiter fungieren. Weil ein Versammlungsleiter und Ordner nun mal vorgeschrieben sind, wenn die zentrale Erfurter Einkaufsmeile Anger vom Bündnis zur "religionsfreien Zone" erklärt wird.

Da wird Musik sein, sagt Lena, und auch ein Mikro zum Diskutieren über den Papst, der zur selben Zeit eine große Messe weit genug weg auf dem Domplatz feiert. "Der hat ja auch was gegen uns", behauptet Karl. Also gegen Leute, die nicht treu sein wollen und so. Da hört sich dann die Toleranz aber auf.

Von einem allgemeinen Demo-Verbot sei nichts bekannt.

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