• Trump macht bei seinem Gaza-Plan Druck
  • In Ägypten laufen indirekte Verhandlungen zwischen Hamas und Israel
  • Doch wer führt die Verhandlungen für die Terrororganisation?
  • Chalil al-Haja ist eingeübter Verhandler – mit radikalen Ansichten

Noch im Januar zeigte sich Chalil al-Haja von einer unversöhnlichen Seite. Der hochrangige Hamas-Mann sprach eine Rachetirade gegen Israel in die Kamera. „Im Namen der Familien der Märtyrer, im Namen eines jeden vergossenen Blutstropfens“, ereiferte er sich, „so sagen wir an ihrer Stelle: Wir werden nicht vergessen, und wir werden nicht vergeben.“ Im Hintergrund waren als Kulisse zerstörte Häuser im Gazastreifen eingeblendet. Chalil al-Haja selbst nahm das Video allerdings von seinem sicher geglaubten Verwaltungssitz in der katarischen Hauptstadt Doha auf. Umringt von der restlichen politischen Führung der Hamas, gab er von dort den Takt für das Auftreten der Terrororganisation vor.

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Nun, im Oktober, führt er in Scharm El-Scheich als Chefverhandler die Delegation der Hamas im Ringen um den Trump-Plan an. Wie ist er zu diesem Posten gekommen? Und welche Positionen vertritt er? Wird eine Einigung mit ihm wahrscheinlicher oder könnte sie an ihm scheitern?

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Hamas: Chalil al-Haja stieg immer weiter auf

Chalil Al Haja ist in den vergangenen Monaten innerhalb der Hamas immer weiter aufgestiegen. Zuvor hatte Israel zahlreiche ranghohe Hamas-Anführer und Kommandeure im Gazastreifen getötet, unter ihnen Jahia al-Sinwar und Mohammed Deif. Den damaligen politischen Führer der Hamas, Ismail Hanija, tötete Israel bei einem Anschlag im Juli 2024 in Teheran. Das Politbüro der Hamas verschanzte sich in Doha, persönlich beschützt von den Wachen des Emirs, sendete erbitterte Videobotschaften und musste zusehen, wie sein Einflussbereich rasant schrumpfte.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Seit einem guten Jahr geht es Schlag auf Schlag: Im September 2024 griff Israel mit einem raffinierten Schachzug auf die Pager etlicher Hisbollah-Kämpfer im Libanon zu und brachte sie zur Explosion. Von jetzt auf gleich war die Führungsriege der befreundeten Terrorgruppe empfindlich ausgedünnt. Am 8. Dezember fiel das Assad-Regime in Syrien endgültig an die Rebellen, nachdem Russland beschlossen hatte, es wegen des eigenen verlustreichen Kampfes in der Ukraine nicht weiter militärisch zu stützen.

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Auch der Iran fiel als Unterstützer der Hamas zusehends aus: Durch den Krieg im Gazastreifen und die Konfrontation mit Israel waren die Mullahs bereits geschwächt. Hinzu kamen Sanktionen des Westens, die die Wirtschaft des Landes bis heute darben lassen. Der israelisch-amerikanische Großangriff auf die iranischen Atomanlagen im Juni und der anschließende 12-Tage-Krieg verschlimmerte die Lage Irans weiter – die Hamas war zunehmend isoliert.

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Der jüngste Schlag erfolgte am 9. September: Israel feuerte auf die Zentrale der Terrororganisation in Doha und tötete mehrere Mitglieder aus dem inneren Zirkel.

Darunter auch beinahe Chalil al-Haja.

Ihm soll der Angriff gegolten haben. Zunächst hieß es, der 64-Jährige sei getötet worden, dies wurde später von der Hamas korrigiert. Sechs Menschen kamen ums Leben, darunter ein Sohn al-Hajas sowie dessen Büroleiter. Israels Militär verkündete, die in Doha ansässigen Hamas-Mitglieder seien direkt für das Massaker am 7. Oktober verantwortlich und „orchestrierten und steuerten den Krieg gegen den Staat Israel“. Chalil al-Haja fungierte in Katar bereits als Vorsitzender des Hamas-Verhandlungsteams für den Gazastreifen. Dass er nun in Ägypten als Chefunterhändler auf den Plan tritt, überrascht deshalb nicht.

Israel Palestinians Hamas Interview
Chalil al-Haja: Der Hamas-Mann ist der Ideologie der Terrororganisation fest verschrieben. © picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Khalil Hamra

Hamas-Verhandler ließ sich vor Jahren in Katar nieder

Al-Haja ist Mitglied der Hamas seit ihrer Gründung im Jahr 1987, ein Veteran der Terrorgruppe. Zuvor hatte er sich der sunnitischen Muslimbruderschaft angeschlossen, ein Vorläufer der Hamas. Im Gazastreifen wurde er mehrmals von israelischen Soldaten festgenommen. Im Zuge des Konflikts mit Israel verlor al-Haja mehrere Familienmitglieder. Seine Frau, drei seiner Kinder und drei seiner Brüder wurden getötet, als Israels Militär 2007 seinen Wohnort im Viertel Shejaia in Gaza-Stadt bombardierte. Al-Haja selbst überlebte den Angriff. Im Krieg zwischen der Hamas und Israel 2014 spielte er eine Schlüsselrolle bei Verhandlungen um eine Waffenruhe. Im selben Krieg wurde al-Hajas Sohn Osama bei einem Bombenangriff auf sein Haus getötet. Dabei kamen auch al-Hajas Schwiegertochter und drei seiner Enkelkinder ums Leben.

Die Rolle des Mittlers scheint er seit mehreren Jahren auszufüllen – er verließ Gaza und ließ sich in Doha nieder, um als Schnittstelle zwischen der arabischen und der islamischen Welt zu agieren. Gute Verbindungen nach Teheran sagt man ihm schon länger nach. Dorthin hatte er auch Ismail Hanija begleitet, als dieser vor Ort von Israel getötet wurde.

Mehr von Israel-Korrespondentin Maria Sterkl

Hamas: Chefverhandler ist eine widersprüchliche Figur

Das Massaker vom 7. Oktober, so sagte al-Haja einmal, habe die „palästinensische Sache“ erfolgreich wieder in den Fokus der Weltgemeinschaft gerückt. Er unterstrich den taktischen Wert von Geiselnahmen, um den Verhandlungsdruck zu erhöhen. Hamas-Mitglieder töteten bei dem Massaker laut israelischen Angaben 1200 Menschen und entführten 251. Mehr als 67.000 Palästinenser wurden seither im Gaza-Krieg getötet, wie die Gesundheitsbehörde in Gaza mitteilte.

Al-Haja ist eine widersprüchliche Figur: Einerseits ist er der Ideologie und den Zielen der Hamas verschrieben, andererseits gilt er als pragmatischer, verhandlungssicherer Akteur mit Verbindungen ins Ausland. Vermutlich gibt es dieser Tage niemanden in der ausgedünnten Hamas-Führungsriege, der für die Verhandlungen in Scharm El-Scheich geeigneter wäre.