Während im Gazastreifen die Menschen in Richtung Norden strömen und das Ende des Kriegs feiern, macht sich die Hamas daran, ihre Kontrolle über die Menschen in Gaza zu behaupten. In sozialen Medien gibt die Gruppe bestimmten Clans die Schuld am anhaltenden Hunger in Gaza: Die, die Lebensmittel im großen Stil plünderten und am Schwarzmarkt verkauften, seien von Israel bezahlte Kollaborateure des Feinds. Auch die Schüsse an den umstrittenen amerikanischen Verteilzentren für Lebensmittelpakete, die mehrere Tausend Palästinenser das Leben kosteten, seien das Werk israelischer Kollaborateure, behauptet die Hamas.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Die Frustration und der Zorn sind so groß, dass viele in Gaza bereit sind, das zu glauben. Sie richten ihre Wut nun gegen die Clans – und denken nicht daran, sich gegen die Hamas aufzulehnen.
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Hamas rüstet weiter auf
Dass der Deal von US-Präsident Donald Trump nicht mehr davon spricht, den Hamas-Kämpfern die Waffen wegzunehmen, spielt der Terrorgruppe in die Hände. Israel hat dieser Bedingung zugestimmt. Die Logik dahinter: Es sind Raketen, die die Hamas in Gaza für Israel gefährlich machen. Mit Kalaschnikows übt die Hamas ihren Terror jedoch gegen die Menschen im Gazastreifen aus.
In den vergangenen zwei Wochen nahmen öffentliche Exekutionen in Gaza zu. Und die Hamas rüstet weiter auf. Laut lokalen Quellen hat die Terrorgruppe in den vergangenen Tagen per Textnachricht mehrere Tausend ihrer bewaffneten Männer aufgerufen, sich dem Kampf anzuschließen, um in den von Israel geräumten Gebieten die Macht zu übernehmen. Das offizielle Ziel ist es, die Gegend „von Kollaborateuren Israels zu säubern“, hieß es. „Für Verräter und Kollaborateure gibt es keine Gnade“, erklärte einer ihrer Vertreter auf X.

Hamas-Kämpfer übernehmen Macht in geräumten Gebieten
Nach und nach gelingt es den Hamas-Kämpfern, in den von Israel geräumten Gebieten die Macht zu übernehmen. Dutzende Clan-Mitglieder wurden in Gaza-Stadt von Hamas-Leuten erschossen, weitere wurden verschleppt – offenbar, um ihnen durch Folter Geständnisse abzuringen. Zuvor hatten Mitglieder dieses Clans zwei hochrangige Hamas-Leute getötet. Es wird befürchtet, dass die Spannungen zwischen der Hamas und bewaffneten Clans in Gaza weiter zunehmen werden.
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Indes erhofft sich die Hamas einen weiteren Auftrieb durch jene Terroristen, die aus israelischen Gefängnissen freigelassen wurden. Laut Medienberichten wurden die Busse, die die Gefangenen nach Gaza brachten, von maskierten, bewaffneten Hamas-Männern begleitet, die in die Luft schossen – eine Machtdemonstration der Gruppe, die den Gazastreifen mit ihrem Überfall auf Israel in den längsten Krieg seiner Geschichte gestürzt hat.
Den von Trump vermittelten Waffenruheplan mit Israel lehnt die Hamas in Gaza zwar ab, versucht aber dennoch die Freilassung der Gefangenen als Erfolg zu verkaufen: Dass Israel 2000 palästinensische Gefangene aus der Haft entlassen musste, schreibt sich die Gruppe als Errungenschaft zu.

250 verurteilte Palästinenser freigelassen – die meisten haben Blut an den Händen
Die überwiegende Mehrheit von ihnen sind keine Terroristen. Es handelt sich um mehr als 1700 Menschen, die im Zuge der israelischen Bodenoffensive in Gaza festgenommen und seither festgehalten werden – darunter auch Minderjährige. Es ist kein Gerichtsverfahren gegen sie anhängig. Sie befinden sich in Administrativhaft und wissen in der Regel nicht, was ihnen konkret angelastet wird. Der Zugang zu einem Anwalt ist eingeschränkt, eine Verhandlung vor Gericht gibt es nicht – sondern nur einen Videocall mit einem Richter, der ein paar Minuten dauert. Zu Enthaftungen führen diese Anhörungen fast nie. Menschenrechtsorganisationen üben scharfe Kritik an diesen Festhaltungen.
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Anders verhält es sich bei jenen 250 Gefangenen, die zu lebenslänglicher Haft verurteilt wurden, und am Montag gemäß Trumps Deal von Israel freigelassen werden mussten. Die überwiegende Mehrheit von ihnen sind Terroristen mit Blut an den Händen.
Unter ihnen ist etwa Imad Qawasme, ein Hamas-Kommandant aus Gaza, der für einen Selbstmordanschlag in der südisraelischen Stadt Beerscheba im Oktober 2004 verantwortlich gemacht wird – 16 Israelis waren dabei ums Leben gekommen. Ein weiterer prominenter Terrorist ist Eyad Abu Al-Rub, Kommandant des Palästinensischen Islamischen Dschihad im Großraum Dschenin. Er wird für mehrere tödliche Selbstmordattentate verantwortlich gemacht, bei denen insgesamt 13 Menschen getötet wurden. Auch ein palästinensischer Polizist, der sich einem Lynch an zwei israelischen Reservesoldaten anschluss, wird enthaftet, sowie ein Mann aus Gaza, der einen 13-Jährigen vergewaltigt und anschließend ermordet hat.
Hamas: Freigelassene Straftäter sind teilweise „sehr charismatische Männer“
Nicht alle freigelassenen Gefangenen wurden ins Westjordanland oder nach Gaza gebracht: Laut palästinensischen Angaben wurden 154 Personen nach Ägypten abgeschoben, weil Israel einen Aufenthalt in den palästinensischen Gebieten als zu riskant erachtet – darunter beispielsweise Eyad Abu Al-Rub.
Einige der Sicherheitshäftlinge, die nach Gaza und ins Westjordanland gebracht wurden, sind prominente Figuren, die den israelischen Geheimdiensten seit langem einschlägig bekannt sind, sagt Naomi Neumann, Forscherin des Washington Institut und frühere hochrangige Mitarbeiterin des israelischen Inlandsgeheimdienstes Shin Bet. „Manche von ihnen kenne ich persönlich“, sagt Neumann. Es handele sich zum Teil um „sehr charismatische Männer“, die in der Lage sind, Menschen für ihre Zwecke zu mobilisieren. Das sei genau das, was die Hamas in Gaza in der aktuellen Lage gebrauchen kann.









