1990 ist die DDR gerade zerfallen, und der junge Dietmar Bartsch trifft eine Entscheidung, von der ihm damals selbst enge Freunde abraten: Nach Abschluss seiner Promotion an einer sowjetischen Kaderschmiede wird er Schatzmeister der SED-Nachfolgepartei PDS – in einem Moment, wo diese um ihr Überleben und ihr Vermögen kämpft. „In der PDS waren gerade alle verhaftet und man suchte jemand Neues“, erinnert sich Bartsch. Und obwohl ihm Freunde sagen, die PDS sei „ein totes Pferd, auf das setzt man sich nicht“, nimmt er die Aufgabe an.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Hausdurchsuchungen im Karl-Liebknecht-Haus und in seiner Wohnung, Skandale und Auslandskonten: Im Podcast „Meine schwerste Entscheidung“ dieser Redaktion erzählt der Linken-Politiker, wie er diese Zeit erlebt und was aus dem Vermögen der SED wirklich wurde – in DDR-Mark immerhin „mindestens ein zweistelliger Milliardenbetrag“, wie Bartsch selbst sagt.

Spenden nur in bar: Das war „sehr vernünftig“, findet Bartsch
Im Gespräch mit Jochen Gaugele und Theresa Martus verteidigt er außerdem eine Anweisung des damaligen Parteichefs Gregor Gysi, sämtliche Transaktionen nur noch in bar durchzuführen – übermittelt in einem Brief, der eigentlich nach dem Lesen hätte vernichtet werden sollen. „Das war, fand ich, sehr vernünftig“, sagt Bartsch im Podcast, Spenden an die Partei wären sonst auf beschlagnahmte Konten geflossen. Den Brief nicht vernichtet zu haben, das sei ein Fehler gewesen. „Aber zur Sache selbst stehe ich, wir haben das Überleben, das finanzielle Überleben geschafft“ – und damit auch das politische Überleben der Partei, die später die Linke wurde und bis heute im Bundestag sitzt.
Rückblickend, sagt Bartsch, sei es die richtige Entscheidung gewesen, den Job als Schatzmeister anzunehmen. Und für den heute 67-Jährigen ist diese Zeit der Grundstein einer langen politischen Karriere. Bartsch wird später Bundesgeschäftsführer, Spitzenkandidat und Fraktionschef der Linken im Bundestag. 2025 wurde er erneut ins Parlament gewählt.
Auf die DDR blickt er heute mit gemischten Gefühlen zurück. „Ich sehe das Kritische“, sagt er im Podcast. Der Staat sei in erster Linie wirtschaftlich gescheitert. Persönlich aber hat er gute Erinnerungen an das Leben im DDR-System. „Das war halt auch eine schöne Zeit als junger Mensch“, sagt Bartsch.
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Den Niedergang des DDR-Systems vor 1989 erlebte Bartsch von Moskau aus, wo er als sogenannter Aspirant an der Akademie für Gesellschaftswissenschaften beim ZK der KPdSU – eine privilegierte Position, wie Bartsch selbst sagt. Für den studierten Wirtschaftswissenschaftler sind die Jahre in Moskau und die Reisen durch die damalige Sowjetunion eine prägende Zeit. In „Meine schwerste Entscheidung“ erzählt er, wie er Jahrzehnte später zurückkehrt – noch vor dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine – und ein verändertes Land und veränderte Menschen vorfindet. Das russische Volk „als Ganzes in den Senkel stellen“ will Bartsch trotzdem nicht, auch angesichts der deutschen Geschichte. „Uns ist die Chance gegeben worden und man muss sie selbstverständlich den Russinnen und Russen auch geben“. Die „Verdammnis einer ganzen Bevölkerung“ sei falsch, sagt Bartsch.
Den Podcast „Meine schwerste Entscheidung“ können Sie hier hören und auf allen gängigen Streaming-Plattformen wie Spotify, Apple Podcast und Amazon Music. Neue Folgen erscheinen jeden zweiten Donnerstag.




