Keir Starmers Zukunft als Labour-Parteichef und britischer Premierminister hängt immer mehr in der Luft. Schon seit Monaten wächst innerhalb der Partei der Ärger über die miserablen Umfragewerte und den politischen Kurs von Starmers Regierung, die sich beispielsweise in Sachen Einwanderung zuletzt immer mehr nach rechts gelehnt hat.

Der Aufschrei um die Ernennung des skandalgeschüttelten ehemaligen Labour-Ministers Peter Mandelson zum US-Botschafter trotz seiner Nähe zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein fügt Starmer nun immer größeren Schaden zu: Am Sonntag trat Starmers Stabschef und enger Berater Morgan McSweeney deswegen zurück. Am Montagvormittag folgte ihm Starmers Kommunikationschef Tim Allan. Innerhalb von 24 Stunden hat Großbritanniens Premier somit zwei Schlüsselberater verloren. Es ist ein zunehmend verzweifelt wirkender Versuch der Schadensbegrenzung.

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Starmer nominiert Mandelson trotz Epstein-Kontakten als US-Botschafter

Als Starmer im Dezember 2024 überraschend ankündigte, dass er Peter Mandelson als Botschafter nach Washington entsenden würde, war das von Anfang an eine kontroverse Entscheidung. Damit stieß Starmer nicht nur den diplomatischen Dienst vor den Kopf, weil er damit zahlreiche qualifiziertere Karriere-Diplomaten überging. Starmer hoffte offenbar darauf, dass Mandelson mit seinen engen Kontakten in die amerikanische Politik und Wirtschaft die Beziehung zwischen dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten vertiefen könnte.

Dabei ist Mandelson während seiner jahrzehntelangen Laufbahn als hochrangiger Labour-Politiker und einflussreicher Strippenzieher immer wieder über Skandale gestolpert und galt schon lange als kontroverse Figur. Auch war es Starmer offenbar bekannt, dass Mandelson in der Vergangenheit auch dann noch Kontakt zu dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hatte, nachdem dieser 2008 wegen Anstiftung zur Prostitution einer Minderjährigen verurteilt worden war.

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Epstein-Akten: Zahlungen und Insider-Infos belasten Mandelson

Als im vergangenen September neu veröffentlichte E-Mails zeigten, dass Mandelsons Verhältnis zu Epstein noch enger war, als zuvor bekannt, musste ihn Starmer von seinem Posten als US-Botschafter entlassen.

Die neue Tranche an Epstein-Akten, die das US-Justizministerium kürzlich veröffentlicht hat, zeichnet ein noch belastenderes Bild. So soll Epstein Mandelson und seinem Partner zwischen 2003 und 2004 etwa 75.000 US-Dollar überwiesen haben. Mandelson sagt, er habe daran keine Erinnerung und bestreitet die Echtheit der Unterlagen. Nach der Finanzkrise 2008 soll Mandelson Epstein mit marktrelevanten und politischen Insider-Informationen versorgt haben. Die britische Polizei ermittelt daher aktuell gegen Mandelson wegen des Verdachts auf Fehlverhalten im öffentlichen Amt. Polizeibeamte durchsuchten am Wochenende zwei Häuser Mandelsons.

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McSweeney übernimmt Verantwortung für Mandelson-Ernennung und tritt zurück

Starmer erklärte nach dem Bekanntwerden der neuen Erkenntnisse, Mandelson habe ihn über das Ausmaß seiner Beziehung zu Epstein belogen. Sein Berater Morgan McSweeney übernahm dafür die politische Verantwortung. Nach seinem Rücktritt erklärte er, die „Entscheidung, Peter Mandelson zu ernennen, war falsch. Er hat unserer Partei, unserem Land und dem Vertrauen in die Politik selbst geschadet.“ Er habe Starmer dazu geraten, Mandelson zum US-Botschafter zu ernennen, „und ich übernehme die volle Verantwortung für diesen Rat“.

McSweeney war Starmers rechte Hand und galt als Architekt der Wiederauferstehung der Labour-Partei, die unter dem vorherigen linken Parteichef Jeremy Corbyn immer mehr ins Abseits geraten war. Nicht wenige Beobachter glauben, dass McSweeney hinter den Kulissen der zentrale Entscheidungsträger in der Downing Street war. Sein Rücktritt ist ein schwerer Rückschlag für Starmer.

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Labour-Chef Starmer gerät parteiintern zunehmend unter Druck

Ob das ausreichen wird, Starmers schwer angeschlagene Position innerhalb der Partei zu retten, ist jedoch fraglich. Die Rücktrittsforderungen mehren sich. So berichteten britische Medien am Montagnachmittag, dass sich auch Anas Sarwar, der Labour-Chef in Schottland, anschickte, Starmer in einer Pressekonferenz zum Rücktritt aufzufordern.

Es ist recht wahrscheinlich, dass sich Starmer zumindest bis Ende dieses Monats im Amt halten wird. Dann wird im Wahlkreis Gorton and Denton vor den Toren Manchesters nach dem Rücktritt des dortigen Labour-Abgeordneten eine Nachwahl abgehalten. Verliert Labour diesen Sitz, dürfte es eng werden für Starmer.