Diskussion um Auswahl bei übrig gebliebenen Impfungen in Gera

Ulrike Merkel
| Lesedauer: 2 Minuten
Impfwillige warten Mitte April vor dem Impfzentrum Ostthüringen in Gera, um eine der übrig gebliebenen Dosen zu erhalten.

Impfwillige warten Mitte April vor dem Impfzentrum Ostthüringen in Gera, um eine der übrig gebliebenen Dosen zu erhalten.

Foto: Foto: Ulrike Merkel

Gera.  Der Leiter des Geraer Impfzentrums weist Rassismus-Anschuldigungen zurück.

Beinah jeden Abend warten vor dem Impfzentrum in Gera Leute, um eventuell eine der Restimpfungen zu erhalten. Drei ausländische Doktoranden des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie in Jena fühlen sich jedoch aus rassistischen Motiven bei der Auswahl übergangen. Das schildert ihr Gruppenleiter Markus Knaden in einem Briefwechsel mit der verantwortlichen Kassenärztliche Vereinigung (KV).

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Am Anfang einer langen Schlange Impfwilliger

Am Montag vor 14 Tagen hätten außer dem ausländischen Trio und drei asiatisch-stämmigen Personen nahezu alle in der Warteschlange eine der übrig gebliebenen Impfungen erhalten. „Da alle drei bereits kurz nach 16 Uhr vor Ort waren, standen sie am Anfang einer langen Schlange Impfwilliger“, schreibt Knaden. „Meinen Mitarbeitern wurde jedoch nach zweimaliger Kontrolle ihrer Personalien (alle sind nichtdeutsche EU-Bürger, die seit 1-3 Jahren in Thüringen wohnhaft sind) von dem Sicherheitspersonal mitgeteilt, dass ihnen keine Impfung angeboten werden kann“. Und das, obwohl die meisten ausgewählten Deutschen der gleichen Altersklasse angehört hätten.

Mediziner weisen Vorwürfe zurück

Die KV wie auch der Leiter des Impfzentrums Martin Weigelt weisen die Vorwürfe scharf zurück. „Hier werden täglich sämtliche Nationalitäten über die normale Terminvergabe und definitiv auch abends nach 20.30 Uhr mit ‚Rest-Impfstoff‘ geimpft“, so Weigelt. Das will Knaden auch nicht in Abrede stellen. Andere ausländische Doktoranden an seinem Institut hätten in Gera durchaus Glück gehabt.

Am betreffenden Montag seien Menschen mit höherer Priorität und höherem Alter vorgezogen worden, begründet Weigelt die Auswahl nach Rücksprache mit dem diensthabenden Personal. Das sei für Wartende nicht immer nachvollziehbar. Bei den Ausgewählten habe es sich zum Beispiel um ein Ehepaar gehandelt, das einen 91-jährigen Angehörigen pflegt, einen Schwerbehinderten, einen Rettungssanitäter sowie ältere Leute. „Es gibt nun einmal keinen Anspruch.“

Team des Impfzentrums ist international

Der Impfzentrumsleiter betont zudem, dass auch sein Team international sei. „Ein größerer Teil des Sicherheitspersonals, Soldaten, MFA und auch der Ärzte hat selber einen Migrationshintergrund, und mir ist bis heute noch nie irgendwas in Richtung Rassismus aufgefallen.“

Die allabendlichen Entscheidungen würden auch dazu führen, dass Abgewiesene unangenehm würden, sagt Weigelt. Die schwierige Situation des Impfzentrums erkennt auch Knaden an. Umso wichtiger erachtet er es, „dass einzelne Vorgehensweisen – wie die Selektionsstrategien des Sicherheitspersonals am Eingang des Impfzentrums – kritisch hinterfragt werden können“.