Finanzen

Frist verpasst - warum sich eine späte Steuererklärung lohnt

Berlin.  Viele Arbeitnehmer haben noch bis Anfang 2023 Zeit, ihre freiwillige Steuererklärung für 2018 abzugeben. Der Staat zahlt Zinsen für die Wartezeit.

Wer seine Steuererklärung noch machen muss, sollte sich beeilen: Ende Juli läuft die Frist zur Abgabe ab.

Wer seine Steuererklärung noch machen muss, sollte sich beeilen: Ende Juli läuft die Frist zur Abgabe ab.

Foto: Christin Klose / dpa-tmn

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Viele Arbeitnehmer blicken mit Unbehagen auf den Kalender – August. Auch die neue, um zwei Monate verlängerte Frist für die Steuererklärung ist abgelaufen. Doch Millionen Verbraucher können aufatmen: Für sie ist die Abgabe der Unterlagen für 2018 freiwillig.

Und sie haben dafür noch Zeit, sehr viel Zeit. Wegen eines günstig gelegenen Wochenendes endet die Festsetzungsfrist für 2018 sogar erst am 2. Januar 2023. Wir erklären, warum sich eine verspätete Abgabe lohnen kann.

Wer muss eine Steuererklärung verpflichtend abgeben?

Die Pflicht zur Steuererklärung gilt nur für Arbeitnehmer oder Pensionäre, die Nebeneinkünfte etwa aus Mieten oder selbstständiger Arbeit von mehr als 410 Euro im Jahr haben – Einkünfte aus pauschal versteuerten Minijobs spielen hier keine Rolle; für Arbeitnehmer, die Lohnersatz wie Eltern-, Kurzarbeiter-, Kranken- oder Arbeitslosengeld von mehr als 410 Euro im Jahr erhalten haben oder eine Abfindung, bei der die Lohnsteuer nach der Fünftel-Regelung berechnet wurde.

Auch Unternehmer und Selbstständige, die Einkünfte aus einem Gewerbebetrieb oder freiberuflicher Tätigkeit von mehr als 9000 Euro haben, müssen ihre Steuern erklären, zudem berufstätige Ehepaare, wenn sie etwa die Lohnsteuerklassen III und V gewählt haben oder wenn ein Partner die Einzelveranlagung für 2018 beantragt hat; ebenfalls Arbeitnehmer, die nach Steuerklasse V oder IV mit Faktor oder VI besteuert werden oder denen das Finanzamt einen Lohnsteuerfreibetrag – ausgenommen für Behinderte, Hinterbliebene und Kinder – gewährt hat.

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Die Frist gilt zudem für Rentner, wenn sie nach Abzug von Werbungskosten, Frei-, Pausch- oder Entlastungsbeiträgen im Jahr 2018 steuerpflichtige Einkünfte von mehr als 9000 Euro (Paare 18.000 Euro) hatten; für Pensionäre mit Bezügen von mehr als 11.400 Euro (Paare 21.650 Euro); für getrennt lebende wie geschiedene Ehepartner, die vom Ex-Partner Unterhalt bekamen, den dieser als Sonderausgaben absetzt; für Arbeitnehmer mit erhaltener Sonderzahlung oder einer bei der Lohnsteuer berücksichtigten Vorsorgepauschale, wenn diese höher ist als der mögliche Abzug für Vorsorgeaufwendungen.

Auch die Ehe- oder Lebenspartner von steuerpflichtigen Arbeitnehmern müssen eine Erklärung abgeben, darüber hinaus jeder, der vom Finanzamt dazu aufgefordert wird.

Was kann ich tun, wenn mir die Zeit davongelaufen ist?

Wer zur Steuererklärung verpflichtet ist und den Termin verpasst hat, „sollte sobald wie möglich die Steuererklärung nachreichen“, erklärt das Finanzministerium Nordrhein-Westfalen. Zudem sollte man die Verspätung mitteilen und Gründe angeben. So kann man auf eine Fristverlängerung oder die Kulanz des zuständigen Sachbearbeiters hoffen. Was ebenfalls funktioniert: Verbraucher können sich einen Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein suchen. Helfen diese bei der Steuer, können die Unterlagen – wegen Schaltjahr und Wochenenden – noch bis zum 2. März 2020 abgegeben werden.

Wen kann die Frist zur Abgabe der Steuererklärung kalt lassen?

Für Millionen Arbeitnehmer, für die keine der oben genannten Bedingungen zutrifft und deren Lohnsteuer wie vorgeschrieben vom Arbeitgeber abgeführt wird, ist die Erklärung freiwillig. Nach Schätzungen der Deutschen Steuergewerkschaft rechnen etwa vier Millionen Arbeitnehmer nicht mit dem Fiskus ab – und verschenken Geld.

Im März hat das Statistische Bundesamt neue Zahlen veröffentlicht, wonach im Jahr 2015 fast zwölf Millionen Steuerpflichtige eine Erstattung zu viel gezahlter Steuern bekommen haben – im Schnitt 1007 Euro. Viele davon hatten ihre Steuer freiwillig erklärt.

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Warum kann es sich lohnen, mit der freiwilligen Erklärung sehr lange zu warten?

Rechtlich gesehen können sich Arbeitnehmer mit der freiwilligen Steuererklärung sehr viel Zeit lassen – bis zum 31. Dezember 2022. Fällt dieser Tag auf ein Wochenende sogar noch länger. Für das Steuerjahr 2018 gilt der 2. Januar 2023 als letzter Tag zur Abgabe. Ab dem 15. Monat nach Ende des Steuerjahres wird der zu erstattende Betrag vom Staat sogar mit 0,5 Prozent pro Monat, also insgesamt sechs Prozent pro Jahr, verzinst. Allerdings müssen die Empfänger auf diese Zinsen Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag zahlen – zusammen 26,4 Prozent. Eventuell kommt auch noch die Kirchensteuer hinzu.

Was das in Zahlen bedeuten kann, macht eine Rechnung des gemeinnützigen Online-Verbraucherportals Finanztip.de deutlich: Ein Steuerzahler, der die Abgabe der Steuererklärung 2018 bis zum letzten Moment, Januar 2023, hinauszögert und 2500 Euro Steuern im Mai 2023 zurückbekommt, kann mit Zinsen in Höhe von 475 Euro rechnen. 38 Monate Zinsen mit dem monatlichen Satz von 0,5 Prozent. Nach Abzug von Abgeltungssteuer und Solidaritätszuschlag – die Zinsen müssen in der Steuererklärung 2023 als Kapitaleinkünfte in der Anlage KAP angegeben werden – bleiben dann 349,60 Euro übrig. Selbst bei der Durchschnittserstattung von 1007 Euro fallen etwa 191 Euro Zinsen an, wovon nach Abzug rund 140 Euro übrig bleiben.

Ob der Zinssatz von 0,5 Prozent pro Monat, der auch für vom Fiskus geforderte Nachzahlungen gilt, so hoch bleiben wird, ist offen. Der Bundesfinanzhof hält ihn vor allem für die Zeit nach 2012 für verfassungswidrig hoch. Eine abschließende Entscheidung steht aus.

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