Dunkelflauten als Gefahr: Angst vor großem Stromausfall

Jena.  Ein Jenaer Bundestagsabgeordneter hat die Dunkelflauten in den vergangenen Jahrzehnten analysieren lassen und kommt zu einer drastischen Einschätzung.

Ralph Lenkert (Die Linke) ist Umweltpolitischer Sprecher der Linke-Bundestagsfraktion.

Ralph Lenkert (Die Linke) ist Umweltpolitischer Sprecher der Linke-Bundestagsfraktion.

Foto: Tino Zippel

Der Umweltpolitische Sprecher der Linken im Bundestag, Ralph Lenkert aus Jena, sieht Gefahren fürs Stromnetz. Jedenfalls wenn der Ausbau so erfolgt, wie im Entwurf des Szenarioplans für 2040 vorgesehen. Darin sei zu wenig berücksichtigt, dass Dunkelflauten auftreten können, in denen Windkraft und Solarenergie nicht die benötigte Energiemenge einspeisen.

Bei der Kombination von starker Bewölkung oder Hochnebel mit Windstille spricht man von einer Dunkelflaute, bei der deutlich weniger Energie aus Solar- und Windkraft bereitsteht. Lenkert, der im Beirat der Bundesnetzagentur sitzt, stützt sich auf eine Erhebung seiner Mitarbeiter.

Wetterdaten mehrerer Jahrzehnte analysiert

Diese haben für jeweils fünf Wetterstationen im Bundes­gebiet die Wetterlage in den Jahren 1951 bis 2017 analysiert. Im Untersuchungszeitraum gab es 455 Dunkelflauten von zwei bis vier Tagen. 260 dauerten zwischen vier und sieben Tagen. Drei erstreckten sich auf 21 bis 28 Tage. „Bei bestimmten Wetterlagen wäre auch kein Ausgleich über Importe beispielsweise aus Skandinavien möglich gewesen“, sagt Lenkert. Er sieht daher die Gefahr eines flächendeckenden Stromausfalls steigen.

Bislang stellten Kohle- und Atomkraftwerke die Grundlast. Mit deren Abschaltung besteht ein Defizit im Stromnetz an Tagen mit Dunkelflaute. Laut Lenkert beträgt die gesicherte Leistung nur noch 28 Gigawatt, während der Bedarf auf 80 Gigawatt geschätzt werde.

Forderung: Chemische Speicherformen etablieren

Als Konsequenz fordert Lenkert, ab 2025 massiv in Tagesspeicher, also Batteriespeicher oder Pumpspeicher zu investieren. Kraftwärmekraftwerke sollten auf Gas oder Biomasse umgestellt werden. „Ab 2030 sollte Deutschland in großem Stil in chemische Speicherformen wie die Wasserstoffproduktion und die Methanisierung einsteigen“, sagt Lenkert. Das erfordere eine andere Leitungsplanung: Der Stromnetzausbau müsse mit dem Erhalt der Gasinfrastruktur und möglicherweise einem ergänzenden Wasserstoffnetz gekoppelt werden, sagt er.