Kommentar

E-Mobilität: Warum wir den Verkehr ganz neu denken müssen

Berlin.  Die Internationale Automobil-Ausstellung zeigt: Die E-Revolution ist in vollem Gange. Die neue Mobilität wirft eine Reihe Fragen auf.

Umweltschützer fordern ein sofortiges Ende von Verbrennungsmotoren, um die klimaschädlichen Kohlendioxidemissionen zu senken.

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Bezahlbare Elektromobilität für die Massen – jahrelang war das nur eine Vision. Jetzt rollt die E-Revolution auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt tatsächlich an. Nachdem lange Zeit der US-Pionier Tesla die Trends gesetzt hat, läuten die Großen der Branche den Wandel weg vom Verbrennungsmotor ein – mehr oder weniger glaubwürdig.

BMW, Mercedes, Opel, aber allen voran Volkswagen zeigen auf der IAA alltagstaugliche Modelle, in die man gerne einsteigt. Vorbei ist die Zeit, in der E-Autos abgespeckte Klapperkisten mit mangelndem Komfort waren, deren Akkus schon einem kleinen Ausflug kaum standhielten.

Ist die breite Modell-Offensive die Antwort der Hersteller auf die aufgeheizte Klimadebatte? Eher nicht. Angesichts der ab 2020 in Europa drohenden Milliarden-Strafen für zu hohen CO2-Ausstoß blieb den Autobauern keine andere Wahl, als spätestens jetzt massentaugliche emissionsfreie Modelle auf den Markt zu bringen.

Bei Klimazielen spielt der Verkehrssektor entscheidende Rolle

Zumal sich der Trend zu immer größeren und damit spritschluckenden SUV ungebrochen fortsetzt – die schwer beliebten Modelle bringen es bald auf einen Marktanteil von 30 Prozent bei den Neuzulassungen und bescheren den Konzernen hohe Gewinne: Jedes verkaufte E-Auto bewahrt die Hersteller künftig vor hohen Strafzahlungen für ihre renditestarken Stadt-Geländewagen.

Welche Zukunft der SUV-Trend hat und ob sich die neuen E-Modelle durchsetzen werden, dürfte sich schon in kurzer Zeit zeigen. In der kommenden Woche wird das Klimakabinett der Bundesregierung Antworten darauf liefern, mit welchen Maßnahmen Deutschland die Klimaziele erreichen will.

Der Verkehrssektor spielt dabei eine wichtige, wenn nicht gar zentrale Rolle. Dabei sollte jedem klar sein, dass es zu deutlichen Umwälzungen bei der individuellen Mobilität kommen muss. Mit dem nahezu ungehemmten Verbrennen von Benzin und Diesel kann es nicht weitergehen.

Autonom fahrendes Taxi ist keine Träumerei mehr

Fest steht dabei: Die Elektromobilität wird die Autoindustrie von Grund auf verändern. Zigtausende Arbeitsplätze wird der Volkswagen-Konzern etwa im hochkomplexen Motorenbau streichen – neue könnten in Batteriefabriken entstehen, in denen aber weit weniger Arbeit von Menschen zu erledigen ist. Auch Zulieferer müssen ihr Geschäftsmodell teilweise komplett überdenken. Wer bislang auf Komponenten für Dieselmotoren spezialisiert ist, hat keine große Zukunft mehr.

Darüber hinaus muss jetzt eine breite gesellschaftliche Debatte beginnen. Denn die Elektromobilität wird auch den Verkehr verändern. Die E-Autos sind sauber und leise – sollen sie auch aus den Städten verbannt werden? Aufgeregte Diskussionen um Fahrverbote und Stickstoffdioxid-Grenzwerte wird es am Ende des kommenden Jahrzehnts wohl kaum noch geben, wenn vor allem Stromer über den Asphalt rollen.

Zahl der Autos wird voraussichtlich enorm sinken

Das autonom fahrende Robo-Taxi ist zudem keine Träumerei mehr. Es kommt in absehbarer Zeit auch auf unsere Straßen. Schon jetzt sagen Studien voraus, dass sich damit alle Grundannahmen für unser Verkehrswesen ändern werden. Zwar wird die Zahl der Autos gerade in den Städten voraussichtlich enorm sinken.

Immer weniger Menschen besitzen künftig noch ein eigenes Auto. Doch gleichzeitig wird durch kostengünstige Fahrdienste viel mehr los sein. Statt mit S-Bahn und Bus fahren die Menschen künftig vielleicht lieber direkt mit einem autonomen Kleinbus zur Arbeit, der unterwegs noch einige Reisende mit ähnlichem Ziel einsammelt.

Der in der Diskussion um eine Verkehrswende heftig umstrittene Autoverkehr muss unter diesen Gesichtspunkten wohl völlig neu betrachtet werden.

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