Thüringer Erzieher müssen in Corona-Krise in Kurzarbeit

Erfurt .  Obwohl Thüringen den Kommunen die vollen Zuschüsse für die Kinderbetreuung zahlt, sollen Beschäftigte in Kurzarbeit. Die GEW kritisiert das scharf.

Foto: Jens Wolf / dpa / dpa

Mehrere Thüringer Kommunen wollen Erzieher von Kindergärten in freier Trägerschaft in Kurzarbeit schicken. Nach Angaben der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) sind zum Beispiel in Jena mehrere Kindergärten betroffen. Ein Sprecher der Stadt sagte, man habe die freien Träger über die Möglichkeit der Kurzarbeit informiert, sie ihnen aber nicht nahegelegt oder um die Beantragung gebeten. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Die Stadt Weimar bittet in einem Schreiben, das der dpa vorliegt, die freien Träger, Kurzarbeitergeld für Beschäftigte zu beantragen - „zur Entlastung des städtischen Haushaltes“, wie es in dem Schreiben heißt. Die Stadt stimme aber einer Aufstockung des Kurzarbeitergeldes auf 100 Prozent zu. Jena will bis auf 95 Prozent aufstocken, wie der Stadt-Sprecher sagte. „Wir gehen davon aus, dass es Kurzarbeit geben wird.“ In Kindergärten städtischer Trägerschaft sei dies aber nicht vorgesehen.

Der GEW seien auch Fälle in Suhl bekannt, sagte die Thüringer GEW-Vorsitzende Kathrin Vitzthum. Sie kritisiert das Vorgehen scharf. „Kurzarbeit für Erzieher ist nicht tragfähig und unnötig. Die Erzieher haben auch ohne Arbeit am Kind genug zu tun“, sagte Vitzthum der dpa.

Das Land hatte Anfang April mit den Kommunen vereinbart, seinen finanziellen Verpflichtungen auch in Zeiten von Corona und bei geschlossenen Einrichtungen voll nachzukommen. Außerdem ersetzt das Land ausgefallene Elternbeiträge.

Kindergärten im Saale-Holzland sind der Buhmann

Für Vitzthum besteht damit kein Grund für Kurzarbeit. Ihrer Meinung nach versuchen einige Kommunen, „auf dem Rücken der Beschäftigten Geld zu sparen“. Die Thüringer GEW lehnt Kurzarbeit in Bereichen des Sozial- und Erziehungsdienstes grundsätzlich ab.

Wegen der Corona-Krise gibt es seit Wochen keinen richtigen Betrieb in Thüringens Kindergärten. Nur die Notbetreuung für Kinder von Eltern aus bestimmten Berufsgruppen wird aufrecht gehalten. Nach Ansicht von Vitzthum gibt es für die Erzieher trotzdem viel zu tun. «Die Notbetreuung und der Wiedereinstieg in den Regelbetrieb müssen organisiert werden», sagte sie. Vom Bildungsministerium fordert sie einen Zeitplan zur Erweiterung der Notbetreuung und die schrittweise Wiederaufnahme des Regelbetriebs in den Kindergärten.