Neonazis, Beschimpfungen, Haus anbrennen: Auch Bürgermeister im Orlatal schon bedroht

Im sachsen-anhaltinischen Tröglitz, keine Stunde Fahrzeit vom Orlatal entfernt, legte der Bürgermeister nach massiven Bedrohungen durch Rechts­extremisten sein Amt nieder. Seine Kollegen aus der Region verfolgen die Berichterstattung ziemlich genau.

Bedrohungen - auch in Form anonymer Anrufe - sind Bürgermeistern aus dem Orlatal nicht fremd. Archivfoto: Marc Müller/dpa

Bedrohungen - auch in Form anonymer Anrufe - sind Bürgermeistern aus dem Orlatal nicht fremd. Archivfoto: Marc Müller/dpa

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Pößneck. Das Geschehen am ehesten nachvollziehen kann wohl der Pößnecker Bürgermeister Michael Modde (Freie Wähler). Schließlich haben Neonazis am 6. November 2009 wegen der an dem Tag erfolgten Schützenhaus-Versiegelung sein Haus belagert. "Ich war damals schockiert", räumt er ein. "Ich selbst war an dem Abend gar nicht im Haus, nur meine Kinder. So etwas muss man nicht nochmal haben."

Mehrere Wochen stand damals Polizei rund um die Uhr vor seinem Haus. Nach dem ersten, spontanen Neonazi-Aufmarsch habe er eventuelle weitere geplante Demonstrationen vor seinem Grundstück gerichtlich ver­bieten lassen wollen. Das habe das Amtsgericht Pößneck mit der Begründung abgelehnt, "ein Politiker müsse so etwas aus­halten", so Michael Modde.

Ein anderes Mal sei ihm anonym mit dem Tod gedroht worden, so dass er Anzeige gegen Unbekannt erstattet habe. Doch das Verfahren sei irgendwann ausgegangen wie das Hornberger Schießen. Hielten sich Bedrohungen über seine bislang rund neun Jahre als Stadtoberhaupt dennoch "unterm Strich in Grenzen", komme es fast schon regelmäßig zu anonymen Beschimpfungen im Internet. "Manchmal schreibe ich die Leute an und frage sie, welches Problem sie haben. Aber es meldet sich so gut wie nie jemand zurück", sagt Michael Modde.

"Das ist schon heftig", beurteilt Ralf Weiße (BfN), seit neun Monaten amtierender Bürgermeister von Neustadt, die Vorgänge in Tröglitz. "Ich selbst bin Gott sei Dank noch nicht bedroht worden. Wenn man in der Öffentlichkeit steht, ist man wohl vor so etwas nicht gefeit. Wenn es dann aber an die Familie geht, muss man sich schon überlegen, was wichtiger ist."

Berthold Steffen (Freie Wähler), seit bald 25 Jahren Bürgermeister von Triptis, sei zuletzt in den 1990ern bedroht worden. Einmal habe ihm eine männ­liche Stimme am Telefon angekündigt, dass sein Haus abgefackelt werde. "Da schläft man nachts nicht so gut", auch wenn stündlich die Polizei vorbeifahre, wie es dann ein paar Tage lang gewesen sei. Warum er damals bedroht wurde, wisse er bis heute nicht. "Mit solchen Situationen muss man fertig werden", so Berthold Steffen.

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