Protest gegen Atommüll-Endlager im Thüringer Becken

Erfurt  Geologen bringen in einer Studie Thüringen als Atommüll-Endlagerstandort ins Gespräch. Das ruft Protest hervor.

Ein Schild warnt im atomaren Zwischenlager in Gorleben vor Strahlung. Foto: Jochen Lübke/dpa

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Prof. Ulrich Schreiber von der Universität Duisburg-Essen bescheinigt dem Thüringer Becken grundsätzlich „günstige Rahmen­bedingungen“, berichtete der MDR. Demnach empfiehlt der Geologe, die Gebiete „zwischen Nordhausen und Duderstadt“, „nördlich und westlich von Mühlhausen“ sowie den „Raum Arnstadt und Stadtilm“ genauer zu prüfen.

Das Thüringer Becken weist laut Schreiber die notwendigen Bodenschichten für ein End­lager ab etwa 1000 Meter Tiefe auf. Außerdem gebe es Gebiete ohne sogenannte „tektonische Störungen“ im Boden und es habe in jüngerer Vergangenheit keine vulkanische Aktivität gegeben. Darüber hinaus verweist die Studie auf „eine geringe Besiedlungsdichte“ und „die dennoch gute Anbindungen ans Bahn- und Straßennetz“.

Mit weiteren geologischen Daten will der Geologe sowohl Thüringen, aber auch andere Regionen, wie das Fränkische Becken und die Schwäbische Alb genauer untersuchen. Letztlich gehe es um die „sicherste und beste Lagermöglichkeit“. Eine Region werde immer betroffen sein, da müsse dann auch offen über finanzielle Entschädigungen gesprochen werden.

Politiker in Thüringen lehnen die Überlegungen des Wissenschaftlers parteiübergreifend ab. Roberto Kobelt, energie- und umweltpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag, sagte: „Thüringen als Standort für ein Atommüll-Endlager kommt für uns nicht Frage. In der bisherigen Standortfindung der Kommission für die Endlagersuche spielte der Freistaat keine Rolle.“ Ralph Lenkert, Bundestagsabgeordneter der Linken aus Jena, sagte, die Wissenschaftler hätten den vierten vor dem ersten Schritt getan. Zuerst gelte es Kriterien für die Atommülllagerung zu finden. „Die Linke und die rot-rot-grüne Landesregierung werden auf der Einhaltung des Atomgesetzes und einem sauberen Verfahren bestehen und lehnen jede Vorfestlegung auf Thüringen ab.“

Für die CDU-Fraktion im Landtag verlangte Christina Tasch, „Hände weg vom Thüringer Becken“. Es gebe da eine Reihe von „tiefreichenden Störungszonen“. Außerdem widersprächen die Aussagen den Auswahl- und Ausschlusskriterien, die das Bundesumweltministerium 2002 für Endlagerstand­orte definiert habe.

Auf Bundesebene erarbeitet derzeit eine Kommission Kriterien für die Suche nach einem möglichen Standort für ein Atommüllendlager. Das Gremium will Mitte kommenden Jahres seine Empfehlungen vorlegen. Experten gehen davon aus, dass ein deutsches Atommüllendlager frühestens im Jahr 2045 in Betrieb geht.

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