Ramelow gegen Corona-Lockdown in Thüringen

Erfurt.  Ministerpräsident sieht Krankenhäuser gerüstet. Land hält an lokaler Strategie fest.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke)

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke)

Foto: Bodo Schackow / dpa

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat angesichts der steigenden Fallzahlen in der Corona-Pandemie vor Panik gewarnt. „Jetzt heißt es die Nerven zu behalten“, sagte er dieser Zeitung. „Wir sind medizinisch gut gewappnet, ich erwarte keinen Kollaps des Gesundheitssystems in Thüringen.“ Die vorhandenen Kapazitäten einschließlich der aufgebauten Reserven seien ausreichend. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Ramelow gegen pauschale Schließungen von Gaststätten und Schulen

Ramelow wandte sich deutlich gegen pauschale Schließungen von Geschäften, Restaurants oder Schulen wie im Frühjahr. „Ich gehe nicht von einem flächendeckenden Lockdown aus. Und ich halte ihn auch nicht für nötig“, sagte er. „Die Schulen werden nach den Herbstferien wieder dort öffnen, wo die örtliche Ampel nicht auf Rot steht.“

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Ramelow verteidigte die Linie des Landes, den Kommunen die Entscheidung über Einschränkungen zu überlassen. „Ich bleibe dabei, was mit den Landkreisen und Städten besprochen ist: Es muss lokal alles getan werden, was lokal notwendig ist.“

Neue Allgemeinverfügung soll nur Maximalzahl bei Feiern verringern

Ähnlich äußerte sich Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke). „Es hat sich bewährt, die Behörden vor Ort entscheiden zu lassen“, sagte sie dieser Zeitung. Dies Landesregierung werde deshalb in der neuen, ab dem Wochenende geltenden Allgemeinverfügung nur die Grenzen für eine Anmeldepflicht von Veranstaltungen reduzieren: Sie sinkt in geschlossenen Räumen von 50 auf 30 Personen – und im Freien von 100 auf 75 Personen. Darüber hinaus werde das Eindämmungskonzept des Landes, mit dem die Kommunen derzeit arbeiten, überarbeitet und zum verbindlichen Erlass.

Kritik kam von der CDU. „Die Strategie, die Gesundheitsämter lokal entscheiden zu lassen, funktioniert nur bei niedrigen Fallzahlen“, sagte CDU-Landtagsfraktionschef Mario Voigt dieser Zeitung. „Wenn ganz Thüringen zum Risikogebiet wird, braucht es klare Handlungsanweisungen des Landes.“ Hier dürfe sich die Landesregierung „nicht wegducken“.

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