Rechnungshof prangert an: Über 200 000 Euro Steuergeld für Pferdezucht

Ein Jahr nach der Rechnungshofkritik subventioniert Thüringen noch immer die Pferdezucht im Land. 24 sächsische Hengste sorgten in 300 Deckungsakten für Nachwuchs in Thüringen.

Ein Gestütsoberwärter richtet im sächsischen Landgestüt Moritzburg die Streu in der Box des Hengstes "Reflex" her. Foto: dapd

Ein Gestütsoberwärter richtet im sächsischen Landgestüt Moritzburg die Streu in der Box des Hengstes "Reflex" her. Foto: dapd

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Erfurt. Es ist eine bizarre Subvention: Im Auftrag des Landes Thüringen haben 24 Hengste aus Sachsen in diesem Jahr in knapp 300 Deckungsakten für Pferdenachwuchs im Freistaat gesorgt. Bezahlt hat das zum Teil das Land mit Steuergeldern. Der Rechnungshof ist empört, dass seine Kritik an dieser Subventionierung von Pferdezüchtern nichts geändert hat – trotz gebotener Haushaltskonsolidierung.

Grundlage ist eine Vereinbarung zwischen Sachsen und Thüringen, wonach das bei Dresden ansässige Gestüt Moritzburg während der Decksaison den Thüringer Züchtern Hengste in Deck- und Besamungsstationen zur Verfügung stellt. In diesem Jahr waren das zehn Reitpferde, sieben schwere Warmblüter, vier Haflinger, ein Reitpony sowie zwei Kaltblüter. Die Kosten dafür übernimmt das Land. In diesem Jahr sind es abzüglich einer Deckgebühr, die die Züchter entrichten, und das sogenannte Fohlengeld 215 800 Euro.

Diese Ausgabe kritisiert der Landesrechnungshof seit mehr als einem Jahr – und die Tatsache, dass sich seit Beginn der Vereinbarung 1994 die Kosten für die Unterstützung der privaten Pferdezucht in Thüringen verdoppelt haben. Der Rechnungshof stellt in seinem Bericht 2011 nicht nur die Ausgaben, sondern auch die Vereinbarung zwischen den Freistaaten selbst infrage. Eine Begründung der indirekten Förderung privater Pferdezüchter habe er als nicht stichhaltig angesehen, steht in dem Bericht. Die Empfehlung lautete damals: Die Unterstützung muss mittelfristig eingestellt werden.

Die Landesregierung plant indes bis mindestens Ende 2014, diese Subventionierung weiterzuführen. So sind nach Angaben des Finanzministeriums im Entwurf des Doppelhaushaltes 236 000 Euro für 2013 und 240 500 Euro für 2014 für den Pferdesamen eingestellt – inklusive jährlicher Kostensteigerungen von zwei Prozent.

Die Politiker denken nicht daran, in Zukunft die Besamung von Thüringer Stuten nicht mitzufinanzieren. Der Landwirtschaftsausschuss des Landtags habe ja Ende 2011 nach eingehender Beratung der Landesregierung empfohlen, die Unterstützung der Pferdezucht in der bestehenden Form beizubehalten, sagte ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums. Zur Begründung heißt es, diese Praxis biete große Vorteile für die Thüringer Pferdezucht: die Bereitstellung von hochwertiger Genetik zu bezahlbaren Preisen, die Förderung der Wettbewerbsfähigkeit der Landespferdezucht, die Erhaltung der genetischen Vielfalt sowie den Erhalt von Kulturgut.

Der Landesrechnungshof hält derweil seine Kritik aufrecht. Es seien keine Argumente hervorgebracht worden, die die Ausgaben begründen, sagt Rechnungshofpräsident Sebastian Dette. Es gebe genügend private Hengsthalter, die den Thüringer Züchtern ihre Zucht ermöglichen. "Durch die staatliche Subventionierung greift der Staat ohne Not in einen weltweit funktionierenden Markt ein", sagt Dette.

Dass sich das Landwirtschaftsministerium mit dem Thema nicht kritischer auseinandersetzt, bedauert der Rechnungshofchef.

Die Subventionierung der Pferdezucht sei, wenn es um mögliche Einsparungen im Haushalt geht, nur ein Beispiel von vielen: "Es muss immer daran gedacht werden, dass der Landeshaushalt in den nächsten acht Jahren um zwei Milliarden Euro abgesenkt werden muss."

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