So will die Wirtschaft in Ostthüringen nach Corona wieder durchstarten

Gera.  Die Industrie- und Handelskammer legt in Gera ein Konzept vor: Dieses enthält für Beschäftigte nicht nur gute Nachrichten.

IHK-Präsident Ralf-Uwe Bauer legt ein Sechs-Punkte-Plan für die Wirtschaft vor.

IHK-Präsident Ralf-Uwe Bauer legt ein Sechs-Punkte-Plan für die Wirtschaft vor.

Foto: Tino Zippel

Die Industrie- und Handelskammer Ostthüringen hat ein Sechs-Punkte-Programm vorgelegt, um die Wirtschaft in Ostthüringen nach der Corona-Pandemie wieder in Gang zu bringen. Zu den Kernforderungen zählt, binnen weniger Wochen die Zwangsschließungen in einigen Branchen aufzuheben.

Hotels, Pensionen und Campingplätze sollten für Urlauber zunächst mit einer Mindestübernachtungszahl von zwei bis drei Nächten öffnen, fordert die IHK. Auch die Beschränkung, dass Angestellte im Thüringer Einzelhandel nur an zwei Samstagen im Monat arbeiten dürfen, müsse fallen.

Zweite Fördertranche für lange geschlossene Unternehmen

Bei den Corona-Zuschüssen gebe es eine Lücke für Unternehmen zwischen 51 und 250 Mitarbeitern. Zudem brauche es für Unternehmen, die über drei Monate schließen müssen, eine zweite Fördertranche, verlangt die Kammer.

Mittelfristig will die IHK erreichen, dass Behörden Anträge auf Zusatzschichten an Sonn- und Feiertagen bewilligen. Ein Konjunkturprogramm sei nötig. Öffentliche Investitionen sollten vorgezogen werden, öffentliche Auftrag­geber bei Beschaffung vor allem auf regionale Güter setzen.

Nahverkehr mit größeren Fahrzeugen und dichterem Takt

Damit die Akzeptanz für den Nahverkehr nicht langfristig einbricht, regt die Kammer an, die Busse und Bahnen dichter zu takten oder mit größeren Fahrzeugen zu fahren. So wäre für Fahrgäste der empfohlene Abstand einzuhalten.

Probleme sieht die IHK für kleine Ausbildungsbetriebe. Sie sollten Unterstützung erhalten bei der Fortzahlung der Ausbildungsvergütung, um die Lehrlingsstellen zu halten.

Steuern zum Teil aussetzen

Alle Branchen sollen davon profitieren, dass sich Steuern und Abgaben bis Ende 2021 nicht erhöhen. Die Kammer fordert, Anpassungen bei Umsatz-, Grund- und Vermögenssteuer sowie die Stromsteuer auszusetzen und die Kohlendioxid-Steuer zu verschieben. Langfristig müsse das Land den Breitbandausbau vorantreiben, Verwaltungsprozesse und Bildungseinrichtungen verstärkt digitalisieren.

Der Neustart solle unter Bedingungen erfolgen, die Gesundheitsexperten für vertretbar halten. „Ebenso steht für uns aber außer Frage, dass wir uns den Fragen nach dem ‚Wie‘ nicht erst irgendwann widmen dürfen, sondern jetzt“, sagt IHK-Präsident Ralf-Uwe Bauer.