Lungenkrankheit

SPD-Experte sieht Coronavirus als „Preis der Globalisierung“

Berlin.  Wie gefährlich ist das Coronavirus? SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach gibt Entwarnung, aber auch Hinweise, wie man sich schützt.

Erster Fall des neuen Coronavirus in Deutschland

Das neuartige Coronavirus hat nun auch Deutschland erreicht. Den ersten bestätigten Fall einer Infizierung mit dem Virus hierzulande gab das bayerische Gesundheitsministerium bekannt.

Beschreibung anzeigen
Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Der erste deutsche Coronavirus-Patient hat sich wohl in Bayern während einer Schulung bei einer Kollegin aus China infiziert. Der 33-Jährige arbeitet für den Automobilzulieferer Webasto und liegt in München isoliert in einer Klinik.

Der renommierte Gesundheitsexperte und Medizinprofessor Karl Lauterbach, der seit 2005 für die SPD im Bundestag sitzt, geht im Interview mit unserer Redaktion davon aus, dass in Zukunft die Gefahr neuer, veränderter Viren zunimmt.

Wie groß ist die Gefahr in Deutschland mit dem ersten bekannten Fall eines Infizierten?

Karl Lauterbach: Der erste Fall ist überhaupt keine Überraschung. Er wird auch nicht der letzte sein. Die Gefahr für die Mehrheit der Bevölkerung ist zum Glück sehr überschaubar. Das kann sich noch ändern, aber es ist keine Panik angesagt. Was wir bisher über das Virus wissen, wird es bei Einzelfällen bleiben.

Sind Krankenhäuser, Behörden und Politik gut gewappnet?

Lauterbach: Ich stimme Gesundheitsminister Jens Spahn zu, dass wir sehr gut vorbereitet sind. Wir haben aus der Sars-Epidemie Anfang der 2000er Jahre sehr viel gelernt. Die Abstimmung zwischen den Landesgesundheitsämtern, Bundesgesundheitsministerium und Robert-Koch-Institut ist deutlich verbessert worden. Die Lage würde sich natürlich ändern, wenn wir tatsächlich massenhaft Fälle bekämen. Dann würden wir das Problem bekommen, dass wir viel zu wenige Pflegekräfte haben. Von einer solchen Situation sind wir jetzt aber sehr weit entfernt.

Wie bewerten Sie die Maßnahmen, die die chinesische Regierung ergriffen hat?

Lauterbach: Verbesserungspotenzial ist immer gegeben, das ist ja klar. Aber im Vergleich zu Sars geht die chinesische Regierung mit dem Thema sehr viel transparenter, besser und aktiver um. Die Art des Umgangs mit dem Virus ist ein ganz wesentlicher Schritt nach vorne und wird mit dazu beitragen können, dass wir von einer weltweiten Pandemie hoffentlich verschont bleiben.

In China stehen Millionenstädte unter Quarantäne, der Verkehr wurde eingestellt, Menschen dürfen Wohnungen nicht verlassen. Wäre das in Europa bei einer Ausbreitung des Corona-Virus auch vorstellbar?

Lauterbach: Die Massenabsperrung ganzer Städte in China ist nicht unbedingt überzeugend. Das ist medizinisch nicht wirklich sinnvoll. Selbst wenn wir sehr viele Fälle bekämen, was ich nicht glaube, würden wir das in Deutschland nicht machen.

Wird die Bedrohung durch neue, veränderte Viren größer?

Lauterbach: Weil es immer mehr Menschen gibt, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich seltene Viren bilden oder Viren, die man schon immer kannte, sich so verändern, dass sie gefährlicher werden. Dazu kommt, dass durch den internationalen Reise- und Flugverkehr die Verbreitung von Viren über Kontinente hinweg sehr viel schneller stattfindet. Das ist einer der Preise der Globalisierung. Auch die Viren selbst haben höhere Veränderungsraten. Das heißt, Viren, die in der Vergangenheit harmloser gewesen sind, werden jetzt leichter von Tier auf Mensch übertragbar. Warum das so ist, wissen wir noch nicht genau.

Eltern mit kleinen Kindern, ältere Menschen mit Vorerkrankungen sind besonders besorgt. Was kann jeder Einzelne zur Vorbeugung tun?

Lauterbach: Die wichtigste Maßnahme ist tatsächlich die einfachste: das Händewaschen ist das A und O. Es ist eine Tröpfcheninfektion. Die meisten Laien denken, das Virus würde vom Anhusten übertragen. Das kommt auch vor, ist aber eher selten. Das Allerwichtigste ist immer wieder die Handhygiene. Wenn man glaubt, dass man betroffen ist, ein unklares Fieber hat, einen trockenen Husten, in den entsprechenden Regionen in China war oder Kontakt zu Menschen von dort hatte, dann sollte man sich beim Arzt oder den Behörden melden.

Sollte ich in die Apotheke gehen und mir vorsorglich einen Mundschutz besorgen?

Lauterbach: Nein, auf keinen Fall. Das macht schlicht keinen Sinn.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.