Waldversteck bei Hamburg

Terror-Depot könnte von Revolutionären Zellen stammen

| Lesedauer: 2 Minuten

Hannover  Vor etwa 40 Jahren vergruben mutmaßliche linke Terroristen Dokumente im Wald südlich von Hamburg. Aber welche Gruppe war es genau? Nun verdichten sich die Hinweise in eine Richtung.

In diesem Wald bei Seevetal in Niedersachsen sind in einem Erddepot möglicherweise Hinterlassenschaften der linksterroristischen RAF gefunden worden.

In diesem Wald bei Seevetal in Niedersachsen sind in einem Erddepot möglicherweise Hinterlassenschaften der linksterroristischen RAF gefunden worden.

Foto: dpa

Das vor einer Woche entdeckte Erddepot bei Seevetal mit Material zum Bombenbau könnte nach neuen Polizeierkenntnissen von den Revolutionären Zellen (RZ) angelegt worden sein.

Das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen hatte nach erstem Augenschein auf ein Depot der linksterroristischen Rote Armee Fraktion (RAF) aus den frühen 1980er Jahren geschlossen.

Mittlerweile deute die Auswertung der sichergestellten Schriftstücke eher auf Urheber aus den Reihen der Gruppierung Revolutionäre Zellen, sagte eine LKA-Sprecherin m Hannover. "Bei den Schriftstücken handelt es sich unter anderem um Anleitungen zur Herstellung von Brand- und Sprengsätzen." Auch gehe es um Wundversorgung, zum Beispiel bei Schussverletzungen.

Bei Waldarbeiten südlich von Hamburg war vergangenen Freitag ein vergrabenes Kunststoff-Fass mit alten Dokumenten und Chemikalien entdeckt worden. Die Gegenstände müssten noch weiter auf Spuren untersucht werden, sagte die Sprecherin. Erst danach werde eine abschließende Zuordnung möglich sein.

Die RAF hatte Anfang der 1980er Jahre eine Kette von Waldverstecken eingerichtet. Die Entdeckung des zentralen Depots in Heusenstamm bei Frankfurt 1982 führte dazu, dass mehrere Terroristen aufflogen.

Auch der Ex-Terrorfahnder Rainer Hofmeyer sieht keinen Bezug des Seevetaler Fundes zur Rote Armee Fraktion. "Ich schließe aus, dass es sich um ein RAF-Depot handelt", sagte der frühere Leiter der Terrorismusabteilung im Bundeskriminalamt dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".

Im Gegensatz zum jetzt entdeckten Versteck hätten sich in RAF-Depots stets Waffen, Munition, gefälschte Papiere und Geld gefunden, aber keine "Pamphlete der Revolutionären Zellen". Auch habe die RAF bei ihren Anschlägen nicht Salz- und Schwefelsäure verwendet, wie sie in Seevetal gefunden wurden, sagte Hofmeyer den Angaben nach.

Auf das Konto der Revolutionären Zellen sollen von den 1970er bis zu den 1990er Jahren bis zu 300 Anschläge gehen, meist gegen Gebäude. Es gab aber auch Gewalt gegen Menschen. Anders als die RAF im Untergrund lebten die meisten RZ-Mitglieder in der Legalität. Das LKA stellte für kommende Woche Angaben zum Ermittlungsstand in Aussicht.

© dpa-infocom, dpa:210122-99-132089/2