Thüringen will bis November coronafeste Erstaufnahmeeinrichtungen

Suhl.  Die Erstaufnahmeeinrichtungen in Thüringen werden "coronafest" umgebaut. Der Aufenthalt werde sich dadurch künftig deutlich verlängern.

Foto: Sascha Fromm

Thüringen will bis November die Erstaufnahmeeinrichtungen für Asylbewerber in Suhl und Eisenberg (Saale-Holzland-Kreis) „coronafest“ umbauen. Das sagte am Dienstag der Leiter der Stabstelle Migration und Integration, Michael Hasenbeck. In der Suhler Einrichtung wird gerade mit Hilfe der Bundeswehr eines der drei Unterkunftsgebäude so umgestaltet, dass dort künftig bis zu 100 neu angekommene Asylbewerber 14 Tage in Corona-Quarantäne untergebracht werden könnten. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

In dem Gebäude sollen auch 41 Plätze für mögliche Corona-Infizierte entstehen, um diese Menschen wegen der Ansteckungsgefahr isoliert unterbringen zu können. Probleme bei der Planung bereiten aktuell die sich immer wieder ändernden Corona-Anordnungen, heißt es. Selbst so einfache Dinge wie Vorgaben für Toiletten oder Waschbecken für eine bestimmte Personenzahl könnten Planungen schnell veralten lassen.

Erstaufnahmeeinrichtung in Eisenberg wird wieder hochgefahren

Derzeit sind in der Erstaufnahmeeinrichtung in Suhl 308 Personen untergebracht. Im März, zu Beginn einer Corona-Quarantäne, waren es mehr als 500. Pro Woche würden sich derzeit zwischen 20 und 40 neue Asylbewerber in der Suhler Einrichtung melden, so Michael Hasenbeck. Vor der Corona-Pandemie waren es durchschnittlich 100 pro Woche. Er rechne damit, dass diese Zahl mit den fortschreitenden Corona-Lockerungen auch wieder erreicht werde.

Müssten alle Corona-Bestimmungen beispielsweise bei einer Quarantäne eingehalten werden, so sei in der Suhler Erstaufnahmeeinrichtung nur Platz für 200 Menschen. Um trotzdem Spielraum für mehr Asylsuchende zu haben, beginnt Thüringen, die zweite Erstaufnahmeeinrichtung im Osten des Landes, wieder hochzufahren. Aktuell seien dort nur rund drei Dutzend Menschen untergebracht. Damit alle Anforderungen erfüllt werden, müssten auch in Eisenberg Voraussetzungen für eine partielle Quarantäne sowie die isolierte Unterbringung Corona-Infizierter entstehen.

Längerer Aufenthalt der Asylbewerber in Einrichtungen erwartet

Michael Hasenbeck betont, dass sich der Aufenthalt von Asylbewerbern in Suhl oder künftig auch in Eisenberg wegen der Corona-Einschränkungen deutlich verlängern werde. Zum Jahreswechsel waren es zumeist drei Wochen. Neu käme inzwischen aber auch die Pflicht zur Masernimpfung hinzu. Nur geimpfte Asylbewerber dürften künftig die Einrichtungen verlassen, um in den Kommunen untergebracht zu werden.

Zudem habe das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) seine Arbeitsintensität deutlich heruntergefahren, so dass auch der Antragszyklus länger andauere. Thüringens Justizminister Dirk Adams (Grüne) hatte vor zwei Wochen vorgeschlagen, Asylbewerber auch ohne komplett abgeschlossenes Verfahren in die Kommunen umziehen zu lassen. Dieses Ansinnen ist am Dienstag in Suhl auf große Skepsis getroffen.

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