Überraschende Wende: Land will Windpark-Vorhaben im Saale-Holzland mit Naturerbe-Status stoppen

Erfurt  Die Landesregierung will das umstrittene Vorhaben bei Tautenhain endgültig stoppen – indem sie das Waldstück vom Bund zum Schutzgebiet erklären lässt.

Der Verein „Proholzlandwald“ demonstriert gegen Windräder, hier im Februar in Tautenhain mit rund 400 Menschen.Archivfoto: Andreas Schott

Foto: zgt

Für das umstrittene Windpark-Vorhaben bei Tautenhain zeichnet sich eine überraschende Lösung ab: Die Landesregierung will beim Bund beantragen, dass die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben die ehemaligen Kasernen samt 330 Hektar Wald nicht mehr zum Verkauf ausschreibt und das Gebiet stattdessen in das so genannte Nationale Naturerbe aufgenommen wird.

Derzeit, so der stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Roberto Kobelt, laufe das bundesweite Anmeldeverfahren für die Fortschreibung des Nationalen Kulturerbes. Umwelt-Staatssekretär Olaf Möller (Grüne) habe bereits ein entsprechendes Schreiben an die Bundesregierung gerichtet, wonach Thüringen bereit ist, die Flächen bei Tautenhain zu übernehmen und auch forstlich zu betreuen. Das Areal solle zusammen mit dem bereits bestehenden Naturschutzgebiet „Am Schwertstein – Himmelsgrund“ und einem weiteren Schutzgebiet südlich von Tautenhain als großflächiger Schutzraum entwickelt werden. Damit wäre jeglichen Windpark-Plänen endgültig der Riegel vorgeschoben.

In der gestrigen Sitzung des Landtages hatte die AfD den geplanten Tautenhainer Windpark zum Thema einer Aktuellen Stunde gemacht.

Fraktionschef Björn Höcke hatte mit Blick auf „entweihte Wälder“ im Hunsrück von einer „Klimapolitik der Naturzerstörung“ gesprochen, vor „unzähligen toten Fledermäusen“ und Gesundheitsgefahren gewarnt. Seine Partei werde die Menschen im Holzland immer wieder daran erinnern, wer sie bei ihren Protesten gegen die Windräder im Stich gelassen habe – nämlich alle Parteien außer der AfD, so Höcke. Auch die CDU habe schließlich mit ihrer Zustimmung zum Landesentwicklungsplan 2025 die Windkraft im Wald nicht gänzlich ausgeschlossen.

Harzer: Rot-Rot-Grün mit weniger Landesfläche

Allerdings wurde der AfD-Vormann von der Linke-Fraktion daran erinnert, dass nicht er, sondern deren Abgeordnete das Gespräch mit den protestierenden Bürgern gesucht hätten. „Nicht Sie, sondern ich habe mit den Menschen geredet, warum die Situation so ist, wie sie ist“, betonte deren Energiepolitiker Steffen Harzer.

Wer Naturzerstörung, menschliche und wirtschaftliche Verluste infolge des Klimawandels wirklich verhindern wolle, müsse sich der Energiewende stellen: „Und da geht am Wind im Wald kein Weg vorbei“, so Harzer, der darauf verwies, dass die CDU im Jahr 2013 bereits mit zwei Prozent der Landesfläche als notwendige Windkraft-Standorte kalkuliert hatte, während sich Rot-Rot-Grün vorerst ein Prozent als Ziel gesetzt hat.

Die CDU-Fraktion wolle keinen Windpark in Tautenhain und lehne Windkraft im Wald grundsätzlich ab, erklärte deren umweltpolitischer Sprecher Mario Voigt. Die Region um Tautenhain sei eine erstklassige touristische Destination, werbe unter anderem mit dem längsten Weihnachtstal Deutschlands und gelte neuerdings als Biber-Erwartungsgebiet. Zudem gebe es bei den Bürgern keine Akzeptanz für einen Windpark, betonte Voigt. Das hätten die sieben Willensbekundungen und Demonstrationen der Bürgerinitiative „Proholzlandwald“ gezeigt, die bereits über 60 Mitglieder vereinige und in etwas mehr als 100 Tagen schon über 8000 Unterschriften gegen den Windpark gesammelt habe.

Die CDU fordere die Landesregierung auf, die betroffenen Kommunen bei Veränderungssperren zu unterstützen, so lange die Regionale Planungsgemeinschaft Ostthüringen an der Neuerstellung der Windvorranggebiete arbeite. Zudem solle die Regierung endlich die Abstände zwischen Wohnbebauung und Windrädern verbindlich regeln. „Es geht nicht darum, ein Windrad dorthin zu stellen, wo es möglich, sondern wo es sinnvoll und akzeptabel ist“, unterstrich Voigt.

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.