Ukraine-Krieg

Russisches Fernsehen simuliert Atomangriff auf Europa

| Lesedauer: 3 Minuten
Ican warnt vor "Atomkrieg durch Versehen"

Ican warnt vor "Atomkrieg durch Versehen"

Nach Ansicht der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (Ican) hat das Risiko eines Atomwaffen-Einsatzes einen beispiellosen Grad erreicht.

Beschreibung anzeigen

Berlin   Russlands Propaganda verschärft sich: Im Staatsfernsehen werden nukleare Angriffe auf Europa simuliert. Ist das eine reelle Drohung?

Dem Gast in der Nachrichtensendung kommt der Satz ohne Zögern über die Lippen: „Eine Sarmat-Rakete und das war es, die Britischen Inseln gibt es nicht mehr“, heißt es in „60 Minuten“ bei dem russischen Staatssender Rossija 1.

In der Sendung wird ein Atomangriff auf europäische Hauptstädte simuliert. Gezeigt wird eine Karte von Europa. Über einigen Hauptstädten steht eine Sekundenanzahl. Die Karte macht unverblümt deutlich, wie Russland von der russischen Ostsee-Enklave Kaliningrad aus Europa mit Atomwaffen angreifen könnte.

Ukraine-Krise – Die wichtigsten News zum Krieg

Ukraine-Krieg: Europa wäre bei einem Atomangriff Russlands binnen weniger Sekunden zerstört

In 106 Sekunden wäre Berlin, in 200 Sekunden Paris und in 202 Sekunden London mit nuklearen Raketen erreichbar – und vollständig zerstört. Es ist das erste Mal, das im russischen Staatsfernsehen so explizit über einen Nuklearschlag gegen Deutschland, Frankreich und Großbritannien gesprochen wurde.

Würden alle drei Städte bei einem Atomschlag bombardiert werden, so dürfte der europäische Kontinent – allein wegen der hohen radioaktiven Strahlung – nicht mehr bewohnbar sein. Der Propagandasender Rossija 1 erklärte, bei so einem Angriff gäbe es „keine Überlebenden“.

Lesen Sie auch: Vier Szenarien im Ukrainekrieg: Waffenruhe oder Atomangriff?

Atomschlag aus dem Wasser: Tsunami könnte Irland verschlingen

Eine weitere Fernsehsendung des russischen Staatsfernsehens drohte Großbritannien auch noch mit einer anderen Art Atomwaffe: Moderator Dmitry Kiselyov zeigte eine Simulation eines nuklearen Angriffs auf Europa, der aus dem Meer kommen würde.

Die Bilder zeigen, wie eine Unterwasserrakete direkt vor der Küste von Donegal abgefeuert wird. Eine Explosion des Sprengkopfs würde eine „gigantische Tsunami-Welle von bis zu 500 Meter Höhe“ verursachen, erklärt Kiselyov. Irland würde von den Überschwemmungen und der Explosion vollkommen zerstört werden. Großbritannien würde sich in eine radioaktive Wüste verwandeln, so der Propaganda-Funktionär.

Russlands Regierung dementiert Drohung mit Atomschlag

Auch wenn das Staatsfernsehen explizit derartige Szenarien durchspielt und der Kreml dem Westen implizit droht: Russland sieht sich nach Darstellung des Außenministers Sergej Lawrow nicht im Krieg mit der Nato. Sein Land drohe nicht mit Atomwaffen, westliche Medien übertrieben bei diesem Thema. „Wir 'spielen' nicht mit einem Atomkrieg“, sagte der Außenminister zuletzt. Russland hatte Ende Februar Abschreckungswaffen in Alarmbereitschaft versetzen lassen, was weltweit als Drohung mit dem atomaren Arsenal verstanden worden war.

Lawrow behauptet weiterhin, das russische Militär tue „alles in seiner Macht Stehende, um zivile Opfer zu vermeiden“. Die Ukraine hingegen meldet Tag für Tag zivile Opfer. Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte gab die Zahl getöteter Zivilisten zuletzt mit 2899 an. Die tatsächlichen Zahlen sollen erheblich höher sein. (fmg mit dpa)

Ukraine-Krieg – Hintergründe und Erklärungen zum Konflikt

Dieser Artikel erschien zuerst auf waz.de.