Ukraine-Krieg

Cherson: USA sprechen von "außergewöhnlichem Sieg" für Kiew

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Selenskyj spricht nach russischem Truppenabzug aus Cherson von "historischem Tag"

Selenskyj spricht nach russischem Truppenabzug aus Cherson von "historischem Tag"

Angesichts des Rückzugs russischer Truppen aus Cherson hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj von einem "historischen Tag" gesprochen. "Wir erobern Cherson zurück", sagte er in seiner täglichen Videobotschaft im Onlinedienst Telegram am Freitag.

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Berlin/Kiew  Einen "historischen Tag" nennt Präsident Selenskyi den Abzug der russischen Truppen aus Cherson. Doch Russland greift nun wieder an.

Nach dem Abzug der russischen Soladen aus der südukrainischen Großstadt Cherson berichtet der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj von einem Vorrücken der eigenen Truppen auf die Stadt. „Heute ist ein historischer Tag“, sagte Selenskyj in seiner täglichen Videoansprache am Freitagabend. Er sprach aber auch davon, dass die Ukraine das gerade zurückeroberte Gebiet bereits gegen neue russische Angriffe verteidigen müsse.

Ukrainische Spezialeinheiten seien bereits vor Ort und unterstützten die Stadt Cherson, um sie von der "Präsenz des Feindes" zu befreien. Die Einwohner seien bereits dabei, russische Symbole von Straßen und Gebäuden zu entfernen."Sie haben die Ukraine nie aufgegeben", sagte Selenskyj und veröffentlichte ein Video, das Autokorsos und Jubel für die anrückenden ukrainischen Truppen zeigen soll.

Befreites Cherson: USA sprechen von "außergewöhnlichem Sieg" für Kiew

Die USA sprachen nach dem Rückzug der russischen Truppen von einem "außergewöhnlichen Sieg" für Kiew. Dieser große Moment sei der "unglaublichen Hartnäckigkeit und dem Geschick der Ukrainer zu verdanken“, sagte der Nationale Sicherheitsberater der USA, Jake Sullivan, am Samstag gegenüber Reportern bei einer Reise mit US-Präsident Joe Biden in Kambodscha. Er sprach von "umfassenden strategischen Auswirkungen" durch den russischen Rückzug. Darunter falle, dass sich die längerfristige Bedrohung andere südukrainischer Städte wie Odessa durch Russland verringere.

Der US-amerikanische Präsident Biden ist derzeit für den Gipfel der südostasiatischen Staatengemeinschaft "Asean" in Kambodscha. Auch der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba nahm an dem Treffen teil und appellierte an die Staatengemeinschaft, Russland zu einer Fortsetzung des in einer Woche auslaufenden Getreideabkommens zu drängen. "Ich rufe alle Asean-Mitglieder auf, jede nur mögliche Maßnahme zu ergreifen, um Russland daran zu hindern, Hungerspiele mit der Welt zu spielen“, sagte Kuleba am Samstag vor Journalisten in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh.

Ukraine-Krieg: Kein Treffen zwischen ukrainischen und russischen Außenministern

Das Abkommen zum Export von ukrainischem Getreide wurde im Juli unter der Vermittlung der UN und der Türkei geschlossen und läuft am 19. November aus. Moskau hatte das Abkommen im Oktober für mehrere Tage einseitig ausgesetzt und zuletzt eine automatische Verlängerung der Vereinbarung zum Export ukrainischen Getreides über das Schwarze Meer abgelehnt.

Am Asean-Gipfeltreffen in Kambodscha nimmt auch der russische Außenminister Sergej Lawrow teil. Ein Treffen zwischen Lawrow und Kuleba wird es aber wohl nicht geben. Der russische Außenminister habe ihn nicht um ein Treffen während des Gipfels gebeten, wie es in der internationalen Diplomatie üblich sei, sagte Kuleba.

Ukraine-Krise – Die wichtigsten News zum Krieg

Ukraine-Krieg: Schwere Schäden an ukrainischer Atomforschungsanlage

Die UN-Atombehörde hat schwere Schäden an der Atomforschungsanlage in Charkiw gemeldet. Es gebe keine Hinweise darauf, dass radioaktive Stoffe ausgetreten oder radioaktives Material abhandengekommen sei, so Rafael Mariano Grossi, Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA). Sein Team hatte die Anlage in den letzten Tagen untersucht.

Unterdessen bereiten sich die deutschen Bundesländer auf mehr Flüchtlinge in den nächsten Wochen und Monaten vor. In einer Umfrage des evangelischen Pressedienstes betonten mehrere Länder die Nutzung von Turnhallen bei der Unterkunft von Flüchtlingen vermeiden zu wollen. Grund für den Ausbau ist nicht allein der Krieg in der Ukraine. Die vorhandenen Plätze seien vor allem wegen der seit einiger Zeit deutlich steigenden Asylbewerberzahlen belegt, meldete etwa das bayerische Innenministerium.

Bis Oktober zählte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge im laufenden Jahr fast 160.000 Erstanträge auf Asyl in Deutschland. Damit liegt die Zahl 40 Prozent höher als im Jahr zuvor. (rs/dpa/afp/epd)

Dieser Artikel erschien zuerst bei morgenpost.de.