Pandemie

13 Länder lassen am 4. Mai mehr Schüler in den Unterricht

Berlin.  Der Schulbetrieb in Deutschland soll am 4. Mai schrittweise weiter starten. Doch dafür gibt es in den Ländern ganz verschiedene Ideen.

Kinder und Coronavirus: Die Hilferufe der #Coronaeltern

Kita und Schule geschlossen, Mutter und Vater im Homeoffice. Viele Eltern gehen in der Coronavirus-Krise auf dem Zahnfleisch. Als #Coronaeltern berichten sie über ihre Verzweiflung.

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  • Bundesweit hatte die Corona-Krise zu Schulschließungen geführt – nun wagt die Politik erste Lockerungen
  • Zunächst kehrten die Abschlussklassen für ihre Prüfungen an die Schulen zurück
  • Bundesbildungsministerin Karliczek plädiert für Samstagsunterricht und Maskenpflicht
  • Der Deutsche Lehrerverband schlägt ein Schichtmodell vor, damit vor den Sommerferien alle Schüler wieder in die Schulen können

Die Ungewissheit hat für Schüler und Eltern ein Ende. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder haben entschieden, dass der Schulbetrieb ab dem 4. Mai wieder aufgenommen werden soll – jedoch nur schrittweise.

In der vergangenen Woche sind in rund der Hälfte der Länder die ersten Schüler in die Schulen zurückgekehrt, allerdings nur Abschlussklassen für Prüfungen oder Prüfungsvorbereitungen. Diese Woche kamen weitere Schüler hinzu. Die Kultusminister wollen, dass möglichst alle Schüler vor den Sommerferien tageweise in die Schule gehen.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, schlägt ein „Schichtmodell“ vor: Die Klassen werden geteilt und kommen abwechselnd für je eine Woche in die Schule und erhalten für die jeweils andere Woche Aufgaben für zu Hause. So sollen die geltenden Abstandsregelungen berücksichtigt werden. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hält hingegen Samstagsunterricht für eine Möglichkeit, den Schulbetrieb während der Corona-Pandemie fortzusetzen. „Das Schuljahr sollte für die Kinder kein verlorenes Schuljahr werden. Das wird nicht einfach sein“, betonte Karliczek.

Schulbeginn zu Corona-Zeiten: Welche Klassen gehen ab dem 4. Mai wieder in die Schule?

Doch das sind erstmal reine Überlegungen. Klar ist: In Phase eins – die bereits läuft – kehren zuerst die Abschlussklassen i n die Schulen für Prüfungen und Prüfungsvorbereitungen zurück. In Phase zwei – ab 4. Mai – sollen diejenigen Klassen folgen, die im kommenden Schuljahr Prüfungen ablegen und der oberste Jahrgang der Grundschulen. Doch in den einzelnen Ländern gibt es unterschiedliche Regelungen:

Am 4. Mai beginnt für alle Klassen, die im laufenden oder kommenden Jahr eine Abschlussprüfung ablegen müssen, wieder der Unterricht in:

  • Baden-Württemberg (auch Berufsschüler, die vor Prüfungen stehen)

Am 4. Mai beginnt für alle Schüler wieder der Unterricht, die im kommenden Jahr eine Abschlussprüfung ablegen müssen, in:

  • Sachsen-Anhalt.
  • Diese Regelung trifft auch auf Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das Saarland zu – in diesen Ländern sind auch Viertklässler aufgerufen, wieder die Schulbank zu drücken.

Eine ähnliche Regelung gibt es zudem in drei Bundesländern, wo ab dem 4. Mai neben den Schülern der Abschlussklassen des kommenden Jahres auch die Sechstklässler an den Grund- oder Gemeinschaftsschulen wieder den Unterricht aufnehmen. Zu diesen Ländern zählen:

  • Berlin
  • Brandenburg
  • Bremen

Diese Bundesländer haben ganz eigene Lösung für den schrittweisen Schulstart am 4. Mai entwickelt:

  • In Niedersachsen dürfen die Viertklässler am 4. Mai in die Schule zurück.
  • In Hamburg kehren am Montag die Viertklässler, die Gymnasiasten der sechsten Klasse sowie die Oberstufen der Stadtteilschulen und Gymnasien in den Unterricht zurück.
  • In Thüringen dürfen alle Schüler zurück in die Schule, die eine Prüfung schreiben müssen.

Zu den vier Ländern, für die sich in den Schulen am 4. Mai nichts ändern, gehören:

  • Bayern
  • Hessen
  • Sachsen
  • Schleswig-Holstein

Die vier Länder haben jedoch weitere Schulöffnungen für die folgenden Tage angekündigt. Damit lockern 12 von 16 Bundesländern am Montag ihre Corona-Maßnahmen in den Schulen. Der föderale Flickenteppich bei den Schulöffnungen erklärt sich auch dadurch, dass in den einzelnen Ländern unterschiedliche Klassen bereits Ende April den Unterricht in der Schule wieder aufgenommen haben.

Als Grund für die unterschiedliche Herangehensweise bei der Wiederöffnung der Schulen nannten die Kultusminister der Länder den unterschiedlichen Ferienbeginn in den einzelnen Bundesländern.

Wie soll der Unterricht in Corona-Zeiten funktionieren?

Die Kultusministerkonferenz der Länder hatte am Dienstag ein Rahmenkonzept für die Wiederaufnahme von Unterricht an den Schulen vorgelegt. Dies sieht vor, dass alle Schüler bis zu den Sommerferien zumindest zeitweise in die Schulen zurückkehren können.

Mit einem regulären Unterricht rechnen die Kultusminister in diesem Schuljahr aber nicht mehr. Über das vorgelegte Konzept berät am Donnerstag Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Regierungschefs der Länder.

Die Forschungsgemeinschaft Leopoldina hatte vorgeschlagen, dass zunächst Grundschulen und die Sekundarstufe I schrittweise öffnen sollten. Alle Maßnahmen müssten auf längere Zeit unter Einhaltung der Vorgaben zu Hygiene, Abstand, Mund-Nasen-Schutz, Tests und Quarantäne umgesetzt werden. Lesen Sie hier: Namhafte Corona-Berater: Was ist eigentlich die Leopoldina?

Kleinere Grundschulklassen und Fokus auf bestimmte Fächer

In Grundschulen müsse mit deutlich reduzierten Gruppengrößen von maximal 15 Schülern gestartet werden, um das Abstandsgebot besser einhalten zu können. Auch zeitversetzter Unterricht sei möglich. Zudem solle es eine Konzentration auf Schwerpunktfächer geben, etwa Deutsch und Mathematik in der Grundschule.

„Der Schulhof darf nicht zum Austauschort von Viren werden“, wird betont. Es solle mit den Abschlussklassen begonnen werden, „damit sie auf den Übergang in die weiterführenden Schulen vorbereitet werden können“.

Zu Kitas heißt es: „Da kleinere Kinder sich nicht an die Distanzregeln und Schutzmaßnahmen halten können, gleichzeitig aber die Infektion weitergeben können, sollte der Betrieb in Kindertagesstätten nur sehr eingeschränkt wiederaufgenommen werden.“

Leopoldina: „Die Maske muss zum sozialen Standard werden“

Die Stellungnahme der Leopoldina war eine wichtige Grundlage für die Bundesregierung bei der Frage, welche Lockerungen möglich sind. Generell raten die Experten der Akademie zu ausreichendem Infektionsschutz. Nur so könne die Rückkehr ins normale Leben gelingen. „Die Maske muss zum sozialen Standard werden“, so der Forscher der Leopoldina weiter. „Es muss das neue Cool und Chic sein.“ Auch für eine Ausweitung der Covid-19-Tests sprechen sich die Forscher aus.

Klar ist: „Die Schulen werden auf absehbare Zeit nicht mehr so sein wie vor Corona. Schulkonzerte, Ausflüge, Klassenfahrten – das alles wird es erstmal nicht mehr geben“, sagte Heinz-Peter Meidinger unserer Redaktion.

Brauchen Schulen neue Hygieneregeln?

Solange es weder einen Corona-Impfstoff noch ein Medikament dagegen gibt, sind Lehrer und Schüler mit Vorerkrankungen besonders gefährdet. Doch auch für alle anderen sind neue Regeln nötig: „Wir brauchen Mindeststandards beim Gesundheitsschutz für Lehrkräfte und Schüler, wenn die Schulen nach den Osterferien tatsächlich wieder geöffnet werden sollen“, fordert die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands, ­Susanne Lin-Klitzing.

Der wichtigste Punkt: Die Hygienebedingungen in den Schulgebäuden müssten deutlich besser werden als vor den Schließungen. Dazu sollten genügend funktionierende Waschbecken gehören, damit sich Lehrer und Schüler mehrmals am Schultag die Hände waschen können. Aber auch eine bessere und häufigere Reinigung der Schulen sei nötig, insbesondere der Toiletten. Dazu müsse es regelmäßig nachgefüllte Desinfektionsmittelspender an den Eingangstüren geben.

Schulöffnung in NRW- Habe nicht die besten Erfahrungen mit Hygiene

Bundesbildungsministerin Karliczek befürwortet eine Maskenpflicht für Schüler in bestimmten Situationen. „Aus meiner Sicht spricht viel dafür, dass überall dort, wo Schülerinnen und Schüler den Abstand nicht einhalten können, Masken getragen werden müssen“, sagte sie dem „Spiegel“. „Das ist im Schulbus der Fall, auch auf dem Weg ins Schulgebäude und auf den Fluren.“

In den Klassenzimmern sei die Lage womöglich anders. Wenn die Schüler weit genug auseinander säßen, könnten die Masken vielleicht abgelegt werden. „Aber auch hier wäre ich vorsichtig – wie wir generell jetzt nicht übermütig werden dürfen.“

(dpa/AFP)