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Werteunion-Chef Alexander Mitsch spendete Geld an die AfD

Berlin.  Werteunion-Chef Alexander Mitsch spielte mit dem Gedanken, in die AfD einzutreten. Die Reaktionen sind harsch – vor allem aus der CDU.

Behauptet heute, seine Begegnungen mit AfD-Mitgliedern hätten ihn zur Gründung der Werteunion animiert: Alexander Mitsch.

Behauptet heute, seine Begegnungen mit AfD-Mitgliedern hätten ihn zur Gründung der Werteunion animiert: Alexander Mitsch.

Foto: Christoph Schmidt / dpa

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Der Vorsitzende der konservativen Werteunion, Alexander Mitsch, hat einen Eintritt in die AfD erwogen und der Partei auch Geld gespendet. „2014 habe ich 20 Euro und 2016 100 Euro gespendet“, sagte das CDU-Mitglied dem Online-Portal „Tichys Einblick“.

Er habe damals mit sich gerungen, ob er der AfD nicht sogar beitreten solle, „denn meine Verzweiflung über den Zustand meiner CDU war groß“.

Werteunion-Chef Mitsch: „Vernünftige Menschen“ in der AfD

Auch heute noch sei er gegen eine „pauschale Verunglimpfung aller Mitglieder und Wähler der AfD“, sagte Mitsch am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Denn es gebe bis heute „vernünftige Menschen in der Partei, aber die haben nicht mehr viel zu sagen“. Inzwischen hätten aus seiner Sicht in der AfD „radikale Kräfte die Macht übernommen“.

Dass diese Partei nicht seine politische Heimat werden könne, habe er nach der Dresdner Rede von Björn Höcke im Januar 2017 gewusst. Höcke gilt als Rechtsaußen in der AfD. In seiner Rede vor Anhängern in Dresden hatte er eine „erinnerungspolitischen Wende um 180 Grad“ gefordert.

Mitsch sagte zudem dem ARD-Magazin „Monitor“, „Begegnungen mit und Äußerungen von AfDlern“ seien für ihn so „abschreckend“ gewesen, „dass ich mich entschlossen habe, durch die Gründung der Werteunion klare Kante gegen den immer mehr an Einfluss gewinnenden Rechtsradikalismus in der AfD zu zeigen“.

Junge-Union-Chef Kuban stellt Mitschs CDU-Mitgliedschaft in Frage

Der Vorsitzende der Jungen Union, Tilman Kuban, stellte Mitschs CDU-Mitgliedschaft nach dessen Äußerungen in Frage. Er habe kein Verständnis dafür, dass Mitsch an die AfD gespendet habe, sagte Kuban in der RTL-Sendung „Guten Morgen Deutschland“ am Donnerstag.

Es sei eine Situation, in der Werte der Union zwar gemimt würden, aber am Ende Geld an die AfD des Rechtsaußen-Politikers Björn Höcke gespendet werde. „Dieses Verhalten kann man nicht tolerieren, und von daher muss sich Herr Mitsch fragen, ob er seinen Platz noch in der CDU hat.“ Wer Mitsch jetzt noch decke oder unterstütze, mache sich mit der AfD gemein.

Linke: CDU hat ein Problem mit Rechtsradikalen in eigenen Reihen

Auch der CDU-Bundesvorstandsmitglied Elmar Brok sieht Mitsch durch die nun bekannt gewordenen Informationen diskreditiert. „Das zeigt, in welche Richtung dieser Mann denkt“, sagte er „Monitor“. „Zum Zeitpunkt der Spende war der Rechtsruck der AfD schon im vollen Gange.“

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Matthias Hauer schrieb auf Twitter: „Die Loyalität der sogenannten #WerteUnion gilt nicht #CDU und #CSU. Es wundert überhaupt nicht und ist sogar konsequent, dass Herr #Mitsch mindestens 2x an die rechtsradikale #AfD spendete.“

Der parlamentarische Geschäftsführer der Linksfraktion im Bundestag, Jan Korte, rief die CDU zum Handeln auf: „Offenbar hat die CDU ein Problem mit Rechtsradikalen in den eigenen Reihen, um das sich die Verantwortlichen zügig kümmern sollten.“

Geistige Heimat für Hans-Georg Maaßen – das ist die Werteunion

Die Werteunion sieht sich selbst als „konservative Basisbewegung in der CDU/CSU“. Sie argumentiert, dass die CDU unter Bundeskanzlerin und Ex-Parteichefin Angela Merkel zu weit nach links gerückt sei und wieder konservativere Positionen vertreten müsse.

Die Gruppe war vor knapp drei Jahren als Reaktion vor allem auf Merkels Flüchtlingspolitik gegründet worden. Sie ist ein eingetragener Verein, aber keine anerkannte Parteigliederung von CDU oder CSU, obwohl ihre Mitglieder meist auch in den Unionsparteien eine Mitgliedschaft haben. Zu den bekannteren unter den nach eigenen Angaben 4300 Mitgliedern gehört der frühere Chef des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen.

Die Ausschreitungen von Chemnitz und die Causa Maaßen

Maaßen war im November 2018 in den Ruhestand versetzt worden. Zuvor hatte er in Zusammenhang mit den Ausschreitungen in Chemnitz 2018, denen die Tötung eines Mannes durch Migranten vorausging, im Vorgriff der Ermittlungsergebnisse von „Mord“ gesprochen.

CDU und SPD verteidigen Einigung zu Maaßen

Zudem unterstellte Maaßen Medien und Politikern, dass sie ausländerfeindliche Hetzjagden im Kontext der Ausschreitungen „frei erfunden“ hätten. Schließlich machte er „linksradikale Kräfte in der SPD“ aus. Später sagte er, er sei nicht in die CDU eingetreten, damit „1,8 Millionen Araber nach Deutschland kommen“. (dpa/max)

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