Es sind Zahlen, die zu denken geben: Allein in Deutschland haben nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts knapp 60 Prozent der Erwachsenen erhöhte Blutfettwerte. Diese Werte sind sowohl auf genetische als auch durch den Lebensstil bedingte Faktoren zurückzuführen. Obwohl es dabei selten zu erkennbaren Symptomen kommt, sind die langfristigen Folgen des erhöhten Cholesterins unter Umständen dramatisch: So können unter anderem zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen auftreten, ein Engegefühl in der Brust oder gar ein Verschluss der Arterien. Das wiederum kann einen Herzinfarkt auslösen und somit tödlich sein.

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Um vorzubeugen, wird den Betroffenen oft zur Einnahme von sogenannten Statinen geraten. Dabei handelt es sich um ein Medikament, dass zur Senkung des Cholesterinwertes beiträgt. Dennoch gibt es bei der Einnahme der Statine einiges zu beachten. Vor allem wegen etwaiger Nebenwirkungen setzen vor allem ältere Betroffene die Statine einfach wieder ab, wie eine französische Studie gerade erst zeigte. Ein Schritt, der keinen nachweislichen Nutzen brachte – aber auch nicht zwingend schadete.

Im Interview erklärt Prof. Dr. Dobromir Dobrev, Pharmakologe und Leiter des Instituts für Pharmakologie des Universitätsklinikums Essen, wie wirksam Statine wirklich sind, worauf man bei der Einnahme achten muss und welche negativen Aspekte in seltenen Fällen drohen können.

Statine richtig einnehmen: Darauf kommt es an

Medikamente liegen auf einem Tisch, im Hintergrund sind Hände zu sehen, die vermutlich einen Beipackzettel halten
Statine gelten als zuverlässige Cholesterinsenker.© picture alliance / dpa Themendienst | Christin Klose

Wie stark kann der Cholesterinwert durch Statine überhaupt gesenkt werden?

Prof. Dr. Dobromir Dobrev: Insgesamt um etwa 20 bis 50 Prozent. Es gibt jedoch die sogenannten „non-responder“, die auf Statine vermeintlich nicht ansprechen. Dieses Nicht-Ansprechen auf Statine ist allerdings umstritten und nicht ganz verstanden. Bei vielen Patienten ist eher die geringere oder fehlende Therapietreue die Hauptursache für die vermeintliche Resistenz gegenüber Statinen.  

Sind alle Statin-Präparate gleich wirksam?

Dobrev: Die Statine wirken alle gleich, zumindest was ihre Wirksamkeit in der Standarddosierung betrifft.

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Statine und Grapefruit: Warum die Kombination problematisch ist

Was sollte bei der Einnahme von Statinen beachtet werden?

Dobrev: Bei der Einnahme von ausgewählten Statinen muss auf Grapefruitsaft verzichtet werden, da es sonst zu sehr starken Anstiegen der Plasmakonzentration und zu Muskelschmerzen kommen kann. Das liegt daran, dass Grapefruitsaft den Abbau fettlöslicher Statine wie Lovastatin oder Simvastatin verhindert, was etwaige Nebenwirkungen verstärken kann.

Statine sollten außerdem nur vorsichtig mit Medikamenten eingenommen werden, die vorrangig über die Leber verstoffwechselt werden. Dazu zählt zum Beispiel das Herzmedikament Amiodaron. Sonst können die Statine nicht sachgemäß abgebaut werden. Statine wie Rosuvastatin oder Pitavastatin wiederum werden kaum in der Leber „umgebaut“ und haben dementsprechend ein sehr geringes Potenzial zu Wechselwirkungen zwischen Medikamenten. 

Statine morgens oder abends: Der richtige Zeitpunkt

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Statine wie hier Atorvastatin werden häufig bei erhöhten Cholesterinwerten verschrieben.© Getty Images | Gannet77

Zu welchem Zeitpunkt am Tag sollte man Statine am besten einnehmen?

Dobrev: Die Statine unterscheiden sich grundsätzlich in der Wirkungsdauer. Die meisten Statine weisen eine Wirkungsdauer auf, die eine Einnahme am Abend erfordern. Nur so kann die nächtliche Cholesterinproduktion effektiv gehemmt werden. Rosuvastatin hingegen ist langwirkend und kann auch zu anderen Zeitpunkten des Tages und unabhängig von Nahrungsaufnahme eingenommen werden. 

Statine und andere Medikamente: Diese Wechselwirkungen sind möglich

Aus pharmakologischer Sicht: Sehen Sie positive Aspekte abseits der Senkung des Cholesterinwerts?

Dobrev: Die sogenannten lipidsenkungsunabhängigen Wirkungen der Statine werden oft als „pleiotrope“ Effekte bezeichnet. Das heißt: Die Wirkung der Statine zielt neben dem Senken des Cholesterins auch auf verschiedene Bereiche im Körper ab. Dazu zählen unter anderem die Verbesserung der Gefäßfunktion, antientzündliche Effekte und die Hemmung der Gerinnselbildung. Diese Effekte sind auch klinisch gut belegt. 

Insgesamt kommt es durch diese pleiotropen Effekte zu einer verbesserten Gefäßfunktion bei Bluthochdruck. Zudem wird die Gefäßverkalkung verlangsamt und die Gerinnselbildung abgeschwächt; das Herzinfarktrisiko und die Gesamtsterberate werden reduziert. Das liegt daran, dass Gefäße seltener platzen oder sich Gerinnsel bilden. Besonders bei Patienten mit Atherosklerose kann das Herz- und Kreislaufkomplikationen vorbeugen.

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Kann die Einnahme von Statinen durch andere Arzneien gestört oder begünstigt werden?

Dobrev: Statine können zu negativen Arzneimittel-Wechselwirkungen führen. Fettlösliche Statine wie zum Beispiel Lovastatin oder Simvastatin sollten nicht mit anderen Arzneimitteln kombiniert werden. Die Liste möglicher Wechselwirkungen ist sehr lang, wobei klinisch nur wenige davon wirklich von Bedeutung sind.

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Welche negativen Aspekte drohen möglicherweise bei der Einnahme von Statinen?

Dobrev: Statine können zu einem Anstieg der sogenannten Leberenzyme (Transaminasen) führen, was auf eine beginnende Leberschädigung hindeuten könnte. Das ist in den meisten Fällen unbedenklich. Außerdem kann es zur Schädigung der Skelettmuskulatur (Myopathie) kommen, was in der Regel mit einem Anstieg des Enzyms Kreatinkinase einhergeht. Auch dies ist in den meisten Fällen unbedenklich.

Lebensbedrohlich wird die Situation, wenn diese Schädigung sehr stark ausgeprägt ist und die Patienten über Muskelschmerzen klagen. In seltenen Fällen kann es zum Zerfall der Muskelfasern (Rhabdomyolyse) kommen, die durch die Überschwemmung des Blutes mit Eiweißen zu einer Schädigung der Nierenfunktion führen kann.

Außerdem kann die Rhabdomyolyse Rhythmusstörungen begünstigen, da die geschädigte Muskulatur zu viel Kaliumionen ins Blut abgibt. Daher ist Rhabdomyolyse eine lebensbedrohliche Situation, die zum Tode führen kann. Paradoxerweise kann es auch zur Gewichtszunahme kommen. Dies ist nicht auf die Wirkung der Statine selbst zurückzuführen. Es wird eher mit einer weniger gesundheitsbewussten Ernährung erklärt. 

Dieser Artikel erschien erstmals im Juni 2025 und wurde seitdem fortlaufend aktualisiert.