Nach Kritik bemüht sich Apolda um Lösung für Schötener Promenade

Apolda  Laut der Apoldaer Verwaltung erfordern die zerfahrenen Wege und Rasenflächen sowie der viele „unberechtigte“ Verkehr im Landesschutzgebiet eine strenge Regelung.

Uhu und das verdeckte neue Schild in der F.-Engels-Straße.

Uhu und das verdeckte neue Schild in der F.-Engels-Straße.

Foto: Dirk Lorenz-Bauer

Mit der 2020 angestrebten Neuregelung des Verkehrs in der Schötener Promenade hat sich die Stadtverwaltung jüngst Unmut eingehandelt. Die verkehrsrechtliche Anordnung wurde durch den Bürgermeister bereits zurückgenommen.

Es folgt ein Blick auf die Gegebenheiten: Das über 50 Hektar umfassende Landschaftsschutzgebiet Schötener Grund ist als solches in den 1970er-Jahren ausgewiesen worden. Per Einigungsvertrag waren dieses und andere Landschaftsschutzgebiete auf einstigem DDR-Boden in die neue Zeit übernommen worden. Gemäß der Regelung zum Schutzstatus konnte der Schötener Grund wenigstens durch die Anlieger - gemeint waren im Ursprung Eigentümer von Grundstücken oder dort Wohnende - sowie Ver- und Entsorgungsfahrzeuge befahren werden.

Geplante Sonderfahrgenehmigung für die Promenade wirft viele Fragen auf

Indes: Dass der Begriff des Anliegers heutzutage ein recht weiter und das Fahrzeugaufkommen auch in der Promenade ein höheres ist, dürfte für die Verwaltung nicht unwichtig gewesen sei bei dem, was sie in die Wege leitete. Angesichts der 2018 beschlossenen Besucherordnung kam sie nämlich mit der Idee heraus, dass die Promenade künftig nur noch mit Sonderfahrgenehmigung befahren werden darf, was die Volksseele zum Kochen bringt. Anwohner können die Genehmigung bei der Stadt beantragen. Und was sei mit Familie, Taxi, Lieferdiensten, Mietwagen, Pflegediensten und so fort?, fragt sich nicht nur Familie Urban. Schätzungsweise 50 Anrainer wären direkt betroffen. Zumal gelbe LSG-Schilder mit dem Uhu darauf nun an Stellen stehen, die eine räumliche Ausweitung des LSG vermuten lassen. Welche Karten dem zugrunde liegen, bleibt einstweilen unklar.

Klar zumindest scheint, dass eine Ausweitung nicht zu denken ist, ohne die in all den Jahren erteilten Baugenehmigungen zu betrachten. Teil dieser ist eine Regelung zum Zugang zu den Grundstücken. Fällt nun das eine oder andere ins LSG, wäre die Befahrung ohne Weiteres eben gar nicht mehr möglich. Es sei denn, Grundstückseigentümer oder Mieter bezahlen ab 2020 die 120 Euro pro Jahr plus zehn Euro Auslagen für die Sondergenehmigung. Familien, die zwei Pkw nutzen, müssen dann bei der Stadt für zwölf Monate immerhin 260 Euro hinblättern. Das kann den nahenden Weihnachtsfrieden schon eintrüben.

Neuregelung vorerst ausgesetzt für Überprüfung

Auf Nachfrage hieß es bei der Stadt, dass es gute Gründe für die Neuregelung gebe. So gelte es, dem besonderen Schutzstatus des LSG gerecht zu werden. So habe man in der jüngeren Vergangenheit ein überhandnehmendes Fahrzeugaufkommen eben auch in der Schötener Promenade festgestellt - insbesondere durch Lieferdienste, aber auch Privatleute, die dort überhaupt nicht wohnen. Auch habe der Bauhof ärgerlicherweise regelmäßig mit Reparaturen an den Pollern zu tun, die mutwillig umgefahren werden. Rasenflächen und Wege würden zerfahren. Die Situation habe sich seit Einführung der Besucherordnung nicht verbessert, so dass die Stadt nach einem Jahr Schonfrist jetzt mit einer Neu-Regelung reagieren wolle.

Allerdings habe sich nicht zuletzt durch die Diskussion im Stadtrat und den Unmut der Bürger gezeigt, dass es noch erheblichen Klärungsbedarf gibt, so dass sämtliche Umstände und die angestrebte Regelung derzeit überprüft werde. Nach Informationen unserer Zeitung fand dazu in dieser Woche eigens ein Krisengespräch zwischen Stadt, Untere Bauaufsicht und Unterer Naturschutzbehörde statt.

Die bereits durch die Stadtverwaltung an verschiedenen Stellen aufgestellten Schilder „Verbot für mehrspurige Kraftfahrzeuge, Krafträder, Kleinkrafträder und Mofas“ wurden derweil teils wieder mit Tüten verhüllt. Stattdessen steht derzeit an den strittigen Zufahrten das Schild „Durchfahrt verboten - Verbot für Fahrzeuge aller Art“ mit dem Zusatzzeichen „Anlieger frei“.

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