Niedergrunstedter Verein wirkt auch ohne Publikum

Niedergrunstedt.  Die Heimatfreunde des Ortes finden ihr Betätigungsfeld in veranstaltungsarmen Zeiten auf dem Friedhof.

Rechtzeitig vor dem Totensonntag ist Niedergrunstedts Heimatverein pflegerisch auf dem örtlichen Friedhof zu Gange.

Rechtzeitig vor dem Totensonntag ist Niedergrunstedts Heimatverein pflegerisch auf dem örtlichen Friedhof zu Gange.

Foto: Jens Lehnert

Viele Gelegenheiten, im Corona-Jahr in Erscheinung zu treten, hatte Niedergrunstedts Heimatverein nicht. So weicht der Weimarer Ortsteil nun auch mit seinem traditionellen „Advent bei Mauritius“ digital ins Internet aus. Doch auch ohne Publikum finden die Heimatfreunde Gelegenheiten, um sich in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen. Rechtzeitig vor dem Totensonntag legten sie auf dem Friedhof Hand an.

Auf dem Weg hinauf zur Mauritiuskirche fällt eines von weitem ins Auge. Die Kirchgemeinde konnte die Sanierung des Kirchturmes abschließen. Bereits 2019 wurden der Dachstuhl und die Eindeckung instand gesetzt, Turmknopf, Wetterfahne und die Ziffernblätter der Uhr aufgearbeitet und eine elektrische Läuteanlage installiert. In diesem Jahr nun konnte auch die Turmfassade saniert werden.

Im Umfeld der Kirche hinterließ seinerseits der Heimatverein Spuren. Vor dem Gotteshaus gleich an der Durchfahrtstraße richtete er das Denkmal für die Gefallenen des deutsch-französischen Krieges her. Restauratorische Maßnahmen konnten die Mitglieder des Vereins freilich nicht vornehmen. Umso mehr hoffen sie darauf, dass die Stadt die seit langem diskutierte Gestaltung des Platzes mitsamt der Aufarbeitung des Denkmals nicht aus den Augen verliert.

Erst zwei Jahrzehnte ist es her, dass der Heimatverein den Gefallenen des Zweiten Weltkrieges eine Stele auf der Westseite des Friedhofes setzen ließ. Auch hier putzten die Mitglieder nun und erneuerten die Bepflanzung. Mit der Winterheide, die direkt vor dem Stein steht, hat es eine besondere Bewandtnis. „Jedes Jahr bringt Gisela Schramke eine Heide hierher, auch diesmal – mit 92 Jahren“, weiß Barbara Geißler.

Gleich neben der Stele in der alten Leichenhalle hatte der Heimatverein ebenfalls alle Hände voll zu tun. „Der Raum musste regelrecht entrümpelt werden. Selbst alte Autoreifen lagen hier herum", sagt Doris Schmidt.

Am Erscheinungsbild der Gräber gibt es auf dem Niedergrunstedter Friedhof nichts zu bemängeln. Hier sind die Hinterbliebenen regelmäßig und mit Liebe zum Detail zu Gange. Dort, wo es keine Nachfahren gibt, wird der Heimatverein auch aktiv. So hat er die Pflege des Grabes der 2007 hochbetagt verstorbenen Sophie Buchsbaum übernommen, die einst Ausruferin im Dorf war. An ihrer Ruhestätte erneuerte der Verein nun die Grabeinfassung.

Nicht zuletzt sorgte Jürgen Röder dafür, dass am Wassertank die Gießkannen nicht mehr wahllos in der Gegend stehen. Er konstruierte ein Gestell, um die Kannen daran aufzuhängen.

In Sachen Friedhofspflege zollte der Heimatvereins auch der Stadt Weimar Anerkennung, die für den Friedhof 2017 die Trägerschaft von der Kirche übernommen hatte. So komme nach dem jüngsten Heckenschnitt die Natursteinmauer besonders zur Geltung.