Einblicke in die Geschichte des Nadelwerkes

Ichtershausen.  Neue Dauerausstellung in Ichtershausen eröffnet. Neben alten Maschinen sind auch moderne Animationen zu sehen.

Zur Eröffnung Nadelwerkmuseum zeigt Uli Beyer (dritter von rechts) das Modell des Areals.

Zur Eröffnung Nadelwerkmuseum zeigt Uli Beyer (dritter von rechts) das Modell des Areals.

Foto: Berit Richter

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Auf der Kreuzung hat es einen Unfall gegeben, gerade bringt der Arbeiterbus die Werktätigen vorbei und vor dem Eingang weht neben der DDR-Fahne das Banner des Kombinates Solidor. Modellbauer Ingo Benker aus Arnstadt hat bei seiner Nadelwerks-Szene wirklich größte Sorgfalt aufs Detail gelegt. „Alle Fenster, alle Balken sind maßstabsgerecht“, sagte Uli Beyer, der geistige Vater der Dauerausstellung zur Geschichte der Thüringischen Nadelproduktion, die am Samstag in einem Teil des alten Nadelwerkes eröffnet wurde.

„Museum dürfen wir es nicht nennen. Die Bezeichnung ist geschützt und an bestimmte Voraussetzungen geknüpft“, erklärte Bürgermeister Uwe Möller (CDU) und dankte all jenen, welche die Ausstellung möglich machten. Uli Beyer, der inzwischen verstorbene Thomas Lindner, Günther Koslowsky und Günter Stecklum, allesamt ehemalige Nadelwerker, hatten den Gemeinderat vor Jahren davon überzeugt, in würdiger Form an diesen wichtigen teil der Ortsgeschichte zu erinnern.

Eigentlich sollte die Ausstellung schon 2014 öffnen, doch Probleme mit der Fertigstellung der „Neuen Mitte“ verzögerten dies. Umso interessanter ist die Ausstellung geworden. Uli Beyer hat selbst 20 Jahre als Maschinenbauingenieur im Nadelwerk gearbeitet bevor er Design studierte in Thörey eine eigene Werbeagentur gründete. Nicht nur beim Modell war im Detailreichtum wichtig.

Verschiedene Tafeln informieren nun ebenso über die Ortsgeschichte Ichtershausen wie über die des Nadelwerkes, das 1862 von Kaufmann Wilhelm Wolf und Ingenieur August Knippenberg gegründet worden war. Über die Zeit als DDR-Kombinat und die Liquidation nach der Wende, wo vom großen Unternehmen nur eine kleine Firma, die bis heute chirurgische Nadeln herstellt, übrigblieb, wird mit Bildern und Filmen ebenso Auskunft gegeben, wie über Kindergarten, Wohnungsbau und all die anderen Rahmenbedingungen für die Arbeiter.

„Viele unserer Maschinen stehen heute in Indien und produzieren noch immer Nadeln für die ganze Welt“, weiß Uli Beyer. Einige aber bleiben glücklicherweise in Ichtershausen und bilden nun den Grundstock fürs die Ausstellung. Per Knopfdruck können sich Besucher mit den von Volker Pohlan aus Arnstadt erstellten aufwendigen 3-D-Animation anschauen, wie diese Maschinen einst arbeiteten. „Die ältesten wurden noch mit Muskelkraft betrieben“, erklärt Uli Beyer. „Damals gab es noch keinen Elektromotor.“ Aber eine große Dampfmaschine, die über tausend Riemen antrieb. In Vitrinen sind unter anderem Musterbücher zu sehen, mit denen in der ganzen Welt geworben wurde.

Auch einen Einblick in die umfangreiche Produktpalette des Ichtershäuser Nadelwerkes, die von großen Schaschlikspießen bis zu feinsten chirurgischen Nadeln für Augenoperationen reichte, gibt die Ausstellung. Der berühmte Musterschrank, der für die Weltausstellung in Paris 1912 gefertigt wurde, ist allerdings nur als Foto zu sehen. „Der steht leider in Aachen, wir haben ersucht, ihn zurück zu bekommen, aber er gilt als unverkäuflich, bedauerte Beyer. In die Räumlichkeiten integriert wurde das Bürgerbüro, das künftig „als erste Anlaufstelle für die Bürger mit all ihren Anliegen“ dienen soll, wie Uwe Möller erklärte. Gleich nebenan ist zudem das Standesamt untergebracht. Kostenlos zu besichtigen sein wird die Ausstellung zu den normalen Büroöffnungszeiten Montag, Mittwoch, Donnerstag von 9 bis 12 und 13 bis 15 Uhr, Dienstag von 9 bis 12 und 13 bis 18 Uhr sowie Freitag von 9 bis 12 Uhr. „Wenn wir keine Hochzeit haben. Dann kann auch einmal zu sein“, so Roswitha Heinz, zuständig für Kultur und Soziales bei der Gemeindeverwaltung Amt Wachsenburg.

Gern, so betont sie, sei es aber auch möglich, zu anderen Zeiten und auch am Wochenende, einen Besuch zu vereinbaren. „Wir hoffen, dass auch viele Schulklassen kommen und sich mit der Geschichte ihres Ortes beschäftigen“, so Heinz. An einer Mitmach-Station können die Kinder dann sogar selbst einmal Rouladennadeln biegen.

Erster Blickfang aber wird das Modell im Maßstab 1.87 gleich am Eingang sein. „Es zeigt das Jahr 1987, als das Nadelwerk 125 Jahre alt wurde“, erklärte Uli Beyer. Hoher Wiedererkennungswert für so manchen, er Samstag zur Eröffnung vorbeischaute. Zwei Freiheiten aber hat sich Modellbauer Ingo Benker dann doch genommen. Er zeigt auch die Bimmelbahn, die bis 1956 durch den Ort fuhr, und den 1976 abgerissenen Schornstein, der jahrzehntelang das Wahrzeichen von Ichtershausen war. Beides wollten wir gern darstellen“, so Uli Beyer.

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