Familie aus dem Irak lebt gern in Ilmenau

Ilmenau.  Die Ithawis träumen von einem kleinen Haus mit Garten. Kinder sprechen inzwischen besser Deutsch als Arabisch.

Familie Ithawi flüchtete vor fünf Jahren aus dem Irak und lebt heute in Ilmenau.

Familie Ithawi flüchtete vor fünf Jahren aus dem Irak und lebt heute in Ilmenau.

Foto: Ralf Ehrlich

Fünf Jahre ist die sogenannte Flüchtlingskrise her. Die Zahl der Asylbewerber verdoppelte sich im Jahr 2015. 1000 Geflüchtete wurden damals allein dem Ilm-Kreis zugewiesen, so viele wie noch nie. Dem berühmten Satz „Wir schaffen das“ wollten viele keinen Glauben schenken. Befürchtungen und Ängste gab es, Fremdenfeindlichkeit. Was ist aus den Menschen geworden, die damals zu uns kamen?

Im November 2015 kam Familie Ithawi aus dem Irak nach Ilmenau. Wegen andauernder Konflikte zwischen Milizen und dem Militär war ihre alte Heimat im Südwesten von Bagdad nicht mehr sicher. Granaten und Geschosse gehörten zum Alltag, ebenso die Angst vor Autobomben. Die Flucht von Mustafa, Nada (beide 37) und den drei Kindern dauerte 15 Tage und führte über die Türkei, Griechenland, Kroatien nach Deutschland. Der Vater hatte die zweijährige Tochter auf dem Rücken, jeder eine Tasche in der Hand, mehr nicht.

Die Flucht aus der Nähe von Bagdad dauert 15 Tage

Nada erinnert sich noch gut an die Überfahrt in einem kleinen Plastikboot mit 45 Menschen über das Mittelmeer. In Deutschland kam die Familie ins Erstaufnahmelager nach Gera, später nach Suhl und Frauenwald. In Ilmenau gab es dann die erste Wohnung am Eichicht. Es folgten eine Ablehnung des Asylantrags und schließlich der Härtefallantrag, der genehmigt wurde. Im ersten Jahr absolvierten die Ithawis den obligatorischen Deutschkurs an der Volkshochschule. Mustafa, der wie seine Frau im Irak Psychologie studiert hatte, arbeitete in der alten Heimat als Elektriker. Deshalb machte er 2017 ein Praktikum bei einer Elektrofirma, danach eine Qualifikation bei der Handwerkskammer, um anschließend zwei Jahre als Hilfselektriker zu arbeiten. In der Zwischenzeit wurde sein Studienabschluss in Deutschland anerkannt. Derzeit arbeitet der Familienvater beim Bildungswerk Großbreitenbach als Projektmitarbeiter und kümmert sich beruflich um Flüchtlinge.

Nada hatte nach vielen Praktika in Kindergärten mit Bewerbungen weniger Glück. Sie entschied sich für einen zweiten, weiterführenden Deutschkurs und erwarb ihren Führerschein. Vor einem Jahr klappte es mit einer Arbeit als Jobcoach. Aktuell ist sie beim Bildungswerk in Arnstadt Projektmitarbeiterin.

Rückkehr in die alte Heimat ist keine Option mehr

„Wir haben immer gesagt, die deutsche Sprache ist wichtig für uns", so Nada. Ihr Ziel ist es, den Deutschkurs zu bestehen, der für ein Studium nötig ist. „Wir haben auch viele Kontakte zu Deutschen. Einige haben uns auch sehr geholfen, zum Beispiel mit Formularen und Anträgen", sagt Mustafa.

Die beiden Jungs Omar (15) und Osamah (13) spielen gern Eishockey. Der Jüngere besucht ein Gymnasium, der Ältere die Regelschule. Tochter Ina (7) geht in die erste Klasse einer Grundschule und mag Eiskunstlaufen. Die Familie lebt in einer Vierraumwohnung im Wohngebiet Am Stollen.

„Wir können uns vorstellen, auf ein Dorf zu ziehen und ein kleines Haus mit Garten zu haben“, sagt Mustafa. Zurück in den den Irak zu gehen, ist für die Familie keine Option, selbst wenn sich die Lage dort entspannen sollte. „Unsere Kinder sprechen besser Deutsch als Arabisch", sagt der Vater und meint, dass auch die Zukunftsperspektiven für den Nachwuchs in Deutschland besser sind.

Der Kontakt in die alte Heimat, insbesondere zu den Eltern, geht übers Internet. „Meine Mutter meldet sich, sollte das Internet bei ihr mal funktionieren", sagt Nada.

Sie und ihr Mann engagieren sich beim Flüchtlingsnetzwerk in Ilmenau. Mustafa hilft beispielsweise bei Umzügen, beim Malern oder wenn etwas mit der Elektrik ist, sagt er.

Ausländerfeindlichkeit spürt die Familie in der neuen Heimat inzwischen kaum noch – das war anfangs anders. Jetzt gibt es manchmal eine Bemerkung zu Nadas Kopftuch. Wie die Ithawis sagen, fühlen sie sich wohl in Deutschland und leben gern in Ilmenau.

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