Ilmenauer Firma entwickelt Desinfektionsroboter

Ilmenau.  Die Metralabs GmbH stellt ein Produkt vor, das autonom in Räumen Viren und Bakterien abtötet. Einsatz im klinischen Bereich bereits im Mai.

Der „Sterybot“ kann nach bis zu 99,99 Prozent aller Viren und Bakterien in Räumen abtöten. Noch in diesem Monat soll er in Kliniken zum Einsatz kommen

Der „Sterybot“ kann nach bis zu 99,99 Prozent aller Viren und Bakterien in Räumen abtöten. Noch in diesem Monat soll er in Kliniken zum Einsatz kommen

Foto: ari (Michael Reichel) / Michael Reichel

Der Ilmenauer Roboterentwickler Metralabs GmbH Neue Technologien und Systeme hat ein neues Produkt auf den Markt gebracht, das gerade in der Corona-Krise von hohem Wert sein könnte: Innerhalb von vier Wochen konstruierten die Mitarbeiter einen Roboter, der nach Angaben von Geschäftsführer und Mitbegründer Johannes Trabert bis zu 99,99 Prozent der Bakterien und Viren in der Luft und auf Oberflächen eines Raumes innerhalb weniger Minuten abtöten kann. Seine Fahrwege findet der Roboter dabei völlig selbstständig, so dass neben der Raumluft kritische Bereiche wie Böden, Wände, Tische, Stühle, Türklinken oder Lichtschalter effektiv desinfiziert werden. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Förderung von der Europäischen Union

„Die Herausforderungen der SARS-CoV-2-Pandemie sind global und Millionen Menschen im medizinischen Bereich, in Industrie, in der Lebensmittel- und Bekleidungsbranche, im Tourismus und Hotelgewerbe sind Ansteckungsrisiken ausgesetzt“, teilte der Geschäftsführer gegenüber unserer Zeitung mit. Der „Sterybot“, wie das Fahrzeug genannt wurde, desinfiziert mit UV-C-Licht, das eine besonders energiereiche Strahlung ist.

Die Erfindung aus Ilmenau hat bereits die Jury des von der Europäischen Union im Januar gegründeten Zentrums „Digital Innovation Hub in Healthcare-Robotics“ überzeugt. Damit gehört die Neuvorstellung von Metralabs zu neun von insgesamt 146 eingereichten Projekten, die nun tatsächlich auch von der EU mit dem Ziel gefördert werden, das Corona-Virus einzudämmen.

Ziel ist die schnelle Erreichung der Serienreife des „Sterybot“ und der rasche Einsatz im Gesundheitswesen, wo er nach Einschätzung von Johannes Trabert am dringendsten benötigt wird. Anschließend sollen die Roboter in öffentlichen Gebäuden, Hotels, Flughäfen und im Einzelhandel ihren Dienst verrichten.

Seit 15 Jahren mobile Serviceroboter aus Ilmenau

Der Metralabs-Geschäftsführer rechnet noch in diesem Monat mit einem Einsatz im klinischen Bereich. „In der Krise liegt unsere Chance“, meinte Trabert. Für die Firma sei Kurzarbeit wegen Auftragsverzögerungen von nationalen und internationalen Einzelhandelsunternehmen kein Thema gewesen. Man habe stattdessen die Zeit genutzt, um zu überlegen, „wie wir im gemeinsamen Kampf gegen COVID-19 unterstützen können.“

Die Metralabs GmbH entwickelt und fertigt seit mehr als 15 Jahren voll autonome mobile Serviceroboter, die in Industrie, dem Einzelhandel, dem Gesundheitswesen und im Reinraumbereich eingesetzt werden. Für den Inventurro­boter „Tory“ wurde die MetraLabs GmbH 2019 mit dem Thüringer Innovationspreis ausgezeichnet. Zu den größeren Kunden gehören die Adler Modemärkte AG, die mit Stand September 2019 insgesamt 45 Roboter aus Ilmenau in ihren Filialen einsetzt. „Tory“ arbeitet dort nach Ladenschluss und übernimmt die Aufnahme des gesamten Warenbestands, sodass Nachbestellungen schnell geordert werden können.

„Wir sind stolz auf unsere hochinnovativen Unternehmen in Ilmenau wie Metralabs, die zupacken, auf die besonders in der Krise besonders Verlass ist und die der Gesellschaft mit modernen Technologien helfen“, erklärte Tino Wagner von der Wirtschaftsförderung der Stadt.