Rotarier wollen Ausbildungen zum Schlaganfall-Helfer finanzieren

Ilm-Kreis.  In Arnstadt, Ilmenau und Erfurt sollen in den nächsten Monaten bis zu 100 ehrenamtliche Schlaganfall-Helfer ausgebildet werden.

Die Rotary Clubs aus Erfurt, Ilmenau und Arnstadt wollen die Ausbildung von 100 ehrenamtlichen Schlaganfallhelfern finanzieren. Im Arnstädter Rathaus fand die Auftaktveranstaltung statt.

Die Rotary Clubs aus Erfurt, Ilmenau und Arnstadt wollen die Ausbildung von 100 ehrenamtlichen Schlaganfallhelfern finanzieren. Im Arnstädter Rathaus fand die Auftaktveranstaltung statt.

Foto: Britt Mandler

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

„Wenn man einen Herzinfarkt überlebt hat, macht man schon bald neue Pläne. Nach einem Schlaganfall sieht das oft anders aus.“ Udo Feldheim weiß, wovon er redet. Der Ansbacher ist Neurologe, hat beruflich viel mit Schlaganfallpatienten zu tun und weiß, wie schwer es für sie ist, sich zurück ins Leben zu kämpfen. Rund 250.000 Menschen pro Jahr erleiden in der Bundesrepublik einen Schlaganfall. Viele von ihnen sind älter. „15 Prozent von ihnen sind aber jünger als 45“, so Feldheim.

Wird der Schlag rechtzeitig bemerkt, sind die Prognosen nicht schlecht. Es gibt spezialisierte Kliniken, auch mangelt es nicht an Reha- und Therapieangeboten. Doch irgendwann kommt der Punkt, an dem die Intensivversorgung endet. Die Patienten kehren in ihr häusliches Umfeld zurück, müssen akzeptieren, dass sie motorisch, mitunter auch sprachlich beeinträchtigt sind. Dies führt oft zu Depressionen, den Weg in Selbsthilfegruppen finden die Betroffenen erst spät.

2016 widmete sich der Rotary Club Ansbach diesem Thema. er begann mit der Ausbildung ehrenamtlicher Schlaganfall-Helfer und warb kräftig für das Modell.

Bei den Rotary Clubs Ilmenau, Arnstadt und Erfurt-Gloriosa stießen die Bayern auf offene Ohren. Sie sahen sich zunächst die Erfolge an und luden am Freitagabend ins Arnstädter Rathaus ein, um ihrerseits den Startschuss für ein Schlaganfall-Helfer-Projekt zu geben. Die Helfer sollen weder Mediziner noch Therapeuten oder Pfleger ersetzen, betont Elmar Stegmeier von der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Viel wichtiger sei es, mit Betroffenen ins Gespräch zu kommen. Das können auch Laien ohne medizinische Vorbildung. Empathie ist wichtig und ein wenig Geduld, da mitunter die Kommunikation schwierig ist.

Einige Patienten wollen nur reden, auch einmal Fremde an dem teilhaben lassen, was sie durchmachen. Andere benötigen Unterstützung beim Ausfüllen von Formularen oder beim Beantworten von Post. Oder sie wünschen sich Begleitung bei einem Arzttermin. Mitunter springen die Helfer auch ein, wenn pflegende Angehörige verhindert sind – und schaffen ihnen so Freiräume, die die benötigen, um bei Kräften zu bleiben.

Gänzlich unvorbereitet stellen sich die Ehrenamtler ihren Aufgaben nicht. Die Rotarier haben Referenten gewonnen. Ärzte zum Beispiel vom Helios-Klinikum Erfurt oder den Ilm-Kreis-Kliniken. Aber auch einen Notar, eine Anwältin, eine Logopädin. Rund 40 Stunden lang dauert die abwechslungsreiche, spannende Ausbildung.

Die Rotarier wissen dabei die Malteser als Partner an ihrer Seite, betont Thomas Weihrauch, Präsident der Rotarier in Ilmenau. Sie werden die Einsätze der Schlaganfall-Helfer koordinieren. Bedarf ist da. Im Ilm-Kreis und in Erfurt erleiden jährlich rund 1200 Menschen einen Schlaganfall. In den nächsten zwei Jahren sollen 70 bis 100 ehrenamtliche Helfer ausgebildet werden. Über das Projekt wird in drei Veranstaltungen in Erfurt, Arnstadt und Ilmenau informiert. Sobald es genügend Interessenten gibt, startet der erste Kurs – an einem Ort, der für alle Beteiligten möglichst unkompliziert zu erreichen ist.

Die Informationsveranstaltungen finden am 16. Januar um 18 Uhr im Rathaus in Arnstadt, am 17. Januar um 18 Uhr im Curie-Hörsaal in Ilmenau und am 30. Januar um 18 Uhr im Rathaussaal in Erfurt statt.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren