Zwei Bücherfrauen bringen Arnstädtern Lese-Nachschub ins Haus

Arnstadt  Ute Wall und Beate Schnärz radeln mit Literatur zu älteren und kranken Arnstädtern. Diesen Service gibt es fast 30 Jahre

Ute Wall (links) und Beate Schnärz vom Bücherbringedienst.

Ute Wall (links) und Beate Schnärz vom Bücherbringedienst.

Foto: Andrea Feldt

Wenn sich Ute Wall und Beate Schnärz die Rad-Taschen vollpacken, dann werden sie schon erwartet. Sie bringen Lese-Nachschub zu Menschen, die sich nicht selbst auf den Weg in die Arnstädter Bibliothek machen können. Bereits seit fast 30 Jahren bietet die Einrichtung als besonderen Service den sozialen Hausdienst an.

Diplom-Bibliothekarin Ute Wall rief damals diesen Dienst ins Leben und betreut dieses Aufgabengebiet von Anfang an persönlich. „Wir hatten damals noch eine Zweigbibliothek in der Pfortenstraße. Als diese aufgelöst wurde, stand die Frage, wie es einige unserer Leser in den Prinzenhof schaffen sollen“, erinnert sich Ute Wall. Dabei ging es nicht nur um den Weg dorthin, sondern auch um die vielen Stufen im Haus. Das hat bis heute keinen Aufzug. Die damalige Chefin Ursula Ullrich unterstützte den Vorschlag, diesen Bringe-Service einzuführen.

Ihn nutzen vor allem ältere oder kranke Menschen. Anfangs waren es drei bis vier eingeschriebene Leser, die den monatlichen Bücherservice in Anspruch nahmen. Doch in den letzten Jahren ist der Bedarf so gestiegen, dass Ute Wall das Pensum neben ihren vielen anderen Arbeitsaufgaben nicht mehr alleine schaffen konnte. „Deshalb habe ich nach einer geeigneten, vertrauenswürdigen Person zur Unterstützung für diese sensible Aufgabe, gesucht,“ berichtet die erfahrene Mitarbeiterin. Seit einigen Monaten übernimmt Beate Schnärz einige Termine. Die Chemie stimmt und die Kunden haben diese Veränderung gut angenommen, freut sich Ute Wall. Sie stellt nach wie vor die Medien in der Bibliothek zusammen, Beate Schnärz übernimmt den Bringedienst zu den eifrigsten Nutzern des Hausdienstes. Wobei es vor allem Frauen sind, die auf Lese-Nachschub warten.

Berufliche Erfahrung hilft bei der Auswahl

Regelmäßig, alle vier bis sechs Wochen, bringt eine der beiden Bücherfrauen zum vereinbarten Termin mit ihrem Fahrrad und prall gefüllten Büchertaschen die gezielt zusammengestellte Lektüre ins Haus. Durch den über Jahre gewachsenen persönlichen Kontakt weiß die Bibliothekarin genau, was jeder mag. Berufliche Erfahrung und gute Titelkenntnis tun das Übrige. Einige Hausdienstnutzer schicken vor dem vereinbarten Besuchstermin sogar eine persönliche Wunschliste, die Ute Wall dann als Grundlage für ihre Medienauswahl nutzt. Am häufigsten wird Belletristik verlangt, aber auch Fachbücher, Kinderbücher, Gedichte und Hörbücher. Eine Arnstädterin mag aktuelle Gegenwartsliteratur, eine andere Historisches und Krimis, eine weitere Psychothriller, Reiseberichte und Autobiografien. Fachbücher über verschiedene Maltechniken und Computerzeitschriften werden gleich von mehreren Hausdienstkunden gewünscht. „Die Interessen sind wirklich sehr vielseitig und individuell“, betont Ute Wall.

Wenn eine der Bücherfrauen ins Haus kommt, fallen neben dem Büchertausch meist auch ein paar Minuten für ein persönliches Gespräch über die Lektüre, neue Bücherwünsche und auch Persönliches an.

Im Laufe der Jahre wurden auf diese Weise sicher schon 20 000 Medien hin und her transportiert, schätzt Ute Wall. „Sie sind für mich ein Fenster zur Welt“ habe einmal ein Leser zu ihr gesagt. Ein schöneres Lob kann es eigentlich nicht geben.

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