Allee historischer Kirschbäume bei Kutzleben halbiert

Kutzleben (Unstrut-Hainich-Kreis). Privatmann bot Gemeinde Baumschnitt an und zersägte die Kronen. Das Ordnungsamt stoppte die unsachgemäßen Arbeiten.

Zwischen den Feldern der Kutzleben GbR wurden 70 Jahre alte Kirschbäume teilweise bis auf den Stumpf abgesägt. Foto: Jens König

Zwischen den Feldern der Kutzleben GbR wurden 70 Jahre alte Kirschbäume teilweise bis auf den Stumpf abgesägt. Foto: Jens König

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Gesunde Äste abgesägt, morsche Zweige am Stamm belassen, das restliche Holz zwischen den Bäumen aufgeschichtet - etwa die Hälfte einer einst stolzen Kirschbaumallee bei Kutzleben besteht nur noch aus Stümpfen. Ein Privatmann bot der Gemeinde den Baumschnitt an und ging wenig sachgemäß vor. Die Bäume sollen bis zu 70 Jahre alt sein - ein stattliches Alter für Kirschen.

Allee befindet sich an Kreisgrenze

"Vor Weihnachten erhielt ich in meiner Sprechstunde die Anfrage eines Privatmannes aus dem Greußener Raum, ob er die Bäume fachmännisch beschneiden dürfe", berichtet Kutzlebens Bürgermeister Karsten Schmidt.

Nach Prüfung, ob sich das Land in Gemeindeeigentum befindet, habe er einen Vertrag zur Pflege der Allee abgeschlossen. "Ich sah keinen Grund, weshalb nicht", ergänzt Karsten Schmidt.

Ende Januar begannen die Arbeiten in der Allee. Wenig später informierte Henrik Imholze von der Kutzleben GbR die Gemeinde über den Zustand der Allee. Der Streifen mit etwa 50 Bäumen befindet sich zwischen zwei Feldern des Landwirtschaftsunternehmens, an der Grenze zum Kyffhäuserkreis.

"Kein Gärtner und kein Baumpfleger arbeitet so", sagt Henrik Imholze. Kopfschüttelnd läuft er zwischen den Bäumen hindurch. Viele wurden praktisch halbiert. Die Allee musste zurückgeschnitten werden, sagt er. Ab und an habe man dies auch selbst ausgeführt, um mit Arbeitsgeräten passieren zu können. Daher habe er das Angebot zunächst begrüßt.

Aber der radikale Rückschnitt gehe zu weit. "Ich vermute, hier wollte jemand günstig an Brennholz kommen", sagt Henrik Imholze.

Nachdem der Vorfall bekannt wurde, sei sofort ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes vor Ort gewesen und habe sich ein Bild von der Lage gemacht, sagt Karsten Schmidt. "Nach Rücksprache mit einem Gärtner wurde festgestellt, dass hier tatsächlich nicht fachmännisch beschnitten wurde. Deshalb wurde sofort ein Verbot ausgesprochen", sagt er.

Der konsultierte Gärtner sagt im TA-Gespräch: "Es ist davon auszugehen, dass die Bäume von der Behandlung Schaden genommen haben. Eine weiterführende Pflege wäre nötig. Eventuell wäre eine Neupflanzung sinnvoller."

Umweltbehörde weist Zuständigkeit von sich

Neben der unsachgemäßen Beschneidung stört sich Henrik Imholze an dem fehlenden Echo seitens der Behörden. "Ich will niemanden in die Pfanne hauen, aber dass sich nun niemand mehr um den weiteren Gang der Dinge kümmert, ärgert mich sehr", sagt er.

Karsten Schmidt will den Vertrag mit dem Greußener Privatmann kündigen. Ob sich für den vermeintlichen Baumpfleger Konsequenzen ergeben und er mit Sanktionen zu rechnen hat, ist offen. Der Vorgang werde von den Behörden bearbeitet.

Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises verweist auf die Zuständigkeit der Gemeinde. Der Rückschnitt der bäume habe keiner Genehmigung seitens des Amtes bedurft.