Zur Landtagswahl am Sonntag treten 18 Parteien an. Die im Thüringer Landtag und bundesweit in den Parlamenten vertretenen Gruppen ziehen dabei die meiste Aufmerksamkeit auf sich – und die meisten Wählerstimmen. Ein Blick auf jene Parteien, die am Wahlabend in dem Balken „Sonstige“ summiert werden, zeigt, dass auch diese Kleinparteien Vertreter in ganz Thüringen haben. Wir sprachen mit den Landeslistenbewerbern aus dem Unstrut-Hainich-Kreis.

In Bad Langensalza wohnt mit Kurt Ehegötz ein Spitzenkandidat der Kommunistischen Partei Deutschlands. Er tritt auf Platz 2 der KPD-Landesliste an. In der Bundesrepublik wurde die KPD 1956 verboten. Die 1990 in der DDR gegründete KPD ist von diesem Verbot nicht betroffen, kann also zur Landtagswahl antreten.
Den einfachen Bürger mitbestimmen lassen
Mit 86 Jahren ist Kurt Ehegötz der älteste Kandidat dieser Landtagswahl. Im Gespräch mit dieser Zeitung (Ausgabe vom 23. Oktober) sagte der Pensionär, dass er am System rütteln wolle. Seine Motivation beschrieb er so: „Das Volk ist unzufrieden. Die Arbeiterklasse ist erfolgreich manipuliert und hält still oder läuft den Falschen hinterher.“ Dass er in den Landtag kommt, daran glaube er nicht. 2014 erhielt die KPD im Wahlkreis 9 rund um Bad Langensalza 41 Stimmen.
Für die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) tritt unter anderem Peter Schneider an, der in Körner, Ortsteil Volkenroda, lebt. Der 58-Jährige ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern. Die ÖDP steht ihm zufolge für die Entwicklung eines neuen Wohlstandsmodells. Es brauche Änderungen im Wirtschaftssystem, nach der Devise „weniger ist mehr“. Damit wolle man auf Änderungen am Arbeitsmarkt – Stichwort Digitalisierung – und den Klimawandel reagieren.

Thüringen habe hervorragende Voraussetzungen für ein solches Wirtschaftsmodell, denn dieses beinhalte auch den Umbau und den Erhalt der Landwirtschaft mit mehr regionaler Vermarktung, so der promovierte Volkswirt. Er ordnet die ÖDP, die ihren Ursprung als Ausgliederung der CDU hat, als Partei der Mitte ein. „Wir sind eine Konzeptpartei und wollen mit den Menschen ins Gespräch kommen. Jede Stimme ist Aufmerksamkeit für unser Konzept, daher haben wir schon gewonnen“, sagt Peter Schneider.
Der Mühlhäuser Michael Schröter (53) steht auf der neun Namen umfassenden Landesliste für die noch junge Partei „Die Direkte“. Abgesehen von den Aufgaben eines Kreiselternsprechers für die Grundschulen ist es das erste politische Engagement des Pädagogen. Auf seine Partei ist er durch Zufall gestoßen – bei einer Internetrecherche im Frühjahr. „Schon immer sind gute politische Ideen aus der Studentenschaft gekommen, warum sollte das in diesem Fall anders sein?“, fragt er. Direkte Demokratie, Mitbestimmung durchzusetzen, das ist Hauptanliegen seiner Partei. Per App sollen die Menschen darüber abstimmen, wie sich ihr Landtagsmitglied bei Abstimmungen verhalten soll, sie sollen selbst Vorstellungen und Wünsche einbringen. Die Gefahr, von Strömungen und politischen Extremen missbraucht zu werden, sieht er nicht. „Wir springen nicht auf jeden fahrenden Zug. Aber die derzeitige Politik geht zu großen Teilen an der Wirklichkeit der Menschen vorbei“, meint Schröter. Man wolle „dem Sachverstand der Bürger“ eine Plattform geben. „Wir sammeln Vorschläge, die uns weiterbringen und vertrauen auf den gesunden Menschenverstand“.
Die Menschen bei politischen Entscheidungen mitzunehmen, das sorge für Wertschätzung und auch für mehr Zufriedenheit im Land. „Die meisten von uns hatten 30 wunderbare Jahre seit 1989. Trotzdem ist die Frustration derzeit groß“, meint Michael Schröter. Dem wolle „Die Direkte“ entgegenwirken.
Claudia Bachmann


