Von flinken Wildkatzen und einem spannenden Dorf-Derby

Rennsteig  Ein Dutzend Mannschaften aus dem Unstrut-Hainich-Kreis überquert im Laufschritt den Rennsteig von Hörschel bis nach Blankenstein. Was da alles passieren kann!

Chris Breitbarth hält seinen Teamkollegen Tobias Vogt. Der fischt vor dem Start in Hörschel einen Stein aus der Werra, der über 168 Kilometer getragen und anschließend im Ziel in die Selbitz geworfen wird. Foto: Heidi Zengerling

Chris Breitbarth hält seinen Teamkollegen Tobias Vogt. Der fischt vor dem Start in Hörschel einen Stein aus der Werra, der über 168 Kilometer getragen und anschließend im Ziel in die Selbitz geworfen wird. Foto: Heidi Zengerling

Foto: Heidi Zengerling

Nicht einmal zehn Stunden vor dem Start am Samstagmorgen um 6 in Hörschel an der Werra liegen bei Dominique Sellmann die Nerven blank. Für den Mann aus Lengefeld und sein Team der Hainich-Wildkatzen gilt es, Ersatz zu beschaffen. Nicht für irgendwann, sondern für die nächsten zwölf Stunden. Wer ist fit und kann am Morgen auch noch eine etwa 15 Kilometer lange Strecke auf dem Rennsteig rennen als Teilnehmer des Rennsteig-Staffellaufes.

Sellmann lässt sich zur Aussage hinreißen: besser Krücke als Lücke. Soll heißen: besser einen langsamen Läufer als gar keinen. Denn dann wäre die aus zehn Mann bestehende Staffel über 168 Kilometer von Hörschel nach Blankenstein – und damit erstmals von West nach Ost – geplatzt. Es gelang. Der zehnte Läufer wurde gefunden, und die Hainich-Wildkatzen mit Sascha Rudolph aus Ammern, Hagen Selle aus Lengefeld und Eric Breitbarth aus Kaisershagen wurden in einer Zeit von nur wenig unter zwölf Stunden Sechster unter den 220 gestarteten Mannschaften.

Sich an den Angstschweiß des Vorabends erinnernd, versprach Sellmann, der sich beim Fußball verletzt hatte und nicht mitlaufen konnte, dem aktiven Kicken Goodbye zu sagen und seiner Laufmannschaft zu dienen.

Diener war er auch am Samstag – als Fahrer und als Hilfe-Leister für eine andere Staffel, in der es bei einem Starter Kreislaufprobleme gegeben hatte.

Auf dem Rennsteig ist es das Team, das zählt. So stellte sich Max Hoyer aus Bad Langensalza ganz in den Dienst seiner Mannschaft „Fatfighters“. Dem Läufer fast jeden Wunsch zu erfüllen, das war die Aufgabe des Studenten, der in den vergangenen Monaten verletzungsbedingt erst schwer auf Touren kam. Sascha Hofmann, der in diesem Jahr erstmals im Mai den Supermarathon über 72 Kilometer beim Rennsteiglauf bewältigt hatte, wusste dies ebenso zu genießen wie Sören Möller.

Hofmann hatte die Königs-Etappe gewählt, die von der Hohen Sonne bei Eisenach zum Inselsberg. Er wollte der Hitze entgehen. „Eigentlich ist mir alles über fünf Grad zu warm“, plauderte er vor seinem Start an der Hohen Sonne.

Nicht jeder wusste, was ihn auf dem Rennsteig erwartete. Mancher, der über die heimischen Wälder nicht hinausgekommen war, staunte über die Anstiege, die auf dem Höhenweg des Thüringer Waldes zu bewältigen waren.

Für andere ging es um eine regionale Rivalität. Zwischen Lengenfeld und Faulungen zum Beispiel. Ein Dauerduell, das diesmal an Faulungen ging. „Wir fühlen uns wie die Könige vom Rennsteig“, strahlte Tobias Kaufhold. Er hatte als Schlussläufer noch Lengenfelds René Hahn überholt.

Darüber hinaus brachten auch die Gemeinde Südeichsfeld, Beberstedt, verschiedene Mühlhäuser Teams sowie die Heyeröder Hainichläufer Staffeln an den Start – insgesamt ein Dutzend.

Die Heyeröder – neun Männer und eine Frau – waren zum dritten Mal nacheinander dabei. Clarissa Gutmann durfte die Staffel als 55. Männerteam ins Ziel in Blankenstein laufen. Chris Breitbarth war 2016 mit zwei weiteren Läufern sowie einem Radbegleiter für das Team Südeichsfeld an den Start gegangen. „Weil der Laufsport in Heyerode immer populärer wird, kamen Tobias Vogt und ich auf die Idee, eine eigene Ortsstaffel aufzustellen.“ Es gelang. Die meisten der Heyeröder Läufer kommen aus dem Mannschaftssport und sind so mit Teamwettkämpfen vertraut. Einige der Läufer halten sich durch Fußballtraining fit. Andere wie Tobias Vogt und Chris Breitbarth sind in der Vergangenheit schon Marathon sowie Supermarathon auf dem Rennsteig gelaufen, Manuel Peterseim bestritt 2018 in Roth einen Ironman, die Triathlon-Langdistanz. Ziel der Heyeröder war es, Samstagabend um 21 Uhr in Blankenstein zu sein. Trotz zweier Radpannen rannte um 20:58:43 Uhr Clarissa Gutmann, die zum ersten Mal beim Staffellauf dabei war, als zehnte Heyeröder Staffelteilnehmerin ins Ziel.

Fahrradbegleiter haben einen enormen Anteil am Erfolg der Staffel. Sie sind nicht nur für die Verpflegung während des Laufs zuständig, sondern helfen auch beim Orientieren. Die Heyeröder Radbegleiter zum Beispiel kennen den Rennsteig mittlerweile so gut, dass sie den Läufern sogar den kommenden Untergrund oder eine anstehende Steigung ansagen können. Außerdem motivieren sie den Läufer. „Die Leistung, die unsere Radbegleiter an diesem Tag abrufen, ist ebenso herausragend wie die der Läufer“, erklärt Chris Breitbarth.

Ein ganz besonderer Moment ist der gemeinsame Zieleinlauf möglichst vieler Teilnehmer einer Staffel in Blankenstein. Wer es irgendwie möglich machen konnte, der war auch in diesem Jahr vor Ort, um gemeinsam mit allen Teamläufern die Ziellinie zu überqueren und anschließend traditionell den Kieselstein aus der Werra, der 168 Kilometer über den Rennsteig befördert wurde, der Selbitz zu übergeben. Die Strapazen waren noch zu spüren, da füllten die Team-Kapitäne bereits wieder den 220 Euro teuren Startzettel fürs nächste Jahr aus. Das war bei den Hainich-Wildkatzen nicht anders als bei den Heyeröder Hainichläufern.

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