Justiz

Bad Lobensteiner steht plötzlich als Betrüger da

Bad Lobenstein.  Ein Lenkrad-Verkauf im Internet bringt Familienvater überraschend in die Bredouille

Das Gericht entschied zu Gunsten des Angeklagten, das Strafverfahren einzustellen.

Das Gericht entschied zu Gunsten des Angeklagten, das Strafverfahren einzustellen.

Foto: Symbolfoto

Auf keinen Fall einen Eintrag im Bundeszentralregister zu bekommen, das ist dem 39-jährigen Familienvater aus Bad Lobenstein das wichtigste Anliegen. Weshalb er sich überhaupt als Angeklagter vor dem Amtsgericht in Bad Lobenstein wiederfand, diese Frage wird sich nicht mehr vollständig beantworten lassen.

Die Anklage der Staatsanwaltschaft lautet auf Betrug. Und zwar soll der Mann im November vor einem Jahr übers Internet ein Auto-Lenkrad zum Verkauf angeboten haben, für das ein Interessent die geforderten 65 Euro bezahlte. Laut Anklageschrift aber habe er das Lenkrad nie bekommen. Die Ermittlungsarbeit der Polizei bekam durch den zunächst nur Beschuldigten keine Unterstützung und schon ging der Fall an die Staatsanwaltschaft.

„Ich habe niemanden betrogen, niemanden geschädigt und mir niemals etwas zu Schulden kommen lassen“, sind die ersten Worte, mit denen sich der Angeklagte an das Gericht wendet. Dann erläutert er den Sachverhalt. Demnach hatte ihn die Kaufanfrage für das Lenkrad erreicht und nachdem über einen Zahlungsdienst im Internet auch die geforderten 65 Euro eingegangen waren, habe er das Lenkrad verpackt und abgeschickt. Der Käufer allerdings hat einen anderen Namen als jener, von dem das Geld kam. Aber der Käufer habe den Bad Lobensteiner zuvor darüber informiert, dass ein anderer das Geld überweisen werde, wird dem Gericht geschildert.

Einen Schriftwechsel, um seine Aussagen belegen zu können, hat der Angeklagte nicht mehr. Er habe solche Verkäufe übers Internet schon öfter getätigt und bisher nie Schwierigkeiten gehabt. Vielleicht sollte man entsprechende Belege doch länger aufheben, lautet seine Schlussfolgerung.

Die Staatsanwältin wirft ein, dass der Angeklagte längst zur Aufhellung hätte beitragen können. „Es gab doch bestimmt von der Polizei eine Vorladung zur Beschuldigtenvernehmung“, sagt die Staatsanwältin. Dass das „möglicherweise im Berufsstress untergegangen“ sein könnte, ärgert sich der Angeklagte.

Käufer und Geldüberweiser, der seine Anzeige bei der Polizei online erstattet hatte, waren nun nicht erst als Zeugen geladen worden. Das Gericht hat keinen Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Angeklagten und stellt das Verfahren mit Einverständnis der Staatsanwaltschaft ein.