Aus dem Gerichtssaal

Hass gegen die einst ziemlich beste Freundin

Bad Lobenstein.  Beleidigung und Betrug lautete der Tatvorwurf gegen eine 20-Jährige. Sie selbst hat es nun in der Hand, einen Arrest zu vermeiden.

Mit einem milden Spruch wird einer 20-jährigen Angeklagten die Chance zur Wiedergutmachung gegeben.

Mit einem milden Spruch wird einer 20-jährigen Angeklagten die Chance zur Wiedergutmachung gegeben.

Foto: Volker Speckenwirth / FUNKE Foto Services

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Sie sollen mal ziemlich beste Freundinnen gewesen sein. Am Montag sahen sich eine 20-jährige Frau aus Zeulenroda-Triebes und eine 18-jährige Frau aus Unterlemnitz im Gerichtssaal in Bad Lobenstein wieder. Geheimnisse werden längst nicht mehr miteinander geteilt.

Spätestens seit Dezember vorigen Jahres ist die Freundschaftsbande zwischen den beiden Frauen zerrissen. Die ältere musste auf der Anklagebank Platz nehmen, die jüngere erschien im Zeugenstand. Es geht um den Tatbestand der Beleidigung. Per Kurznachrichten auf dem Smartphone musste die Zeugin Schimpfworte über sich ergehen lassen, von denen „Miststück“ noch eines der harmloseren gewesen ist. Sie werde noch „auf die Fresse bekommen“, teilte die Angeklagte der Unterlemnitzerin schriftlich mit. Den Kraftausdrücken folgten nun vor Gericht zaghafte Erklärungsversuche.

Plötzlich war die Freundschaft pfutsch

„Wir waren mal beste Freundinnen“, sagte die Angeklagte. Gemeinsam sei im Krankenhaus der Bundesfreiwilligendienst geleistet worden. Dann habe es einen Lehrgang gegeben, an dem die Angeklagte nicht teilgenommen habe. Und plötzlich habe sich die Freundschaft aufgelöst. „Es gingen Beleidigungen hin und her“, behauptete die Angeklagte. Wer damit angefangen habe, wollte die Staatsanwältin wissen. „Das kann ich gar nicht sagen“, lautetet die Antwort der Angeklagten. Inzwischen habe sie jedenfalls mehrfach versucht, sich bei der Unterlemnitzerin zu entschuldigen. Aber es sei keinerlei Reaktion gekommen.

Die als Zeugin geladene Unterlemnitzerin bestätigte, keinen Kontakt mehr mit der Angeklagten haben zu wollen. Von ihrer Seite aus habe es jedenfalls keine Beleidigungen gegeben. „Ich habe wirklich überreagiert“, sprach die Angeklagte ihre ehemaligen Freundin persönlich an und bat um Verzeihung.

Smartphone-Käufer geht leer aus

Es gab aber noch einen weiteren Tatvorwurf gegen die Angeklagte: Betrug! Übers Internet hatte sie ein „teildefektes“ Smartphone zum Verkauf angeboten. Ein Interessent hatte die geforderten 51,50 Euro überwiesen, das Telefon jedoch nicht bekommen. Zwischenzeitlich sei noch mehr an dem Smartphone kaputtgegangen, weshalb sie es gar nicht mehr verkaufen wollte, lautete hierzu die Erklärung. Als der Käufer sein Geld über eine Bezahlplattform im Internet zurückholen wollte, schlug das System Alarm. Denn das Konto der Angeklagten war leer. Und angesichts von 20.000 Euro Schulden, die die 20-Jährige infolge eines „Kaufzwangs“ bereits angehäuft hat, waren die 51,50 Euro nicht so leicht zu überweisen.

„Was soll ich mit Ihnen machen?“, seufzte der Richter. Arbeitsstunden abzuleisten kam angesichts der Schwangerschaft der Angeklagten, die bislang nie straffällig gewesen war, nicht in Betracht. So folgte in Absprache mit der Staatsanwaltschaft der Beschluss zur vorläufigen Einstellung des Verfahrens. Wenn bis zum Jahresende die 51,50 Euro an den geprellten Smartphone-Käufer überwiesen werden, wird unter die Angelegenheit ein Schlussstrich gezogen. „Wenn nicht gezahlt wird, droht Arrest“, mahnte der Richter, die Sache ernst zu nehmen.

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