Mödlareuth erinnert an Grenzöffnung vor 30 Jahren

Mödlareuth.  Am 9. Dezember 1989 konnten erstmals wieder Menschen gefahrlos den Tannbach inmitten des Dorfes überqueren

Das Deutsch-Deutsche Museum in Mödlareuth erinnert an die Teilung Deutschlands.

Das Deutsch-Deutsche Museum in Mödlareuth erinnert an die Teilung Deutschlands.

Foto: Peter Hagen

Am 9. Dezember 1989 öffnete in Mödlareuth ein Grenzübergang für Fußgänger. Erstmals seit dem Bau der Mauer war es den Menschen aus Ost und West möglich, auf kürzestem Weg und gefahrlos den Tannbach zu überqueren. Daran wird am Montagabend mit einer Gedenkveranstaltung erinnert.

Aus drei Himmelsrichtungen – aus Thüringen, Sachsen und Bayern – ziehen Fackelträger in einer Sternwanderung an den Tannbach, der seit dem 16. Jahrhundert geografisch einen Grenzverlauf markiert – damals zwischen dem Markgraftum Bayreuth und der Grafschaft Reuß-Schleiz. Im 19. Jahrhundert wurde daraus die Grenzmarkierung zwischen dem Königreich Bayern und dem Fürstentum Reuß jüngere Linie. Doch für das Leben der Menschen sollte diese Grenze erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs einschneidende Folgen haben.

Mit der Gründung der DDR verschärfte sich das Grenzregime. Im Ostteil des Dorfes Mödlareuth wurden Menschen zwangsausgesiedelt, eine unüberwindbare Betonmauer trennte an diesem Ort nicht nur zwei verschiedene Weltsysteme, sondern auch Familien und Nachbarn. Als Tag, „an dem Mödlareuth wieder eins geworden ist“, bezeichnet der Hofer Landrat Oliver Bär (CSU) zur Gedenkveranstaltung den 9. Dezember 1989. Und er dankt ausdrücklich allen Einwohnern von Mödlareuth dafür, dass sie einerseits den dörflichen Charakter ihres Ortes bewahren, andererseits sich aber auch dafür verantwortlich fühlen, dass Geschichte bewahrt wird.

Ein Ort mit ewigem Symbolcharakter

Bär verweist auf den Symbolcharakter, den Mödlareuth schon immer habe: bis 1989 als Symbol für ein totalitäres Regime, das Menschen einsperrt, und heute als ein Symbol für die Überwindung der Teilung Deutschlands. „Es ist nicht zwingend selbstverständlich gewesen, dass im Moment des Jubels nicht alle Mauern plattgemacht worden sind“, äußert sich Bär anerkennend über die Bereitschaft der Dorfbewohner, das in ihrem Ort das Deutsch-Deutsche Museum entstehen konnte. „Das Dorf ist Museum und das Museum ist Dorf – das ist etwas ganz Besonderes“, so Bär.

Als Töpener Bürgermeister im Herbst 1989 für den Westteil von Mödlareuth zuständig war Arnold Friedrich, der ebenfalls zu dieser Gedenkveranstaltung gekommen ist. Im Fernsehen hatte er am späten Abend des 9. November 1989 verfolgt, wie plötzlich Menschen auf der Berliner Mauer saßen und feierten. „Ich traute meinen Augen kaum und fuhr sofort los nach Mödlareuth“, berichtet er. Denn er vermutete, ähnliche Bilder von feiernden Menschen vorzufinden. Doch weit gefehlt: „Totenstille. Kein Mensch auf der Straße. Die Grenzsperranlagen hell erleuchtet.“ Es sollte noch einen ganzen Monat dauern.

Aus eigenem Erleben kann Arnold Friedrich schildern, wie groß die Bemühungen gewesen sind, einen Grenzübergang für den Ort zu bekommen. Es gibt einen Film, der die Ereignisse des 9. Dezember 1989 festgehalten hat. „Selbst heute noch, wenn ich diesen Film sehe, kommen mir an einer Stelle die Tränen“, beschreibt Friedrich den für ihn bewegenden Moment. „Ich bin so froh, dass dieser Tag damals Wirklichkeit geworden ist“, sagt Friedrich, „die Wiedervereinigung in ganz Deutschland hat am schnellsten in Mödlareuth funktioniert. Wir waren sofort eine Dorfgemeinschaft.“

Nach der Dankandacht durch die Pfarrer Thomas Persitzky aus Hof, Toralf Hopf aus Gefell und Sabine Stepper aus Mißlareuth spielt die Schalmeienkapelle Bernsgrün auf und marschiert mit den Besuchern über den Tannbach – genauso, wie vor 30 Jahren.