Literatur

Vor dem „Schneetänzer“ nach Kanada gereist

Liebengrün.  Antje Babendererde aus Liebengrün ist für ihre Bücher viel in der Welt unterwegs

Die in Liebengrün beheimatete Autorin Antje Babendererde ist mit ihrem „Schneetänzer“ gerade auf Lesereise. Ihr nächstes Buch wird übrigens in Schottland spielen.

Die in Liebengrün beheimatete Autorin Antje Babendererde ist mit ihrem „Schneetänzer“ gerade auf Lesereise. Ihr nächstes Buch wird übrigens in Schottland spielen.

Foto: Roland Barwinsky

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Antje Babendererde hatte erwartungsgemäß nur ganz wenig Zeit für das Gespräch. Die im beschaulichen Liebengrün wohnende Autorin muss einfach schreiben. Und das selbstverständlich jeden Tag. Ihr Tagwerk beginnt sie zumeist gleich nach dem Aufstehen.

Seit Jahrzehnten beschäftigt sich die Thüringerin besonders mit Lebenswelten der Indianer. Und recherchiert dabei am allerliebsten vor Ort. Also im direkten Umfeld der amerikanischen Ureinwohner. Nach diesen prägenden Aufenthalten mit Tiefblick wuchsen unterschiedlichste Geschichten zunächst in ihrem Kopf heran. Daraus wurden mit Hilfe sorgsam ausgewählter Sätze feinsinnige Romane.

Ausreichend Wildnis gefunden

Mit ihrer jüngsten Veröffentlichung „Schneetänzer“ ist sie gerade auf Lesereise. Jacob, den Buchhelden, zieht es unerbittlich in den Norden Kanadas. In ein Refugium unendlicher Weite und voller Gefahren sowie bislang unbekannter Freiheiten. Mit all diesen Begleitumständen muss er erst lernen umzugehen. Dorthin gehört er aber. Zu seinem Vater und einem Dasein, welches für ihn eigentlich so fremd nicht ist. Vor allem ist der Heranwachsende erst einmal weit weg von seiner unmöglichen Mutter. Die ihn bislang immer nur an der Nase herumführte und vor allem seine Wurzel konsequent verleugnete.

„Vieles, was ich so aufschrieb, spukte bei mir schon lange im Kopf herum“, frohlockt die Verfasserin. Um aber ganz genau den Kontrast zwischen der Moderne und dem Altbewährten darzustellen, reiste sie vorab in die Regionen, welche in dem Jugendbuch durch die handelnden Figuren sinnstiftende Lebendigkeit bekommen. Wildnis fand sie ausreichend. Auch Konflikte, wie zwischen der Jagd und Massentierhaltung sollten im Buch thematisiert werden. Genauso die vielen Traumata, die bei Amerikas Ureinwohnern unbewältigt blieben. Deren Kinder wurden beispielsweise vor noch nicht allzu langer Zeit in spezielle Schulen verfrachtet. Da wartete nur Schlimmes auf sie. „So etwas sorgte für seelische Langzeit-Verwüstungen. Diese Erlebnisse mussten einfach mit hinein in die Handlung“, resümiert eine detailverliebte Literatin.

Plötzlich für Geschichte Schottlands interessiert

Auch die frischen, sich oftmals nach spontanen Geschehnissen entwickelnden Dialoge geben dem Lesestoff immer wieder neue Kraft, sorgen für geheimnisumwitterte Begleitumstände.„Die fand ich aber unerwartet bei der Vor-Ort-Recherche auch auf vielen Grabsteinen. Wie aus dem Nichts tauchten dort im hohen Norden Kanadas keltische Namen auf“, erklärt Antje Babendererde. Auf einmal begann sie sich resolut mit der Geschichte Schottlands zu beschäftigen. Aus dem Staunen kam sie nun so schnell nicht mehr heraus. Genug Inhalt für eine neues Werk klopfte urplötzlich an. Der ewige Konflikt zwischen Schottland und England sorgte einst für die Verelendung ganzer Regionen. Leute wurden durch miserable Begleitumstände brachial aus ihrer angestammten Heimat vertrieben. Diese Habenichtse landeten oft als Strandgut in der neuen Welt. Und schauten sich umgehend nach einen Platz im Irgendwo um. Um als überlebenserprobte Bauern, gewiefte Fischer, hartgesottene Jäger, nimmermüde Abenteurer weiterzumachen. Nicht wenige dieser männlichen Suchenden fanden direkt einen Weg in die Herzen von Indianerfrauen.

Lächeln über die „Indianerschriftstellerin“

„Dass alles ist so spannend, so rührend, so fesselnd. Flugs fuhr ich nun selbst zur Recherche in die Highlands“, sagt eine Schriftstellerin mit Draufsichten auf das nicht Alltägliche. Anschließend mussten die ganzen Eindrücke erfasst und zu einer spannungsbeladenen Story verdichtet werden. Dies alles passierte und passiert gerade an ihrem heimatlichen Schreibtisch. Neugier auf andere Kulturen sei schon immer Treibsand ihres Tuns gewesen. Beobachtungen an authentischen Tatorten liefern dazu explosives Dynamit. Nur durch das direkte Kennenlernen von menschlichen Prägungen, die in Landschaftsbilder voller magischer Symbolik eingebettet werden, reifen bei ihr die wirklich schwergewichtigen Inhalte. Bei dem Wort „Indianerschriftstellerin“ lächelt eine Mittfünfzigerin. Vielleicht ist diese Bezeichnung doch etwas zu klischeehaft. Sie muss nach Hause und verspricht zum Schluss: „Mein Geist ist immer und überall dabei.“ Nur dadurch entstünde so etwas wie authentische Glaubhaftigkeit plus pulsierende Lebendigkeit.

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