Zurück zu alten Strukturen in Untersuhler Werra-Aue

Gerstungen.  Ihren früheren natürlichen Zustand soll die Untersuhler Werraaue erhalten. Dafür wird von einem Baubetrieb gerade massenhaft Erde bewegt.

Jede Menge Erde wird bei der Renaturierung der Werraaue zwischen Berka/Werra und Untersuhl bewegt. Der Bach am Radweg verströmt streckenweise unangenehmen Geruch.

Jede Menge Erde wird bei der Renaturierung der Werraaue zwischen Berka/Werra und Untersuhl bewegt. Der Bach am Radweg verströmt streckenweise unangenehmen Geruch.

Foto: Jensen Zlotowicz

Der Kampfmittelräumdienst Taubert aus Erfurt ist in die Renaturierung der Werraaue bei Untersuhl eingebunden und sogar ein Archäologe. Was derzeit im Auftrag der Thüringer Fernwasserversorgung zwischen Untersuhl und Berka/Werra bewerkstelligt wird im sogenannten FFH- und Vogelschutzgebiet, das Lebensräume für Pflanzen und Tiere sichert, ist eine schlammige Angelegenheit und Folge aus dem Bau der Trinkwassertalsperre Leibis/Lichte im Thüringer Schiefergebirge. Die Renaturierung hier ist eine der Ausgleichs- und Ersatzprojekte für die Eingriffe in die Natur in Ostthüringen.

Die Fernwasserversorgung hat die Firma Strassing mit den Arbeiten zum Wasser- und Landschaftsbau beauftragt. Auf längeren Teilstücken der Bachläufe Rhedengraben und Weihe wird der Gewässerverlauf naturnah gestaltet und teilweise der alte Verlauf wiederhergestellt. Die beiden Bachläufe waren im Zuge der historischen Entwicklung mehrfach umgelegt und zum Teil begradigt worden, sodass sie sich von ihrem natürlichen Erscheinungsbild weitgehend entfernten. Anteil daran hatten auch die DDR-Grenzanlagen in diesem Areal. Deshalb ist der Kampfmittelräumdienst mit im Einsatz.

Regenwasserableitung aus Untersuhl wird umgebaut

Dass bei diesem Projekt insgesamt 1,6 Millionen Euro investiert werden, ist beim ersten Hinsehen nicht ersichtlich. Tatsächlich aber wird nicht nur für die neuen Verläufe der Bäche, sondern auch den Umbau einer Regenwasserleitung aus Untersuhl enorm viel Erde bewegt, abgebaggert und wieder eingebaut. Die Strukturvielfalt der Bäche Weihe und Rhädengraben soll erhöht werden. Beides sind Gewässer mit einer geringen Fließgeschwindigkeit. Es gibt zahlreiche Stillwasserstellen, in denen das stehende Wasser durch organisches Material einen üblen Geruch verströmt.

Die Wassergüte selbst wurde noch nicht untersucht, allerdings das Fischvorkommen. Das sei gut, sagt Ralf Katzschner vom beauftragten Planungsbüro für Gewässerbefischung aus Kassel. Vor allem Groppen habe man ausgemacht. Diese Fischart stellt eigentlich hohe Ansprüche an die Wasserqualität.

Im Zuge des Projektes sollen Entwicklungskorridore zur eigenständigen Gewässerentwicklung geschaffen werden. Die Etablierung naturnaher Ufervegetation steht ebenso auf der Zielplanung wie die Herstellung der Durchgängigkeit für Fische und Kleinlebewesen, Wanderhilfe für den Fischotter (Brücke L 1022) und die Schaffung von Amphibienlebensräumen (Tümpelfeld, Flutmulde). Wertvolle Biotopstrukturen („grünes Band“ und Nachbarbiotope) sollen vernetzt werden.

All das kommt auch der Gemeinde Gerstungen und dem Gewässerunterhaltungsverband Hörsel/Nesse zugute, die für die Herstellung und den Erhalt des guten ökologischen Zustandes an Gewässern zweiter Ordnung gemäß Wasserrahmenrichtlinie verantwortlich sind. Da zudem der geschützte Biber in diesem Überschwemmungsgebiet lebt, wurde eine ökologische Baubegleitung beauftragt, die die hohen Anforderungen an die Bauausführung überwacht. Im Februar soll das Projekt abgeschlossen sein.