Appell ans Land: Erfurts OB fordert Normalbetrieb in Kitas

Erfurt.  Mit einem offenen Brief wendet sich Stadtoberhaupt Andreas Bausewein an Thüringer Minister. Die Regeln für Kitas sollen schnell geändert werden.

Spielautos und andere Gefährte sollen bald wieder durch die Freigelände der Kindertagesstätten rollen – wenn es nach den Verantwortlichen der Stadt geht.

Spielautos und andere Gefährte sollen bald wieder durch die Freigelände der Kindertagesstätten rollen – wenn es nach den Verantwortlichen der Stadt geht.

Foto: Christoph Soeder / dpa

In einem offenen Brief an die Landessozialministerin Heike Werner und Bildungsminister Helmut Holter (beide Linke) fordert Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) eine schnelle Änderung der Voraussetzungen für den Wiederbetrieb von Kindertagesstätten. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

„Wir müssen ganz schnell wieder zum Regelbetrieb übergehen“, sagte Bausewein gegenüber unserer Zeitung. Das Infektionsgeschehen in der Stadt rechtfertige nicht mehr, dass nur eine „erweiterte Notbetreuung“ angeboten werde. Laut bisherigen Plänen und Vorgaben des Landes sollten die Kindergärten bis Mitte Juni den erweiterten Regelbetrieb aufnehmen. Kern der Verordnung ist eine streng festgelegte Quadratmeterzahl pro Kind.

Weiterer „Notbetrieb“ sei Eltern und Kindern nicht zuzumuten

Das sorge dafür, so Erfurts Oberbürgermeister, das die meisten Kindergärten zweiwöchige Rhythmen bei der Betreuung erwägen. Das wiederum sei den Kindern und den Eltern nicht zuzumuten. „Wenn wir nicht wollen, dass wir die Wirtschaft abwürgen, muss das Land jetzt nachjustieren.“ Der Unmut über die Regelungen, die das Land den Kommunen und somit den einzelnen Einrichtungen vorgegeben hatte, wachse von Tag zu Tag deutlich. So habe sich Bausewein in Abstimmung mit seiner Sozialdezernentin Anke Hofmann-Domke entschlossen, an das Land zu appellieren, die Vorgaben – und dabei vor allem die Flächenregelung pro Kind – zu ändern.

Ab Juni sollten alle Kinder wieder in ihre Kindergärten gehen können

Bausewein fordert, dass schnell – also in einer bis anderthalb Wochen – die Kinder wieder in die Einrichtungen gehen können müssten. Die Hygienerichtlinien müssten etwa durch strikte Trennung der Gruppen und viel Betreuung unter freiem Himmel eingehalten werden. In anderen Bundesländern seien bereits offensichtlich praktikable Varianten gestartet worden.

In den vergangenen Tagen seien aus den Kindergärten viele Rückmeldungen gekommen, so die Sozialdezernentin, dass die Landesvorgaben nicht umzusetzen seien. Viele Einrichtungen seien baulich mit großen Gemeinschaftsräumen statt kleiner Gruppenräume auch nicht in der Lage, die geforderten Kleingruppen unterzubringen. Auch wo altersübergreifende Konzepte umgesetzt sind, seien die aktuell noch geltenden Regelungen nicht umsetzbar, so Anke Hofmann-Domke.

Helden des Alltags fallen hinten runter

Eine großes Problem stelle auch die Beendigung der sogenannten Notbetreuung durch den Eintritt in den eingeschränkten Betrieb dar. „Die, die wir zuletzt für ihren Einsatz gefeiert haben, fallen dann hinten runter“, sagt Bausewein. Krankenschwestern, Ärzte oder auch Busfahrer. Sie stünden unter Umständen und je nach dem Konzept der Kita vor der Aufgabe, sich für die jeweils zweite Woche um eine Betreuung der Kinder kümmern zu müssen. „Dass dann doch die Großeltern gefragt werden, das kann doch niemand wollen“, sagt Andreas Bausewein.

Noch am gestrigen Nachmittag bekamen Bausewein und Hofmann-Domke Rückendeckung aus dem Stadtrat. Der Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses und stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD-Fraktion, Denny Möller, sagte: „Nicht jeder Standort ist in seinen Bedingungen gleich, deshalb braucht es nun einfach auch etwas Zeit, die Einrichtungen auf den Neustart vorzubereiten. Für uns ist der Plan jedoch klar. Ab dem 2. Juni können alle Kinder wieder betreut werden.“

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