Ein intrigantes Kätzchen, ein selbstverliebter Gockel, drei verliebte Hühner und mittendrin ein in sich selbst ruhender Waldschrat – das sind im wesentlichen die handelnden Akteure des herrlich witzigen Stückes „Pettersson und Findus und der Hahn im Korb“, das am Samstagnachmittag Premiere bei den Domstufenfestspielen für Kinder hatte. Und das am Ende viel Beifall bekam, weil sich das Publikum 70 Minuten lang wirklich sehr amüsiert hatte.

Im Mittelpunkt des Geschehens: ein Hahn, der eigentlich in den Suppentopf wandern soll, aber von Pettersson vor dem rasenden Gustavsson gerettet wird. Sehr zum Unmut von Kater Findus, dem das Gekrähe des sich gockelhaft aufplusternden Federviehs gehörig auf die Nerven geht, sodass er eine List ersinnt, um mit einer Lüge den Schreihhals vom Hof zu bekommen und damit wieder jene Ruhe herzustellen, die man als Katze halt so liebt. Was aber so gar nicht im Sinne der Hühner Prillan, Stina-Fina und Henriette ist, die froh waren, endlich das amouröse Gegenstück aus der Hühnerwelt im Stall zu haben.

Es entspinnt sich eine turbulente Handlung vor dem mit leibevollen Details versehenen Bühnenbild. Eine Handlung, die von ausgesprochen sing- und spielstarken Akteuren getragen wird. Allen voran der dandyhafte Caruso, der sich pausenlos eitel spreizt. Wunderbar gespielt und gesungen von Julian Freibott. Der in der grazilen Portugiesin Leonor Amaral, die dem „katzigsten, schmusigsten, weißesten, clownigsten, mumpsigsten, schlumpfigsten Kater Findus“ mit ausdrucksstarker Mimik und Gestik ein Gesicht gibt, ein bezauberndes Gegenstück findet. Wie die zwei sich fetzen, mit Worten und Gesang, das hat schon etwas Begeisterndes. Und mittendrin, quasi als „Turm in der Schlacht“ Jörn Schümann als Pettersson, der der Figur aus Sven Nordqvists Kinderbüchern täuschend ähnlich sieht.

Nicht zu vergessen auch die drei aufgeregten Hühner, gespielt von Katja Bildt, Maria -Elisabeth Wey und Nicole Nudelmann, die natürlich nichts unversucht lassen, um ihren Hahn im Korb vor dem Kochtopf Gustavssons und vor dem listenreichen Kater Findus, dem er ein Dorn im Auge ist, zu schützen. Am Ende haben sich alle lieb, Caruso ist zwar geflüchtet, hat aber seinem hahnentypischen Kerngeschäft gemäß den Hühnern je ein Ei ins Nest gezaubert. Und der reumütige Findus sieht ein, dass man mit einer Lüge nicht gut lebt.

Die Eltern-Kind- und Großeltern-Enkel-Gespanne, die zur Premiere gekommen waren, zollten dem Ensemble viel Applaus, der auch einem alten Bekannten – Fernando Blumenthal – galt, der die Kinderoper inszeniert hatte. Nicht zu vergessen die vielen Leute hinter den Kulissen, die dafür sorgen, dass die Domstufenfestspiele für Kinder zum Erlebnis für ihr Publikum von morgen werden.

Die Reaktionen reichten von „Toll gemacht!“ bis „echt süß“. Dem muss man eigentlich nicht mehr viel hinzufügen. Bis zum 31. August gibt es insgesamt zwölf Vorstellungen, die nächste am Mittwoch um 10 Uhr.

Das himmelblaue Fahrrad aus der Kinderoper „Pettersson und Findus und der Hahn im Korb“, mit dem der alte Pettersson zu Beginn der Oper auf seinen Hof rollt, wird übrigens am Samstag, dem 14. September, beim Tag der offenen Tür im Theater Erfurt versteigert. Der Erlös kommt der Kinder und Jugendzuflucht Schlupfwinkel (Perspektiv e.V.) zugute.

Das 28er-Herrenrad aus den 70er-Jahren war dem Theater Erfurt für die Produktion der Kinderoper vom Erfurter Radshop Lutzke und dem Raddesigner „Uniq Biqe“ gesponsert und zuvor „aufgemöbelt“ worden. Bei der Kostüm- und Requisitenversteigerung am 14. September soll es nun einen neuen Besitzer finden. Weitere Infos zum Tag der Offenen Tür finden sich unter www.theater-erfurt.de/Spielzeitauftakt

Michael Keller