Dorfwüstung Sulza wird wieder erlebbar

Sulzer Siedlung.  Mitten im Gewerbegebiet Sulzer Siedlung steht jetzt das Fundament einer mehr als 600 Jahre alten Kirche

Die Grundmauern der romanischen Kirche des Dorfes Sulza sind wieder sichtbar. Gestern wurde das Denkmal offiziell übergeben. Es lädt ein, auf dem Radweg zu den Erfurter Seen einen Abstecher ins Gewerbegebiet Sulzer Siedlung  zu machen.

Die Grundmauern der romanischen Kirche des Dorfes Sulza sind wieder sichtbar. Gestern wurde das Denkmal offiziell übergeben. Es lädt ein, auf dem Radweg zu den Erfurter Seen einen Abstecher ins Gewerbegebiet Sulzer Siedlung zu machen.

Foto: Hartmut Schwarz

In der Sulzer Siedlung kann man jetzt wieder in die Kirche gehen – im weitesten Sinne jedenfalls. Denn von der Kirche stehen nur Ansätze der Grundmauer nebst Eingang und ausgemauerter Apsis. Seit gestern ist die vor mehr als 600 Jahren erbaute Kirche der Wüstung Sulza wieder ein fester Bestandteil der Region. Auch wenn die einstige Dorfwüstung jetzt ein Gewerbegebiet ist.

Peter Stampf, Ortsteilbürgermeister der Sulzer Siedlung, versammelte gestern alle Beteiligten zu einem kleinen Festakt, der zeitgemäß vom Weißenseer Bardensänger Holger „Hopfenstreich“ Hoffmann auf der Leier begleitet wurde. Peter Stampf nutzte die Gelegenheit, um zu unterstreichen, dass die Sulzer Siedlung eine Geschichte hat, die bis über das Jahr 1265 hinausreicht. Damals wurde das Dorf Sulza erstmals schriftlich erwähnt, die Kirche, deren Fundamente gefeiert wurden, erstmals 1384.

Sulza gehörte einst zum Sedesbezirk von Ilversgehofen und war damit dem Archidiakonat St. Marien unterstellt. Im 16. Jahrhundert wurde Sulza später vor allem im Zusammenhang mit dem Weinanbau erwähnt. Die geringen Steuerabgaben die in dieser Zeit verzeichnet wurden, lassen darauf schließen, dass es nur noch wenige Bewohner gegeben haben muss. Gegen Mitte des 16. Jahrhunderts wurde das Dorf aufgegeben. Wann genau und warum ist nicht belegt. 1796 ist in den Archiven letztmals von Sulza die Rede, als versucht wurde, die Steine der Kirche zu verkaufen.

Scheinbar ist dies damals gelungen. Denn als 1995 bei der Erschließung des Gewerbegebietes auf die Grundrisse der Kirche gestoßen wurde, gab es von dieser keine Steine mehr. Für den gestern gefeierte Nachbau der Grundmauer wurden deshalb andere Steine gesetzt. Steine der selben Epoche und Dimension, die bei Ausgrabungen in der Erfurter Augustinerstraße freigelegt würden. Insgesamt 20 Tonnen Gestein wurden verbaut – Stück für Stück in Handarbeit vom Weißenseer Bildhauer Gernot Egwald Ehrsam. Mit weiteren zehn Tonnen Füllmaterial wurde das Fundament gefüllt. Auch dieses stammt aus der passenden Epoche – gefunden bei Ausgrabungen in Egstedt.

Neben der Kirche wurde 1995 noch mehr gefunden. Nicht nur Grundrisse diverser Häuser und zahllose Brunnen, sondern auch ein Münzschatz mit mehr als 1300 Brakteaten, die heute im Erfurter Stadtmuseum bewundert werden können. Neben der Kirche sei man auf einen Friedhof gestoßen, erinnert sich Michael Beyer von der Unteren Denkmalschutzbehörde Erfurts. Er wurde so belassen. Die Gebeine der Verstorbenen liegen heute noch dort. Auf 60.000 Quadratmeter, so die bisherige Erkenntnis, hat sich das Dorf Sulze einst erstreckt. Dabei sei nicht auszuschließen, dass bei weiteren Ausgrabungen noch mehr gefunden wird. Erste Funde, die auf die Wüstung hinwiesen, weiß der Ortsteilbürgermeister, wurden bereits 1922 gemacht.

Dass diese mit dem Kirchenfundament wieder ins Bewusstsein zurückgeführt wurde, sei vor allem der Archäologin Karin Sczech zu verdanken, die sich als Gebietsreferentin im Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie für den Erhalt des Grundrisses und für eine Förderung stark machte. Auch wäre es ohne den Eigentümer der Gewerbefläche nicht umsetzbar gewesen. Von der Nillius GmbH wurde das angrenzende Gelände erworben, obwohl es nicht bebaut werden durfte. Jetzt steht die Kirche zwar eingezäunt auf einem Privatgelände – für interessierte Besucher werde sie aber zugänglich gemacht, erklärt Niederlassungsleiter Jens Seidel. Ein fester Termin, an dem die Tore geöffnet werden, wird alljährlich der Tag des offenen Denkmals sein.

Zusätzlich wurde die Wüstung fest in das Konzept der Erfurter Seen integriert. Die Kirche hat eine Info-Tafel erhalten und bietet sich als erster Halt für die aus Erfurt kommenden Radtouristen an. Darum, dass das Fundament stets gut zur Geltung kommt, nicht im hohen Gras verschwindet, kümmert sich die Gemeinnützige Gesellschaft für Jugend- und Sozialarbeit (GJS) aus Kölleda. Die dort beschäftigten ABM werden die einzigen Landschaftspfleger im Freistaat sein, die in einer Kirche rasen mähen werden.