Dramatische Lage beim DRK in Thüringen: Kein Nachschub für Schutzmaterial

Jena.  In Coronakrise gehen die Bestände zur Neige, so dass schon am Dienstag erste Ausfälle drohen, warnt der Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes. Die Lieferangebote seien teils unseriös.

Ein Rettungswagen des Deutschen Roten Kreuzes im Einsatz.

Ein Rettungswagen des Deutschen Roten Kreuzes im Einsatz.

Foto: Tino Zippel

Der Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sieht die Einsatzbereitschaft des Rettungsdienstes in Thüringen in Gefahr. Der DRK-Vorstandsvorsitzende Peter Schreiber sagte unserer Zeitung, es fehle vor allem an Schutzmasken und Schutzkitteln, die unabdingbar seien. Schon am Dienstag werde beim ersten Rettungsdienst das Material ausgehen, bei anderen zum Ende der Woche. Das Land Thüringen, die Landkreise und kreisfreien Städte müssten nun schnellstmöglich helfen, Nachschub zu besorgen, damit die Rettungsdienste in der Coronakrise gerüstet blieben, sagte der Verbandschef. Alle aktuellen Infos im kostenlosen Corona-Liveblog

Lieferangebote zum Teil unseriös

„Wir haben den Eindruck, dass der Rettungsdienst in allen Planungen vergessen wurde“, sagte Schreiber am Sonnabend. Bislang habe es auch keine Abfrage staatlicher Stellen über benötigtes Material gegeben. Der Landeschef spricht über Schwierigkeiten, an entsprechendes Material zu kommen. „Wir bekommen Angebote von Händlern, die bislang Werbemittel verkauft haben, dass sie einen ganzen Container Schutzmaterial besorgen. Keiner weiß, ob das Material den Anforderungen genügt und jemals aus China ankommt. Natürlich sollen wir in Vorkasse gehen“, berichtete Schreiber über Offerten, deren Seriosität fraglich seien.

Dramatische Lage beim DRK in Thüringen: Kein Nachschub für Schutzmaterial

Hinzu komme, dass das Budget eng bemessen sei. Seinen Angaben zufolge bekommen die Rettungsdienste pro Einsatz fünf Euro für Schutzmaterial erstattet. Derzeit koste eine Atemschutzmaske im Einkauf aber schon zwischen 6 und 6,50 Euro. Zwei seien für jedes Rettungsteam notwendig. Die Preise für Mund-Nasen-Masken seien von sieben Cent auf einen Euro gestiegen.

Bestände nehmen wegen Sicherheitsregeln rapide ab

Die Mitarbeiter sind laut DRK aufgrund drohender Infektionen mit dem Coronavirus zu den besonders gefährdeten Personengruppen zu rechnen. Eine persönliche Schutzausstattung ist für jeden Rettungsdienstmitarbeiter im Einsatz ohnehin unabdingbar und Vorschrift. Bei immer mehr Einsätzen müssten die Rettungskräfte zum Eigenschutz besondere Schutzvorkehrungen mit Maske und Schutzkittel treffen. Erschwerend komme hinzu, dass es im Freistaat Kliniken gebe, die bei jeder Einlieferung von Patienten in die Notaufnahme erwarten, dass Patient und Rettungskräfte stets Atemmasken tragen – unabhängig von der Diagnose. Das führe zur rapiden Abnahme der Bestände.

„Wir machen uns große Sorgen und müssen damit rechnen, dass bereits am kommenden Dienstag der erste Rettungsdienst nicht mehr voll einsatzfähig ist“, sagte Schreiber. Das Deutsche Rote Kreuz beschäftigt in Thüringen 1000 Mitarbeiter im Rettungsdienst und sei mit einem Marktanteil von 70 Prozent der größte Anbieter. Aus Gesprächen mit Wettbewerbern weiß Schreiber, dass auch die anderen Organisationen vom Mangel betroffen seien.