Grönemeyer, immer wieder Grönemeyer: Ist die Arena für andere nicht attraktiv genug?

Erfurt  Das Betreiberunternehmen zieht nach drei Jahren eine positive Bilanz. Ein Konzertveranstalter benennt Kritikpunkte am Steigerwaldstadion.

Der Sänger Herbert Grönemeyer bei seinem Konzert im Rahmen der „Dauernd Jetzt“-Tour“ im Erfurter Steigerwaldstadion – drei Jahre später kehrt er erneut in die Arena zurück – mit „Tumult“.

Der Sänger Herbert Grönemeyer bei seinem Konzert im Rahmen der „Dauernd Jetzt“-Tour“ im Erfurter Steigerwaldstadion – drei Jahre später kehrt er erneut in die Arena zurück – mit „Tumult“.

Foto: Sascha Fromm

Ausverkauft, bis auf wenige Restkarten, ist das Grönemeyer-Konzert im Steigerwaldstadion, das in der Arena am 30. August über die Bühne gehen wird. Grönemeyer ist der erste und einzige Künstler, der das Rund der Arena bislang musikalisch in diesem Großformat beschallt hat – schon zur Eröffnung des Neubaus gab er hier 2016 ein Konzert. Was die Frage aufdrängt: Schon wieder Grönemeyer? Gibt es denn keine anderen Künstler, die die Erfurter Arena bespielen wollen?

25.000 Besucher will Herbert Grönemeyer dann mit aktueller CD „Tumult“ und älteren Titeln begeistern, kündigt Christian Fothe an. Der Prokurist der Arena gibt damit zugleich die Antwort auf die immer wieder auftauchende Frage nach anderen Künstlern: Entweder, diese spielen nur vor mehr Publikum, als das Erfurter Stadion fassen kann. Helene Fischer zählt beispielsweise dazu. Ihre Bedingung seien mehr als 40.000 Besucher. Oder aber sie scheuen das Risiko einer Open-air-Veranstaltung – und warten bestenfalls die Erfahrungen ab, die Grönemeyer, Veranstalter und Arena mit dessen Konzert sammeln werden.

Zur Premiere 2016, so sagt Christian Fothe, Prokurist des Stadions, sei manches in der Arena noch eine Baustelle gewesen. Grönemeyer und seinem Team hat es offenbar dennoch in Erfurt gefallen. So ist zu erklären, dass er schon Tage vor dem Konzerttermin die Arena gebucht hat – zum Proben. Für Fothe ist das „bestes Standortmarketing“.

Konzertveranstalter sieht Reihe von Mängeln

Während Fothe für seine Aufgabe und die Arena „brennt“, teilen offenbar längst nicht alle Veranstalter seine Euphorie: So beklagt Holger Schleicher, Technischer Direktor beim Branchen-Riesen „Semmel Concerts Entertainment GmbH“, gleich eine ganze Reihe von Defiziten der Arena. „Insgesamt ist die Infrastruktur für die Durchführung von Großveranstaltungen als ungünstig einzuschätzen“, lautet sein Fazit. Momentan größtes Problem sei für ihn, dass die Bühne nur quer vor die aus Brandschutzgründen gesperrte Westtribüne gestellt werden könne. Weniger vermarktbare Sitzplätze seien die Folge, für die Stromversorgung müssten erhebliche Kabellängen vorgehalten werden und Büros und Garderoben stünden nur in der gegenüberliegenden Tribüne zur Verfügung.

Mit der früheren Kapazität der Arena von etwa 39.000 Plätzen hielte Holger Schleicher auch ein Konzert von Helene Fischer oder Andreas Gabalier für denkbar, beide seien für Erfurt im Gespräch gewesen. „Letztlich werden die Entscheidungen auf Grund einer realen Kalkulation der Einnahmemöglichkeiten und der entstehenden Kosten getroffen. In Erfurt ist das Verhältnis momentan aber sehr ungünstig“, lautet seine Einschätzung.

Veranstalter wollte seine Erfahrungen in Bau einbringen

Der Veranstalter, der auch die Konzerte auf dem Erfurter Domplatz organisiert und über reichlich Erfahrung auch bei Stadiontourneen verfügt, hätte diese Erfahrung beim Stadionumbau gern eingebracht: „Wir haben öfter unser Mitarbeit angeboten, wurden jedoch zu keinem Zeitpunkt in die Planungen eingebunden“, sagt Holger Schleicher, der Meister für Veranstaltungstechnik aus Thüringen. So gebe es aktuell nur eine Lkw-Zufahrt, die Tartanbahn müsse zum Schutz mit Schwerlastplatten ausgelegt werden und der Antransport für eine Produktion mit 50 oder mehr Lastzügen gestalte sich nicht nur aufwendig, sondern auch teuer.

Fothe kennt all diese Kritikpunkte. Tartanbahnen müssten allerorts geschützt werden, dafür müsse nach dem Konzert in Erfurt kein Rasenaustausch erfolgen. Die meisten Arenen hätten nur eine Lkw-Zufahrt, Erfurt biete eine weitere für Gabelstapler-Anfahrten. Selbst der für Publikum gesperrten Westtribüne kann er aber etwas Positives abgewinnen: Der Generator für den Bühnenstrom werde hinter die gesperrte Tribüne gestellt, der Kabelweg sei daher sehr kurz. Wäre die Westtribüne nicht gesperrt, müsse die Zuschauerzahl im Innenbereich verringert werden, führt Fothe als Gegenargument an.

Grönemeyer mit dem Bus zur Bühne

Grönemeyer werde im Bus von seiner Garderobe zur Bühne gefahren, einmal ums Stadion herum, wenn alle Zuschauer schon im Innenbereich sind. „Organisatorisch lässt sich sowas doch leicht regeln“, sagt Fothe. Wenn zum Grönemeyer-Konzert alles funktioniert, würden sich gewiss auch andere Veranstalter aus der Deckung wagen, ist er überzeugt.

Dass die Bühne quer zur Westtribüne stehe, lasse den Schriftzug „Erfurt“, den die rot und weiß gehaltenen Sitze zeichnen, weiterhin sichtbar bleiben. Für Konzertbesucher, aber eben auch alle filmenden und fotografierenden Medien, die vorab über die Tournee Grönemeyers berichten werden.

Das war auch bei der Weltraumshow mit Alexander Gerst schon der Fall – und beste Werbung für die Stadt, freut sich Fothe. Vielleicht klappt es dank des Astronauten und tausender begeisterter Kinder sogar mit einem Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde.

Rot-Weiß Erfurt muss ausweichen

Wenn Grönemeyer kommt, muss Rot-Weiß Erfurt für drei Spieltage weichen. Doch der Fußballverband sei sehr zugänglich, wenn es um solche Sperrtermine für den Regionalligisten geht, sagt Fothe. Selbst wenn es mitten in der Saison geschieht und es eigentlich englische Wochen für die Erfurter Elf gibt. So sehr sich Fothe einen Aufstieg des RWE wünscht: Für Veranstaltungen, Messen und Kongresse im 1500 Quadratmeter großen Parksaal, dem Herz und Kerngeschäft der Arena, schrumpfen mit der Höherklassigkeit des Fußballteams die dafür freien Termine. Inzwischen sei das Tief durchquert, aber in der Vergangenheit habe der Verein eher für schlechte Schwingungen und nicht für einen erhofften Werbeeffekt gesorgt.

Drei Jahre Arena – das ist auch Zeit zu schauen, ob hochfliegende Pläne und erwarte Besucherzahlen eingetroffen sind und das modernisierte Steigerwaldstadion hält, was einst versprochen wurde. Aus der Enge zwischen Tartanbahn auf der einen und dem Stadtpark auf der anderen Seite hat nach Einschätzung Fothes die Architektur das beste herausgeholt. Klar, die größeren Garderobenbereiche sind im Keller – „sonst hätte der Saal an Fläche verloren“, so Fothe. Zudem gibt nur ein Foyer, das sich nötigenfalls Logen- oder Parksaalgäste teilen müssen, zumeist eine Parallelbelegung aber ausschließt. So werden Logen-Termine maximal sechs Monate im Voraus vergeben, um sich keine Großveranstaltung im Parksaal damit zu verbauen. Größter Wert auf wertige Architektur und Design sei gelegt worden, mit den genannten Einschränkungen funktioniere das auch bestens. Und eine feste Beschilderung des Weges zu den Garderoben, die die laminierten Zettel ersetzt, soll diesen Sommer auch endlich folgen.

Arena-Umsatz über Plan

Modern, clean und cool – so hebe sich die Arena von der Konkurrenz ab. Preislich im nationalen Vergleich günstig, im regionalen eher teuer, so habe man ein spezielles, exklusives Marktsegment für sich gefunden, ohne anderen in Erfurt Konkurrenz zu machen. Ohnehin: 90 Prozent der Werbemaßnahmen für die Arena laufen außerhalb Thüringens, werben mit ICE und bester Lage.

0,5 Open-Air-Konzerte im Jahr, oder anders ausgedrückt alle zwei Jahre eins – so steht es im Plan der Arena. Und rund 130 Veranstaltungen, Messen und Kongresse in dem Bereich, der den Namen „Multifunktionsarena“ begründet. „Wir sind auf einem guten Weg zur Vollauslastung“, sagt Fothe, wissend, dass jede Mehreinnahme den städtischen Zuschuss von aktuell über einer Million Euro verringert. Dieses Jahr steht ein Umsatz von 450.000 Euro in Wirtschaftsplan. 100.000 Euro wird die Arena wohl drüber liegen – was den Steuerzahler freuen wird.

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