Heizungen in Erfurter Straßenbahnen steigen im Winter reihenweise aus

Erfurt  Erfurt. Nach der Umstellung des Fahrbetriebs der Erfurter Straßenbahnen auf 750 Volt flogen die Sicherungen in den Combino-Zügen immer wieder heraus.

Nicht nur mit den Schneemassen haben die Straßenbahnen im Winter zu kämpfen. Auch die Heizungen fallen häufig aus. Archiv-Foto: Maik Ehrlich

Nicht nur mit den Schneemassen haben die Straßenbahnen im Winter zu kämpfen. Auch die Heizungen fallen häufig aus. Archiv-Foto: Maik Ehrlich

Foto: zgt

Die Erfurter Verkehrsbetriebe haben erneut Ärger mit den Straßenbahnen des Typs Combino der Firma Siemens. Nach der Umstellung der Spannung im Evag-Leitungsnetz von 600 auf 750 Volt häuften sich die Defekte bei den Dachheizungen in den Fahrzeugen.

„Wir haben bereits zum Ende des vergangenen Winters festgestellt, dass die Sicherungen immer dann herausflogen, wenn im Netz Spannungsspitzen auftraten“, so Geschäftsführerin Myriam Berg. Kurzzeitige Erhöhungen der Spannung auf fast 1000 Volt in einem solchen Netz seien normal und sollten von den Combinos auch ohne Schwierigkeiten verkraftet werden. Das jedenfalls hatte Siemens der Evag versichert – bevor es dann immer mal wieder kalt in den Bahnen wurde.

Siemens versprach schnelle Abhilfe, musste dafür jedoch den Zulieferer der anfälligen Heizungen einbinden. Die Evag versprach im Gegenzug dafür erst einmal stillzuhalten und im Sommerbetrieb die Heizungen einfach vom Stromnetz zu nehmen. Behoben sind die Probleme jedoch nach wie vor nicht. „Wir haben uns daher entschlossen, die Spannung im Netz wieder etwas abzusenken“, sagt Myriam Berg. Nun hängen die Bahnen mit einer Normalspannung von etwa 720 Volt an der Oberleitung. Bislang halten die wieder in Betrieb genommenen Dachheizungen durch.

Ärgerlich ist der Fehler dennoch. Denn eine höhere Spannung reduziert nach den Bestimmungen des Ohmschen Gesetzes die Stromstärke – und damit die Kosten der Evag für den Fahrbetrieb aller Bahnen. Denn abgerechnet und bezahlt wird die Energie nach dem Verbrauch der bezogenen Kilowattstunden. Und Watt ist die physikalische Einheit der Stromstärke.

„Wir haben jetzt höhere Stromkosten“, bestätigt Myriam Berg. „Aber dafür sitzen unsere Fahrgäste im Warmen.“ Je nach Strenge des Winters können die Mehrkosten mehrere zehntausend Euro betragen.

Es ist nicht der erste Ärger, den die Evag mit ihren Combinos hat. Vermutlich wegen defekter Gummidichtungen läuft bei Fahrzeugen aus den frühen 2000er-Jahren bei starkem Regen Wasser in die Wagenkästen. Das stellten die Ingenieure des Unternehmens schon vor Jahren überrascht fest, als sie sich im Rahmen der vorgeschriebenen Hauptuntersuchungen tief ins Innere der Bahnen vorgearbeitet hatten. Doch genaues weiß man immer noch nicht.

Möglich sei ein Materialfehler oder eine bauartbedingt falsche Form der Dichtungen, heißt es. Vor allem ist bis heute noch keine Lösung in Sicht, wie die Fehler dauerhaft behoben werden könnten. Dabei streiten sich Evag und Siemens schon seit Jahren über die Kostenübernahme der Schäden und deren Beseitigung. Seit mehr als einem Jahr liegt der Streit als Beweissicherungsverfahren am Erfurter Landgericht.

Lösung für kommendes Jahr angekündigt

So weit ist das Heizungsproblem bislang nicht gekommen. Der Hersteller arbeitet an einer Lösung. Doch derzeit ist nicht klar, ob nur die Software oder Teile der Heizung ausgetauscht werden müssen. „Siemens hat uns versprochen, bis zum Frühjahr den Fehler und eine Lösung zu finden“, so Myriam Berg. Dann werde auch die Spannung im Netz wieder erhöht.