Millionenscheck für Freibäder

Erfurt.  Der Sanierung des Dreienbrunnenbades und Möbisburger Bades steht offenbar nichts mehr im Wege

Bäderchef Torsten Schubert (links) quittiert den Fördermittelbescheid den ihm Finanzdezernent Steffen Linnert vorlegt. Stadtwerkechef Peter Zaiß schaut interessiert zu.

Bäderchef Torsten Schubert (links) quittiert den Fördermittelbescheid den ihm Finanzdezernent Steffen Linnert vorlegt. Stadtwerkechef Peter Zaiß schaut interessiert zu.

Foto: Michael Keller

Himmel Grau in grau. Kalter Wind. Im Restwasser scheinen die Laubreste am Beckenboden durch. Dennoch zufriedene Mienen im Dreienbrunnenbad, dessen sanierungswürdiges Äußeres bei dieser Tristesse besonders deutlich wird. Zufriedenheit dennoch, weil Wirtschafts- und Finanzdezernent Steffen Linnert eine schmucklose Mappe mit gebracht hatte.

Deren Inhalt: ein Fördermittelbescheid, mit dem es in den nächsten Jahren gelingen soll, das Dreienbrunnenbad und das Freibad in Möbisburg zu sanieren. 6,2 Millionen Euro kostet alles zusammen. 3,3 Millionen sind für Erfurt, 2,8 Millionen für Möbisburg vorgesehen. Zwei Drittel des Betrages fördert der Bund, ein Drittel die Stadt.

Linnert wies ausdrücklich darauf hin, dass das Geld aus dem Bundesprogramm zur Sanierung kommunaler Einrichtungen in Sport, Jugend und Kultur durch die tatkräftige Unterstützung der beiden Erfurter Bundestagsabgeordneten Antje Tillmann (CDU) und Carsten Schneider (SPD) geflossen sei.

2016 wurden die Freunde des Dreienbrunnenbades aufgeschreckt. Die Abrissbirne schwang schon über dem 113 Jahre alten Fachwerkensemble. Zu kaputt, Sanierung nicht zu bezahlen, hieß es. Doch die Proteste zeigten Wirkung. 2016 beschloss der Stadtrat die Kehrtwende.

Im Jahr darauf wurde der Fördermittelantrag gestellt. Nun ist das Geld da und es kann losgehen. Im nächsten Jahr. Auch im Freibad Möbisburg. Da darf in der kommenden Saison aber noch gebadet werden. „Es gibt nicht nur die Bundesgartenschau, sondern auch noch andere wichtige Dinge“, frohlockte Stadtwerke-Chef Peter Zaiß, unter dessen Ägide Erfurts Freibäder laufen.

Einher gehend mit der Sanierung des Dreienbrunnenbades sei die des benachbarten Wehres. Das bekommt von dem für die Gewässer zuständigen Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz auch gleich eine Fischtreppe. Beide Maßnahmen – Wehr- und Freibadsanierung – könnten teilweise parallel laufen. Was erhebliche Einschnitte in den Wegebeziehungen zwischen Luisenpark und der anderen Gera-Seite bedeuten würde.

Der Denkmalschutz mache die Sanierung des Dreienbrunnenbades schwierig, so Torsten Schubert, der Geschäftsführer Bäder bei den Stadtwerken. Der Altbestand in dekorativem Fachwerkstil mache es kompliziert und teuer. Die Gebäude werden originalgetreu saniert, innen erhalten sie moderne Sanitärtechnik.

Das Becken wird natürlich auch erneuert – allerdings schrumpft es um acht Meter auf 25 Meter Länge. Es bekommt auf Wunsch der Badegäste drei Schwimmbahnen. Auf der freiwerdenden Fläche vor den Gebäuden wird unten Technik installiert. Darüber sollen künftig die Gäste das Angebot der nach vorn verlegten Gastronomie genießen können. Speisen und Getränke soll es künftig auch außenseitig geben. Sicher sehr zur Freude von Radlern und Spaziergängern. Die Erfurter Nudisten müssen allerdings von dem Gedanken Abschied nehmen, dass das früher den FKK-Jüngern vorbehaltene Sonnendeck saniert wird. Es wird verschwinden. Auch das Möbisburger Becken schrumpft heftig. Es wird von 50 auf 25 Meter Länge verkürzt. Den Platz brauche die moderne Schwimmbadtechnik, so Geschäftsführer Schubert.

17.000 Badegäste hatte das Dreienbrunnenbad in diesem Corona-verkorksten Jahr, das Möbisburger Bad zählte 22.000. Der Rückgang schlägt für die Stadtwerke mit 70.000 Euro Verlustzuschuss zu Buche. Ein Umstand, der sich nach der Sanierung der beiden beliebten Freizeiteinrichtungen nicht wiederholen soll.