„Wir kämpfen um jeden Tag!“: Wettlauf mit der Zeit auf dem Erfurter Petersberg

Erfurt.  Das Kommandantenhaus und die Brücke zur Bastion Martin liegen hinter dem Buga-Zeitplan zurück. Dezernent Hilge: „Wir kämpfen um jeden Tag!“

Am Kommandantenhaus wird langsam der Anbau sichtbar. Dezernent Alexander Hilge besichtigte die Baustelle am Freitag.

Am Kommandantenhaus wird langsam der Anbau sichtbar. Dezernent Alexander Hilge besichtigte die Baustelle am Freitag.

Foto: Marco Schmidt

Die Bauarbeiten für die Buga auf dem Petersberg werden zum Wettlauf mit der Zeit. Und besonders beim Kommandantenhaus und bei der Brücke zur Bastion Martin ist die Zeit ein ernsthafter Konkurrent. Die Stadt hat bereits mit den Firmen Beschleunigungsverträge abgeschlossen, die mehr Personal am Kommandantenhaus und drei Schichten beim Brückenbau vorsehen.

„Wir kämpfen um jeden Tag, den wir rausholen können“, sagt Buga-Dezernent Alexander Hilge (SPD). „Das Ziel bleibt, bis zur Buga fertig zu werden.“ Eine Garantie könne er aber nicht geben. Die Verzögerungen haben unterschiedliche Gründe. Bei Kommandantenhaus überraschte die alte Bausubstanz. Ein historischer Pfusch am Bau führte etwa dazu, dass eine Gebäudeecke beim Aushub für den geplanten Anbau neu unterfangen werden musste. Zu Jahresbeginn offenbarte sich so ein Mehraufwand von drei Monaten. Die Unterfangung ist inzwischen fertig gestellt, genau wie der Fahrstuhlschacht des Anbaus und der Durchgang zum alten Haus, in dem eine moderne Ausstellung zum Petersberg geplant ist. Der Anbau soll im Rohbau im November fertig werden.

Wie viel Zeit aus den drei Monaten Verzug wieder herausgeholt wurde, lässt sich laut Hilge nicht beziffern, da die Arbeitsabläufe neu organisiert worden seien. Planer und Statiker suchten innovative Lösungen vor Ort. Das Dach des Anbaus werde am Computer modelliert, um früher mit dem Bau der Konstruktion beginnen zu können. „Wir hinterfragen jeden einzelnen Arbeitsschritt“, betont Hilge.

Das Kommandantenhaus und sein Innenausbau selbst lägen im Plan. Der neue Anbau werde bis 23. April auf jeden Fall von außen fertig aussehen und nutzbar sein. Dort sind die WC-Anlagen, der Zugang zur Petersberg-Ausstellung mit Souvenirverkauf und ein Besprechungsraum geplant.

Keine Einschränkung für die Buga-Besucher erwartet

„Für die Buga-Besucher wird es keine Einschränkungen geben“, versichert Hilge. „Vielleicht sind zur Eröffnung nicht gleich alle Möbel da.“ Auch letzte Malerarbeiten im Besprechungsraum kann er für die Zeit ab 23. April nicht ausschließen. Rohbauarbeiten oder gar ein Bauzaun seien dann aber nicht mehr nötig. „Nach den Gesprächen der letzten Woche sehe ich eine realistische Chance, pünktlich fertig zu werden.“

Beim Bastionskronenpfad sorgte vor allem eine neue statische Berechnung für Zeitverzug. Sie wurde erforderlich, weil nach Protesten von Naturschützern zunächst nur der erste Bauabschnitt gebaut wird und bis zur Buga nur eine von zwei geplanten winklig verbundenen Brücken über die Lauentor-Straße entsteht.Die temporären Mauerdurchbrüche an der Festungsmauer und an der Bastion Martin sind erfolgt. Die Fertigung der Brücke im Werk habe begonnen, sagt Hilge.

Für die zweite Brücke, die zu einem Baumkronenpfad durch das „Wäldchen“ führen sollte, wurden die Widerlager vorbereitet. Ob sie irgendwann gebaut wird, hängt von den Gerichtsverfahren gegen die Eingriffe ins landschaftsgeschützte Wäldchen ab.

Die Fördergelder bleiben zunächst beim Land. „Der Freistaat hat sich aber dazu bekannt, dass er das Projekt weiterhin gut findet“, sagt Hilge. Er ist überzeugt, dass die Gelder auch bei einem späteren Bau wieder fließen. Jüngstes Opfer des reduzierten Bastionskronenpfades ist der barrierefreie Rundweg und damit auch die Idee, den Petersberg als Vorzeigeort des barrierefreien Tourismus zu vermarkten. Die Horchgänge werden zwar für Rollstuhlfahrer zugänglich gemacht. Aber dahin kommen sie nur mit Hilfe fremder Muskelkraft, sagt Hilge.

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