Klaus Blechschmidt sucht Dokumente und Fotos vom Abriss des Leuchtturms des ehemaligen Conitzer-Kaufhauses in Gotha, heute „Moses“. Die etwa elf Meter hohe Säule war an der Vorderseite des Kaufhauses zur Erfurter Straße montiert. Sie war ein Zeugnis der Moderne, mit dem Gothas Bauhaus-Architekt Bruno Tamme das damalige Kaufhaus „M. Conitzer & Söhne“ schmückte.

Die Leuchtreklame sei ein wesentliches Merkmal des Gebäudes gewesen, erinnert Bauhaus-Enthusiast Blechschmidt. Der Turm war aus Glas gefertigt und strahlte die Kaufhaus-Werbung in den Abendhimmel über die Stadtgrenze hinweg. Deutschlandweit gebe es etwas Vergleichbares in Berlin am Alexanderplatz in den Bauten von Peter Behrens, einem der maßgebenden Industriedesigner des frühen 20. Jahrhunderts.

Zeugnisse der Bauhaus-Architektur in Gotha gibt es wenige. Aber das Kaufhaus in der Erfurter Straße findet weltweit Beachtung. Ein Foto des Gebäudes des Architekten Bruno Tamme, eingeweiht am 4. Dezember 1928, schmückt den Bauhaus-Kalender 2020. „Denn Bauhaus geht auch 100 Jahre nach der Gründung weiter“, wie Blechschmidt betont.

Im Kalender „Bau1haus – die Moderne in der Welt“ des Berliner Fotografen Jean Molitor steht das Kaufhaus in Gotha in einer Reihe mit Gebäuden auf der ganzen Welt, wie dem städtischen Parkhaus in Madrid (erbaut 1935, Architekten José Azpiroz und Luis Ferrero), dem Chilehaus in Hamburg (erbaut 1922-24, Architekt Fritz Höger) oder der Kathedrale Notre Dame de la Paix in Bukavu in der Demokratische Republik Kongo (erbaut um 1940, Architekt unbekannt).

Auch in der Bauhaus-Ausstellung ab 15. November im Kunstforum, die Klaus Blechschmidt, vorbereitet, soll das Kaufhaus eine zentrale Stelle einnehmen. Es soll in der ursprünglichen Gestaltung virtuell wieder erstehen, wie der Formgestalter aus Gotha sagt. Die Ausstellung will Originaldokumente und Zeugnisse aus der Gothaer Bauhaus-Architektur präsentieren sowie Zeugnisse vom Leben und Werk der Designerin Marianne Brandt.

Die Bauhaus-Architektur des Kaufhauses lässt sich auch nach mehr als 90 Jahre erkennen. Doch ohne Leuchtturm fehlt ein signifikantes Element. Und es liegen keine Dokumente oder Fotos vor, die belegen und zeigen, wann und wie er abgerissen worden ist. Trotz umfangreicher Recherche lasse sich das nicht genau sagen. „Ob 1987, 88, 89 oder 90, da streiten sich die Geister“, sagt Blechschmidt. Weder im Stadtarchiv sei der Abriss dokumentiert, noch liege eine Aufnahme davon vor, sagt er. Auf Fotos von 1987 sei der Leuchtturm noch zu erkennen. Auf Bildern aus Wende-Jahren fehle er hingegen, grenzt Blechschmidt den Zeitraum ein. Seine Hoffnung, fündig zu werden, gründet sich darauf, dass so ein elf Meter hoher Turm nicht einfach verschwunden sein könne.

Hinweise: Klaus Blechschmidt, Tel.: 03621/25 9 25

Wieland Fischer