Bernd Fundheller aus Gotha kandidiert für die Linke

Gotha  Gespräch mit Landtags-Direktkandidat Bernd Fundheller (Die Linke) über Lehrermangel, das Wiederbeleben von Bahnstrecken und die fehlende junge Szene in Gotha

Die Direktkandidaten des Wahlkreises 15 (Gotha II) für die Landtagswahl befragt unsere Zeitung gemeinsam mit Mitgliedern des Kinder- und Jugendforums Gotha. Bernd Fundheller (Foto links) wurde von Thomas Hanl interviewt.

Die Direktkandidaten des Wahlkreises 15 (Gotha II) für die Landtagswahl befragt unsere Zeitung gemeinsam mit Mitgliedern des Kinder- und Jugendforums Gotha. Bernd Fundheller (Foto links) wurde von Thomas Hanl interviewt.

Foto: Claudia Klinger

In einem Gemeinschaftsprojekt mit dem Kinder- und Jugendforum Gotha befragt unsere Zeitung die Direktkandidaten im Wahlkreis 15 zur Landtagswahl. Bernd Fundheller (63) aus Gotha ist von Beruf Maurermeister, seit 1990 Mitglied der PDS, heute Die Linke, sitzt seit 1999 im Stadtrat Gotha und ist dort seit 2008 Fraktionsvorsitzender für Die Linke. Von 2014 bis 2019 hatte er für seine Partei auch ein Mandat im Kreistag.

Ganze Klassenstufen ohne Geografieunterricht, reduzierte Sportstunden – der Lehrermangel ist nach wie vor deutlich spürbar. Wie wollen Sie dem wirksam etwas entgegen setzen, denn die bisher geschaffenen Stellen scheinen das Problem nicht zu lösen?

Das Thema Schulausfall und Lehrermangel ist ein wichtiges Thema gewesen in den letzten Jahren. Wir haben uns da vieles auf die Fahnen geschrieben, konnten aber noch nicht alles erreichen. Daran sieht man, wie groß dieses Problem ist. Wir haben inzwischen 3550 Lehrer eingestellt – die Gesamtzahl von 17.700 Lehrern in Thüringen ändern wir damit aber nicht. Wir wollen aber weiterhin neue Lehrer einstellen und die Ausbildung von Lehrern verbessern.

Was halten Sie von Quereinsteigern in den Lehrerberuf?

Das ist bei uns besprochen worden und auch eine Möglichkeit. Wir wollen aber in erster Linie die Fachkräfte, die den Lehrerberuf auch studiert haben, weil eine pädagogische Ausbildung wichtige Voraussetzung ist für den Lehrerberuf.

Alle Welt redet von Digitalisierung, aber an Schulen ist es damit nicht weit her. Was haben Sie vor, um bei diesem Thema in den Schulen auf die Höhe der Zeit zu kommen?

Wir haben Digitalisierung im Programm stehen und bereits ein Programm aufgelegt, durch das eine halbe Milliarde Euro für den Breitbandausbau in Thüringen zur Verfügung steht. Das ist für uns eines der wichtigsten Themen. Das gehen wir aber gestaffelt an. Zuerst sind die Firmen dran. Die Gewerbegebiete brauchen den Breitbandausbau dringend. Als nächstes wollen wir die öffentlichen Gebäude und natürlich auch die Schulen anbinden. Das ist dringend notwendig, wie ich im Frühjahr bereits im Kommunalwahlkampf gesehen habe. Die Schulen sind zu schlecht ausgestattet. Da ist in den letzten Jahren viel vernachlässigt worden. Aber wir tun was. Das Land unterstützt mit dem Schulinvestitionsprogramm die Schulträger bereits bei baulichen Verbesserungen. Die Ausstattung gehört dazu.

Das Material ist die eine Sache, nötig sind auch Lehrer, die mit den neuen technischen Möglichkeiten umgehen und dieses Wissen vermitteln können.

Die Qualifizierung der Lehrer für digitales Lernen steht bei uns im Wahlprogramm. Die läuft auch schon und soll weitergeführt werden.

Soll das noch auf das hohe Pensum der Lehrer draufgepackt werden?

Nein, dafür müssen wir Freiräume schaffen, und auch deshalb brauchen wir mehr Lehrer.

Schüler engagieren sich verstärkt für die Umwelt. Sie fordern auch einen guten Nahverkehr. In Thüringen gibt es ein Azubiticket, warum aber noch kein Schülerticket?

Das Azubiticket war der erste Schritt, auch wenn ein Landkreis noch nicht mitmacht. Das Schülerticket ist der nächste Schritt.

Wir wollen aber nicht nur eine Entlastung für Jugendliche schaffen, sondern auch für andere Menschen. Gerade für ältere Leute ist es wichtig, mit einem guten Nahverkehr zu günstigen Bedingungen mobil bleiben zu können. Bus und Bahn müssen öfter fahren, damit Nahverkehr attraktiver wird als das eigene Auto. Dafür muss auch mehr Verkehr auf die Schiene verlagert, müssen stillgelegte Strecken wieder in Betrieb genommen werden.

Welche Strecken meinen Sie konkret?

Im Saale-Orla-Kreis geht es zum Beispiel um die Höllentalbahn, und im Landkreis Gotha sind wir dran, die Ohratalbahn wiederzubeleben. Die Strecke von Gotha nach Gräfenroda ist immer noch attraktiv und nicht entwidmet worden.

Was könnten Sie im Landtag dafür tun?

Das Infrastrukturministerium einbinden, das jemanden finden muss, der diese Strecke betreiben will. Es gab ja auch mal die Idee, dort eine Übungsstrecke für Lokführer draus zu machen. Aber davon habe ich nichts wieder gehört. Die Strecke wäre auch touristisch interessant.

Apropos Tourismus. Wie kinderfreundlich ist Thüringer Tourismus?

So viel ich weiß, sind Kinder überall willkommen in Thüringen, auch in Hotels. Ich kenne keine negativen Meldungen.

Als Fahrradfahrer leben auch Schüler oft gefährlich. Wann wird es endlich mehr Radwege geben, die ja allen Menschen und auch der Umwelt nutzen?

Da gibt es in Thüringen ein Radwegekonzept, für dessen Umsetzung auch Geld eingestellt worden ist. Aber die Kommunen müssen es letztlich entscheiden und selbst Geld dafür in die Hand nehmen. Wichtig wäre, Radwege so zu bauen, dass man schnell vom Stadtkern in die Randgebiete kommt und umgekehrt.

Aber auf welche Weise ist das Land da in der Pflicht?

Es müsste bei der Förderung solchen schnellen Radwegeverbindungen den Vorrang geben, denn bei touristischen Radwegen sind wir schon ganz gut aufgestellt. In Gotha wird der touristische Ausbau des Töpfleber Weges gefördert – besser wäre meiner Meinung nach eine Verbindung direkt zum Gewerbegebiet Gotha-Süd gewesen.

Viel zu viele junge Menschen wandern nach wie vor ab. Wie kann der Freistaat Thüringen Einfluss nehmen, dass mehr von ihnen hier eine Ausbildung oder ein Studium aufnehmen oder zumindest nach ihrer Ausbildung oder ihrem Studium zurückkommen?

Da sind wir mit einem Arbeitsmarktprogramm dran. Die Frage des Hierbleibens ist immer wieder die Frage des Geldverdienens. Ich könnte sagen, wir verbessern die Standortbedingungen, denn in Gotha gibt es zum Beispiel zu wenige Angebote für junge Menschen. Wir haben hier zwar viel für kleine Kinder, aber wenig für Jugendliche und junge Erwachsene. Da fehlt uns eine Szene in Gotha. Aber die Frage ist, ob das reichen würde. Ketzerisch sage ich mal, der Facharbeitermangel ist gar nicht so schlecht, denn er zwingt die Unternehmen dazu, seine Beschäftigten gut zu bezahlen. Der Mindestlohn war ein wichtiger Schritt, aber das reicht nicht.

Sollten nicht Ausbildungs- und Studienstandorte attraktiver werden?

Sofort, ich bin unbedingt für den Erhalt der Verwaltungsfachhochschule und der Steuerbildungsstätte in Gotha. Gerade ist Gotha als zweiter Standort der Landesfeuerwehrschule im Gespräch. Das fände ich eine gute Sache, wenn das hierher käme. Und natürlich könnte ich mir auch eine Kunsthochschule gut in Gotha vorstellen. Dann würden wir eine Szene bekommen, die hier in Gotha fehlt.

Warum wurde die Förderung von Klassenfahrten eingeschränkt?

Ich bin mir nicht sicher, ob die wirklich eingeschränkt wurde. Ich glaube eher, dass das nur falsch dargestellt wurde. Klassenfahrten werden nach wie vor gefördert.

Wie können junge Menschen heutzutage besser an demokratischen Prozessen beteiligt werden?

Wir unterstützen das Kinder- und Jugendforum in Gotha. Wir haben das Wahlalter runtergesetzt auf 16 Jahre.

Aber nicht bei der Landtagswahl…

…nein, das ist im Gespräch, da sind wir noch dran. In der nächsten Legislaturperiode soll das kommen. Aber wir haben ja das neue Demokratiegesetz, und ein wichtiger Punkt darin ist, dass mit 14 Jahren schon ein Einwohnerantrag gestellt werden kann. Und dann muss sich das kommunale Gremium wie Stadtrat oder Kreistag damit beschäftigen.

Mit dem neuen Bürgerbeteiligungsgesetz sind wir da wirklich auf einem guten Weg. Außerdem sind wir in Thüringen dran, einen Landesjugendbeirat zu gründen, der dem Landtag Bericht erstatten soll.

Gab es schon solche Einwohneranträge von 14-Jährigen?

Nein, leider ist mir da noch kein Beispiel bekannt. Wahrscheinlich wissen das noch zu wenige.

Was halten Sie von einem Antrags- und Rederecht für das Kinder- und Jugendforum im Stadtrat Gotha?

Gerne, das würde ich sofort unterstützen.

Könnten Sie sich dafür auch eine Änderung der Thüringer Kommunalordnung vorstellen? Das müsste ja vom Landtag angeschoben werden.

Das wäre eine gute Idee, und ich würde mich dafür einsetzen.

Wenn Sie in den Landtag gewählt werden – was möchten Sie dann für junge Menschen erreichen?

Zunächst den Landesjugendbeirat zu gründen, damit das Mitspracherecht für junge Menschen gewährleistet wird und sie eine Stimme haben. Das Schülerticket ist auch ein wichtiges Ziel, am besten kostenlos. Und natürlich sollten die Schulen weiter saniert werden. Für die Kindergärten wünsche ich mir eine Verbesserung des Betreuungsschlüssels, das heißt, weniger Kinder pro Erzieher.

Was wollen Sie im Landtag für Gotha tun?

Ich würde mich bemühen, vielleicht noch eine weitere Schule oder eine Hochschule nach Gotha zu holen. Außerdem ist wichtig, dass die 60-Millionen-Euro-Förderung für die Sanierung des Schlosses Friedenstein eingehalten wird und dass auch die Orangerie nicht vergessen und weiter saniert wird. Und im ÖPNV würde ich gern für Gotha so einen guten Status wie in Erfurt erreichen.

In den vergangenen Interviews haben wir bereits mit Felix Kalbe (Bündnis 90/Die Grünen)und Matthias Hey (SPD) gesprochen. Alles zur Wahl auch online: www.thueringer-allgemeine.de/wahl

Über das Projekt:

Im Wahlkreis 15 (Gotha II), der die Stadt Gotha und die Gemeinde Hörsel umfasst, treten Marion Rosin (CDU), Bernd Fundheller (Die Linke), Matthias Hey (SPD), Stephan Steinbrück (AfD), Felix Kalbe (Bündnis 90/Die Grünen) und Martin Steinbrück (FDP) als Direktkandidaten für den Landtag an.

Mitglieder des Kinder- und Jugendforums Gotha befragen die Kandidaten zu Themen, die junge Menschen interessieren und werden von unserer Zeitung dabei unterstützt. Das Forum gibt es seit 1998. Es arbeitet mit der Stadtverwaltung zusammen.

In einer Podiumsdiskussion stellen sich die Bewerber des Wahlkreises 15 am 30. September um 19 Uhr im „The Londoner“ vor. (ck)

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